Freuen sich über das Wiedersehen: Die Familien, die durch die sozialmedizinische Nachsorge der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des St. Vincenz-Krankenhauses betreut wurden. - © Vincenz Frauen- und Kinderklinik
Freuen sich über das Wiedersehen: Die Familien, die durch die sozialmedizinische Nachsorge der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des St. Vincenz-Krankenhauses betreut wurden. | © Vincenz Frauen- und Kinderklinik

Paderborn Vincenz-Klinik hilft bei Problemgeburten

Familiennachsorge der Vincenz-Frauen- und Kinderklinik feiert Geburtstag: Positives Fazit aller Beteiligten

Paderborn. Verkehrsstau der ganz besonderen Art in der Cafeteria der Frauen- und Kinderklinik St. Louise: ein Kinderwagen reiht sich an den anderen. Fast 20 Familien sind gekommen, um gemeinsam das einjährige Bestehen der Familiennachsorge Bethel-Paderborn zu feiern.

Eines haben die Besucher gemeinsam: Sie alle wurden nach ihrem Aufenthalt in der Klinik für Kinder und Jugendmedizin des St. Vincenz-Krankenhauses von der sozialmedizinischen Nachsorge betreut.

Das Angebot richtet sich an Familien, in denen ein Kind zu früh oder schwer krank geboren wurde oder eine schwere, chronische Krankheit das Leben nachhaltig verändert. Ziel dieser sozialmedizinischen Nachsorge ist es, den Übergang aus dem stationären Krankenhausaufenthalt nach Hause so reibungslos wie möglich zu gestalten, damit die Familien ihre Situation im Alltag bald aus eigener Kraft heraus meistern können.

Dafür steht den Familien in einer 1:1-Betreuung eine feste Ansprechpartnerin zur Seite. Das fünfköpfige Team besteht aus Case Managerin Sibylle Meintrup (Kinderkrankenschwester und Leiterin des Angebots) von der Familiennachsorge Bethel sowie Oberärztin Daniela Plogmeier (Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin), Angelika Brand (Sozialpädagogin), Daniela Gockel und Stephanie Lüken (beide Kinderkrankenschwestern) aus der St. Vincenz-Kinderklinik. Derzeit betreuen sie gemeinsam zwölf Familien. Ärzte und Kinderkrankenschwestern überlegen schon während des stationären Aufenthalts, wo die Betreuung durch die sozialmedizinische Nachsorge hilfreich sein könnte. Erfüllt die Familie die Voraussetzungen und hat Interesse an dem Angebot, kümmert sich das Team umgehend um die Formalien mit der Krankenkasse. Denn für die Familien ist das Angebot kostenlos. Noch im Krankenhaus lernen die Familien ihre Ansprechpartnerin kennen und können Vertrauen aufbauen.

Nach der Entlassung erfolgen wöchentliche Hausbesuche. In Absprache mit den Familien werden dann die verschiedenen Helfer organisiert und alle notwendigen Maßnahmen koordiniert, z.B. Förderungsmaßnahmen und Unterstützungsangebote wie Physiotherapie, Frühförderung, eine Haushaltshilfe oder ein externer Pflegedienst.

Zusätzlich gibt die Mitarbeiterin den Eltern mit ihrem Fachwissen und ihrer Erfahrung Sicherheit im Umgang mit dem Kind und hat ein offenes Ohr für alle Fragen. Regulär läuft die Unterstützung für drei Monate, bei Bedarf kann verlängert werden.

Dass den Familien das Angebot gut tut, merkt man sofort. Valentina Friesen hat den direkten Vergleich, beide Töchter kamen als Frühgeborene vor der 30. Schwangerschaftswoche (SSW) zur Welt. Die Familiennachsorge gab es bei der großen Tochter noch nicht: "Die kontinuierliche Hilfe ist eine große Erleichterung. Man hat so viele Fragen, weiß nicht, an wen man sich wenden kann. Beim ersten Kind sind wir oft zunächst in die falsche Richtung gelaufen", erinnert sie sich. "Auch muss man nicht mehr wegen jeder kleinen Unsicherheit gleich zum Arzt, sondern kann erstmal die Ansprechpartnerin der Familiennachsorge um Rat fragen." "Vor allem haben die Kinderkrankenschwestern Zeit. Sie zeigen einem, worauf es ankommt", ergänzt Klaudia Kojzar. Ihr Sohn wurde in der 26 Schwangerschaftswoche mit 740 Gramm geboren. Inzwischen ist er fünf Monate alt und wiegt stolze 4.500 Gramm.

Im bunten Reigen der Familien treffen wir auch bekannte Gesichter: Familie Smith, deren Zwillingstöchter June und Liv in der St. Vincenz-Geburtshilfe in diesem Jahr als zweizeitige Zwillinge zur Welt kamen (wir berichteten). Auch sie ziehen eine positive Bilanz: "Es hat uns gut getan, dass jemand, der uns und unsere Kinder schon durch den Klinikaufenthalt kannte, zu uns nach Hause kam", sagt Vater Pierre Reinhardt. "Die große Erfahrung im Umgang mit den Frühchen und der unbefangene Umgang mit uns haben uns viel Sicherheit gegeben und Stress genommen."

Die beiden Mädchen entwickeln sich gut. June bekommt zwar noch immer Sauerstoff, doch beide Kinder trinken gut und haben ordentlich Gewicht zugelegt. Die vier Monate alte Liv wiegt inzwischen 4.000g, Schwester June, 5 Monate alt, bringt es auf 3.500g.

Auch die Mitarbeiterinnen sind mit dem Nachsorgeangebot zufrieden: "Wir haben es geschafft, städteübergreifend ein Team aufzubauen", betont Leiterin Sibylle Meintrup. Sie freut sich sehr, wie gut das Angebot angenommen wird: "Letztes Jahr haben wir in Paderborn neun Familien begleitet, seit Januar 2015 sind es schon 18 Familien."

"Die Aufgabe macht wirklich Spaß, das Angebot funktioniert gut", bestätigt Daniela Plogmeier. "Wahnsinn, wie groß die Kinder geworden sind und wie gut sie sich entwickelt haben." Dies zu sehen, ist für alle die größte Freude an diesem Tag.

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