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Vorbild: 1.200 Menschen protestierten Anfang Dezember in Salzkotten gegen die AfD und für Toleranz. Ähnliches erhofft sich auch die Initaitive Paderbunt, die für den 15. Januar zur Gegendemo aufgerufen hat. Mehrere Parteien sowie das Paderborner Bündnis gegen Rechts haben ihre Unterstützung angekündigt. - © Marc Köppelmann
Vorbild: 1.200 Menschen protestierten Anfang Dezember in Salzkotten gegen die AfD und für Toleranz. Ähnliches erhofft sich auch die Initaitive Paderbunt, die für den 15. Januar zur Gegendemo aufgerufen hat. Mehrere Parteien sowie das Paderborner Bündnis gegen Rechts haben ihre Unterstützung angekündigt. | © Marc Köppelmann

Paderborn Gauland-Auftritt bei AfD-Demo in Paderborn fällt aus

Kundgebung am 15. Januar: Ratsfraktionen finden deutliche Worte / An einer Gegendemonstration wollen sich aber nicht alle beteiligen / Münch ersetzt Gauland

Birger Berbüsse
05.01.2016 | Stand 05.01.2016, 11:28 Uhr

Paderborn. Wenn es um "politische Rattenfänger" und "alte Hetzer" geht, dann ist die Alternative für Deutschland nicht fern: Mit teils sehr deutlicher Wortwahl formulierten die Fraktionsvorsitzenden der Paderborner Ratsparteien ihre Reaktion auf die für den 15. Januar in der Domstadt angekündigte AfD-Kundgebung. Am späten Montagabend musste die rechtspopulistische Partei für ihre Demo-Pläne jedoch einen Dämpfer hinnehmen: Der als Hauptredner angekündigte Alexander Gauland sagte "wegen unaufschiebbarer Termine" seinen Auftritt in Paderborn ab. Er wird nun durch den Sprecher des hessischen AfD-Landesverbandes, Peter Münch, ersetzt. Der zunächst geplante Auftritt Gauland hatte breite Abneigung in Paderborn hervorgerufen. Wie mit der Demo umgegangen werden sollte, darüber herrschte in der Umfrage für nw.de hingegen weniger Einigkeit. Die AfD versuche, politisches Kapital aus der Not anderer Menschen zu schlagen, befindet Franz-Josef Henze von der SPD: "Das finde ich sehr verwerflich!" Seine Partei wolle deshalb auf der anderen Seite Präsenz zeigen und in Gesprächen versuchen, Demonstranten aufzuklären. "Auf alle Fälle" beteiligen sich auch die Grünen an der Gegendemo, verspricht Brigitte Tretow-Hardt. Die AfD-Kundgebung sei über die Feiertage schon ausführlich per E-Mail besprochen worden, am Montagabend sollte dann weiteres Vorgehen erörtert werden. Es sei wichtig, dass viele Menschen kommen, um deutlich zu machen: "Die AfD ist in der Minderheit!" Die Paderborner Bundestagsabgeordnete Sigrid Beer, die auch im Dezember in Salzkotten auf der Kundgebung gegen eine AfD-Demonstartion gesprochen hatte, sagte, Paderborn sei weltoffen: "Hier ist kein Platz für braune Rattenfänger", so Beer. "Die AfD hat hier nichts zu suchen" Als eine "glatte Provokation" bezeichnete Reinhard Borgmeier von der "Demokratischen Initiative Paderborn" DIP das Vorgehen der AfD, "so durch die Städte und Kommunen zu ziehen und Stimmung zu machen". Er kündigte an, die Gegenveranstaltung unterstützen zu wollen. Nach wie vor gebe es eine gute Willkommenskultur in Paderborn. Das solle auch so bleiben. "Die AfD hat hier nichts zu suchen", so Borgmeier. Er plädierte für einen "offenen politischen Austausch" über die Themen, die die AfD besetzen wolle. Dieser Meinung ist auch Dominic Gundlach von der FDP. Es sei Auftrag der demokratischen Parteien, Aufklärung zu betreiben, "damit das Volk nicht auf diese Rattenfänger hereinfällt". Mitglieder von Partei und Fraktion würden mit Sicherheit an der Gegendemonstration teilnehmen. "Wir wollen zeigen, dass es in Paderborn keinen Platz für so merkwürdige Meinungen gibt!" Auch Markus Mertens von der CDU ist "natürlich nicht begeistert" vom Vorhaben der AfD. Was genau seine Partei mit Blick auf die Kundgebung unternehme, werde noch im Fraktionsvorstand und mit dem Stadtverbandsvorsitzenden Daniel Sieveke beraten. Mertens selber lässt die Rechten links liegen. Am 15. Januar hat die Stadt Paderborn zur Sportlerehrung eingeladen: "Von dieser Ehrung sollten wir uns nicht von denen abhalten lassen", so der Vorsitzende des Sportausschusses, auch wenn er die AfD-Veranstaltung "krass" finde. "Das sind Populisten" Am liebsten wolle er sich gar nicht mit der AfD befassen, sagt Hartmut Hüttemann von der "Freien Bürger Initiative"  FBI. "Das sind Populisten, die sich nicht ernsthaft mit dem Thema beschäftigen". Eine Teilnahme an der Gegendemo lehnt er ab: "Das bringt denen viel zu viel Aufmerksamkeit, die sie gar nicht verdient haben", so Hüttemann. Kritik kommt auch von ehemaligen AfD-Mitgliedern: Der einstige Kreisvorsitzende Andreas Kemper warnt vor den Demagogen und politischen Hetzern, "die nur schlichte Parolen skandieren, aber keine nachhaltigen politischen Lösungen bieten". Johannes Knaup (jetzt ALFA) wird der Kundgebung fernbleiben: "Man muss nicht auf jeden Misthaufen noch etwas drauf setzen", erklärt er. Man solle dieser Partei nicht noch eine Bühne geben. Knaup bemüht dazu ein abgewandeltes Zitat: "Stell dir vor, es ist Demo, und keiner geht hin!"

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