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Belesen: Peter Bürger (m.) im Kreis der DIP-Kommunalpolitiker Reinhard Borgmeier (v. l.), Peter Leppin, Cornelia Austermeier (Fraktionsgeschäftsführerin) und Roswitha-Köllner. - © Foto: Igges
Belesen: Peter Bürger (m.) im Kreis der DIP-Kommunalpolitiker Reinhard Borgmeier (v. l.), Peter Leppin, Cornelia Austermeier (Fraktionsgeschäftsführerin) und Roswitha-Köllner. | © Foto: Igges

Paderborn Theologe Peter Bürger wertet Jaegers Verhalten als Kollaboration

Hans-Hermann Igges
09.05.2015 | Stand 08.05.2015, 21:37 Uhr
Soldatische Erscheinung: "Der wahre Christ trägt das Kreuz Christi, die Siegel seiner Auserwählung, mit demselben Stolz wie der Soldat sein eisernes Kreuz", sagte der neue Erzbischof Lorenz Jaeger in seiner Weiheansprache am 19. Oktober 1941. Dieses Foto, das ihn mit dem Eisernen Kreuz I. und II. Klasse des Ersten Weltkrieges, dem Ritterkreuz mit Schwertern des Hausordens der Hohenzollern und seinem Bischofskreuz zeigt, entstand am 19. August 1942 in einem Dortmunder Fotostudio. - © Foto: Archiv Wolfgang Stüken
Soldatische Erscheinung: "Der wahre Christ trägt das Kreuz Christi, die Siegel seiner Auserwählung, mit demselben Stolz wie der Soldat sein eisernes Kreuz", sagte der neue Erzbischof Lorenz Jaeger in seiner Weiheansprache am 19. Oktober 1941. Dieses Foto, das ihn mit dem Eisernen Kreuz I. und II. Klasse des Ersten Weltkrieges, dem Ritterkreuz mit Schwertern des Hausordens der Hohenzollern und seinem Bischofskreuz zeigt, entstand am 19. August 1942 in einem Dortmunder Fotostudio. | © Foto: Archiv Wolfgang Stüken

Paderborn. Er soll Soldaten in Gottes Namen für Führer, Volk und Vaterland in den Tod gepredigt, vom NS-Regime verfolgte Priester nach dem Krieg zum Stillschweigen ermahnt und dem Regime nahe stehende gedeckt haben. Er soll ein römisch-katholischer Brückenbauer zum Nationalsozialismus gewesen sein, gar ein Kollaborateur, Paderborns ehemaliger Erzbischof Lorenz Kardinal Jager. Noch heute steht der Mann, der 1941 bis 1973 Oberhirte des Erzbistums war, bei vielen in hohem Andenken. Doch zum 70. Jahrestag des Kriegsendes 1945 ist auch die Kritik an ihm wieder laut geworden.

Die Demokratische Initiative Paderborn (DIP), mit drei Vertretern eine der kleinsten Fraktionen im Rat, hat die Streichung seines Namens aus der Ehrenbürgerliste beantragt - so wie das 1983 bisher allein mit Adolf Hitler geschah. 1956 war Lorenz Jaeger nach einstimmigem Ratsbeschluss zum Ehrenbürger ernannt worden. Rückendeckung dafür bekommt die DIP von dem aus dem Sauerland stammenden Theologen und Publizisten Peter Bürger. Unter dem Titel "Lorenz Jaeger und die ,Stufen der Kollaboration?" hat er eine 24-seitige Stellungnahme mit Dokumentation zum Antrag der DIP verfasst, die gestern vorgestellt wurde. Sein Fazit: "Wir Heutigen haben kein Recht, aus bequemer Position heraus einen Bischof der nationalsozialistischen Zeit oder sonst jemanden zu verurteilen, weil er keinen Widerstand geleistet hat. Es geht um Stufen einer ohne äußeren Zwang getätigten Kollaboration mit dem nationalsozialistischen Regime und speziell dessen Kriegsapparat." Dies könne nicht ohne Folgen bleiben für das öffentliche Geschichtsgedächtnis, welches auch den Verantwortungsbereich eines Kommunalparlamentes berühre.

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