Kohle und Kreuz: Was sollen die katholischen Christen mit dem Geld ihrer Kirche machen? - © NW
Kohle und Kreuz: Was sollen die katholischen Christen mit dem Geld ihrer Kirche machen? | © NW

Bielefeld Paderborner Debatte

Reiche Kirche: Darf das Bistum mehrere Milliarden Euro auf der hohen Kante haben?

Carsten Heil
02.10.2015 | Stand 01.10.2015, 20:36 Uhr
Hans-Hermann Igges

Rund vier Milliarden Euro beträgt das Vermögen des Bistums Paderborn. Das wurde in dieser Woche bekannt gemacht. Darüber hinaus gibt es Immobilienwerte, die schwer zu taxieren sind. Und den sogenannten Erzbischöflichen Stuhl, der weitere Gelder verwaltet. Die NW-Autoren streiten in unserer neuen Reihe „Paderborner Debatte“ darüber, ob die Kirche überhaupt so viel Geld besitzen darf und was sie damit machen sollte. In der morgigen Ausgabe kommen die Bürger Paderborns und unsere Leserinnen und Leser zu dem Thema zu Wort. Sie können Ihre kurzen Statements mit Bild gern an paderborn@nw.de senden. Armut ist ein Auftrag Wer Armut predigt, sollte auch Armut leben. Sonst verliert er seine Glaubwürdigkeit. Über Jahrhunderte gab es um die Reichtümer der Katholischen Kirche Auseinandersetzungen. Ganze Orden wie der der Franziskaner sind im Streit ums Geld der Kirche entstanden. Der Namensgeber des Franziskanerordens hätte von Hause aus ein Leben in Wohlstand und Bequemlichkeit führen können. Er aber entschied sich für Armut und Nähe zu den Schwächsten. Es ist kein Zufall, sondern Bekenntnis, dass der aktuelle Papst sich den Namen Franziskus gegeben hat. Da kann das Bistum Paderborn nicht guten Gewissens weiter machen als wäre nichts geschehen. Vier Milliarden Euro Rücklagen bringen optimistisch gerechnet 200 Millionen Euro Rendite im Jahr. Und im sogenannten Erzbischöflichen Stuhl werden weitere Gelder verwaltet. Höhe: Unbekannt. Bösartige könnten von einem Reptilienfonds sprechen, aus dem sich der Erzbischof nach Gutdünken bedient. Nicht für sich persönlich wohlgemerkt, aber für seine Zwecke. Viel des Geldes sei zweckgebunden, begründet das Bistum sein Festhalten am Reichtum. Vieles scheint für den Erhalt von Gebäuden vorgesehen. Es ist jedoch nicht überliefert, dass sich Jesus Christus für den Bau von Gebäuden eingesetzt hat. Für Menschen dagegen war ihm nichts zu teuer, sogar sein eigenes Leben nicht. Wenn das Paderborner Bistum jetzt verkündet, dass die Flüchtlingshilfe um zwei Millionen aufgestockt wird, ist das angesichts der in dieser Woche bekannt gewordenen Summen nicht viel. Leben im Bistum inzwischen hunderte von Flüchtlingen in kirchlichen Gebäuden, in Gemeindesälen, Pfarrhäusern und Pfarrheimen? Gibt die Kirche Kriegsopfern Obdach? Tut sie mehr als andere? Dafür sollte sie ihr Geld verwenden, das ist nicht nur Nächstenliebe, es ist Auftrag. Selbst der Papst hat dazu aufgerufen. Und darüber hinaus die Seelsorge an den eigenen Gemeindegliedern stärken. Investment in notleidende Menschen. Das hat nichts mit Neid zu tun, sondern mit dem Hinweis auf den Barmherzigen Samariter aus dem Gleichnis, das Jesus erzählt hat.Arme Kirchen nützen niemandem Der Effekt ist bekannt: Kaum wissen die Nachbarn, dass man im Lotto gewonnen hat, da treten die Neider schon auf den Plan. Dabei will man mit dem Geld doch gar nicht protzen, sondern freut sich, dass die Kinder unbeschwert studieren können und der eigene Platz in der Seniorenresidenz damit gesichert ist. Dass man im Erzbistum Paderborn ganz offensichtlich gut mit Geld umgehen kann, sollte genau so wenig Begehrlichkeiten wecken. Im Grunde geht es der Katholischen Kirche doch wie der in Haushaltsdingen in dieser Republik oft beschworenen schwäbischen Hausfrau: Sie hat gern die Gewissheit, auch morgen noch ihre Rechnungen zahlen zu können. Geld beruhigt ganz einfach die Nerven. Tatsächlich springt das Erzbistum ja auch bisher schon ein, wenn Notlagen eintreten: Aus seinem Katastrophenfonds fließen regelmäßig und schnell Hilfsgelder in alle Welt. Der Fonds für Flüchtlinge im Erzbistum wurde gerade erst von einer auf drei Millionen Euro aufgestockt. An weiterem Geld sollte es nicht mangeln, wird schon bedeutet. Dass das Erzbistum dafür nicht gleich zur Bank gehen muss, ist doch eine feine Sache. Dass seine Kirche ein solides Vermögen in der Hinterhand hat, darf aber auch jeden einzelnen Gläubigen in den 770 Gemeinden des Bistums beruhigen: Beim Blick auf den schon wieder blätternden Putz an seiner denkmalgeschützten Kirche oder wenn der katholische Kindergarten vor Ort dringend vergrößert werden muss. Es geht hier nicht darum, die Katholische Kirche in allen Posten ihrer Finanzpolitik in Schutz zu nehmen: Zwischen nachhaltiger Haushaltung und übertriebener Knausrigkeit geht es manchmal sicher über einen schmalen Grat. Aber was wäre gewonnen, wenn die Kirchen in Deutschland plötzlich wieder so arm wie die sprichwörtlichen Kirchenmäuse wären? Manche sagen, sie könnten die christliche Botschaften dann überzeugender vertreten. Doch das ist naiv und zeugt nur von modernem Flagellantentum. Denn dann könnten die Kirchen die Erwartungen, die man an sie als immer noch wichtige Säulen der Gesellschaft hat, nicht mehr erfüllen.

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