Karussellfahrt mit Puppen: Mit Schaustellern in den 70er Jahren in einem Kinderkarussell. Im Auto sitzen (v. l.) Peter Fröhlingsdorf, Uwe Natus, Thomas Jelitte und Karl Scheifers. Ihre Namen stehen auch auf einem Streifen, der auf diesem Bild aus dem Fotoalbum klebt. - © Privat
Karussellfahrt mit Puppen: Mit Schaustellern in den 70er Jahren in einem Kinderkarussell. Im Auto sitzen (v. l.) Peter Fröhlingsdorf, Uwe Natus, Thomas Jelitte und Karl Scheifers. Ihre Namen stehen auch auf einem Streifen, der auf diesem Bild aus dem Fotoalbum klebt. | © Privat

Paderborn Uwe Natus lässt die Puppen tanzen

Seit 50 Jahren spielt sich der mittlerweile 71-Jährige in der Liboriwoche in die Herzen der Zuschauer

Anja Ebner

Paderborn. Unterhält man sich mit Uwe Natus ist es so, als öffne sich der rote Vorhang seines Puppenspiels und man taucht ab in die Faszination von Puppenspiel und der Literatur. So eingehend und vielfältig erzählt der 71-Jährige von seiner Leidenschaft. Seit 50 Jahren lässt er Libori die Puppen tanzen. "Ich besitze nur die echten Hohnsteiner Puppen aus Holz. Meine Frau ist diejenige die sich um sie kümmert, sie flickt, wäscht und herrichtet", erzählt der Vater von zwei Töchtern. Die allseits bekannten Figuren fehlen dabei nicht - der Räuber, der Polizist, das Krokodil und natürlich der Star der Truppe, der Kasper. "Der Kasper ist auch meine Lieblingsfigur. Für mich ist er eine humorvolle, witzige und auch kritische Figur, die sich immer wieder wandelt, so wie die Gesellschaft auch." Seit 50 Jahren spielt sich Natus in die Herzen von kleinen und großen Zuschauern. "Angefangen hat alles, als ich 14 war. Damals hat uns unser Deutschlehrer Puppen bauen lassen. Ich war darin total unbegabt, aber spielen, das konnte ich", erinnert sich Natus. Mit 19 entdeckte er diese Liebe wieder und finanzierte sich mit diesem künstlerischen Nebenjob sein Lehramtsstudium. "Ich habe klein angefangen. Zunächst ein- zweimal auf Libori auf dem Schulhof des Theodorianum und am Marienplatz. Dann bot mir die Stadt diesen Standort an. Hier bin ich jetzt seit bestimmt 45 Jahren. Ich mache das ohne Honorar, genieße die Atmosphäre hier, das ist Lohn genug. Es haben sich in den Jahren viele Freundschaften zu den Schaustellerfamilien entwickelt. Manche kenne ich jetzt schon in der dritten Generation", sagt Natus, der nicht nur auf dem Liboriberg Kinder von Schaustellern kennengelernt hat. "Als ich Rektor der Grundschule in Soest war, kamen immer Schaustellerkinder während der Allerheiligenkirmes zu uns in die Schule. Ich konnte mich gut in sie hineinversetzen, wie es ist, immer wieder in einer neuen Schule zu sein", erzählt der Sohn eines Bundeswehroffiziers und erinnert sich daran, dass er als Kind aufgrund der Umzüge seiner Familie selbst 20 Schulen erlebt hat. "Mein Fazit aus dieser Zeit ist, dass es eine andere Art von Schule war, die ich erleben durfte. Das Leben als Schule. Natus schmunzelt: "Einmal hatte ich zum Beispiel zwölf Wochen Ferien, weil wir von einem Bundesland ins andere umgezogen sind." Diese Erfahrungen und seine pädagogische Ausbildung fließen in sein Spiel ein. "Über die Puppen komme ich mit den Kindern ins Gespräch. Darum verstecke ich mich nicht. Die Kinder sehen eh nur auf die Puppe und kommunizieren mit ihr. Ich aber habe dadurch, dass ich ins Publikum sehe, die Chance zu reagieren und auf die Kinder über die Puppe einzugehen", erklärt Natus seine für das Puppenspiel ungewöhnliche Spielweise. Dass dabei nicht immer nur lustige Szenen entstehen, hat er auch schon erlebt. "Einmal war ein Mädchen im Publikum, dass die ganze Zeit sehr ernst war. Der Kasper fragte sie, warum sie denn nicht lache. Sie sagte ,Mama ist fort?. In solchen Situationen ist es wichtig, nachher mit den Kindern zu sprechen, sie ernst zu nehmen". Natus? Stücke folgen keinem auswendig gelernten Rollenbuch, sondern bleiben offen für Improvisation und reagieren auf die Kinder. "Ich habe einen roten Faden, alles andere ist offen. Manchmal gehen die Geschichten dann anders aus, als ich es mir am Anfang gedacht habe. Aber das ist gut so, denn die Kinder stehen im Mittelpunkt". Wer nun aber glaubt, dass sich der Kasper von den Kindern auf der Nase herumtanzen lässt, der irrt sich. "Der Kasper gibt auch Konter. Aber nie so, dass ein Kind bloßgestellt wird. Andersherum erkennt der Kasper aber auch an, wenn die Kinder Recht haben", beschreibt Natus sein Alter ego. Für Kinder von drei bis zwölf Jahren sind seine Aufführungen gemacht, aber wer schon einmal auf Libori an seinem Zelt am unteren Ausläufer des Bergs vorbei gekommen ist, der weiß, dass sich dort auch viele Erwachsene einen unterhaltsamen Moment der Auszeit gönnen. Neben dem Puppenspiel ist Literatur eine Leidenschaft von Natus. Er ist Autor von Kinderbüchern, Gedichten und Kindergebeten. In einer Strophe aus einem seiner bekanntesten Gebete "Schön, dass es mich gibt" spiegelt sich das Spiel der kleinen Puppenbühne wider: "Ich hab? gespielt und viel gelacht; und du hast mich gelenkt; gib allen eine gute Nacht; und die mich reich beschenkt." Uwe Natus spielt von Sonntag bis Sonntag, 2. August, zweimal täglich an der gewohnten Stelle auf dem Liboriberg.

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