War nicht seetüchtig: Die Brigantine "Falado von Rhodos" sank am 9. August 2013 vor der isländischen Küste. - © Privat
War nicht seetüchtig: Die Brigantine "Falado von Rhodos" sank am 9. August 2013 vor der isländischen Küste. | © Privat

Paderborn Segeltörns mit Risiko

Paderborner Verein "Falado von Rhodos" will mit neuem Schiff frühere schwere Fehler vermeiden

Hubertus Gärtner

Paderborn. Sein altes Schiff ist gesunken, doch nun sticht der Paderborner Verein "Falado von Rhodos" mit einem neuen in See. Zahlreiche Pfadfindergruppen sollen an Bord wieder das Segelhandwerk lernen, Natur erfahren und Freundschaften fürs Leben schließen. Allerdings setzen sie sich bei ihren Abenteuern auch einer gewissen Gefahr aus. Dass sie in der Vergangenheit viel zu groß gewesen ist, steht unzweifelhaft fest. Doch der Verein will aus Fehlern gelernt haben und auf seinem neuen Schiff, der "Whydah of Bristol" für mehr Sicherheit sorgen. Vorstandsmitglied Daniel Pumpe verspricht das jedenfalls hoch und heilig. Sein Verein habe die richtigen Lehren gezogen, wolle verstärkt mit externen Fachleuten zusammenarbeiten und habe auf dem neuen Schiff in Technik und Rettungsmittel investiert, sagt er. Derzeit liege die "Whydah of Bristol" in Heiligenhafen. Pfadfindergruppen haben bereits die ersten Törns gebucht, sagt Pumpe, der fast schon wieder euphorisch wirkt. Das verwundert ein wenig, denn es ist Vorsicht geboten. Mit seiner Brigantine "Falado von Rhodos" ist der gleichnamige Paderborner Verein nur haarscharf an einer Katastrophe vorbeigeschrammt. Das 45 Jahre alte und 23 Meter lange Schiff war am 9. August 2013 vor der isländischen Küste gesunken. Die Besatzung, fünf Erwachsene und sieben Kinder und Jugendliche im Alter von 11 bis 15 Jahren, konnten damals mit knapper Not von der Küstenwache geborgen werden.Unzureichende Wartung des alten Schiffes Nach langen Recherchen hat die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) ihren Bericht zu dem Geschehen vorgelegt. Und der lässt wahrlich kein gutes Haar an der Brigantine "Falado von Rhodos" - weder am Schiff noch am Verein. Die Brigantine "Falado von Rhodos" sei bei dem Unfall vor Island "in einem nicht seetüchtigen Zustand" gewesen. Dieses hätten der Vorstand des Vereins und der Schiffsführer auch gewusst, resümiert die BSU. Man habe damals "trotz vieler warnender Stimmen" von Fachleuten die Reise über den Atlantik angetreten. Zudem habe der Schiffsführer seinerzeit "nicht die Qualifikation für das Fahrgebiet" besessen und sei "zu hart gegen Wellen und Seegang unter Maschinenbetrieb und Segel gefahren". Auch die Wartung des Schiffes im Vorfeld sei unzureichend gewesen. "Man muss in aller Deutlichkeit sagen, dass es ausschließlich glücklichen Zufällen zu verdanken ist, dass es beim Untergang der "Falado von Rhodos" nicht zu einer Tragödie mit Todesopfern gekommen ist", so der Bericht. Auch seien zahlreiche frühere Atlantiküberquerungen mit der "Falado von Rhodos" nur "mit viel Glück gut ausgegangen"."Häufig Mängel auf Traditionsschiffen" Besonders alarmierend erscheint, dass laut BSU ein Schiff wie die "Falado von Rhodos" "nach der bestehenden Rechtslage keinerlei Sicherheitsüberprüfungen unterliegt" und dies "kein Einzelfall" ist. Bei einer rein privaten Nutzung derartiger Schiffe "mag das noch hinzunehmen sein, nicht jedoch wenn etwa Mitsegelgelegenheiten einem mehr oder minder unbegrenzten Personenkreis angeboten werden", so die BSU. Mitfahrende Personen müssten darauf vertrauen können, dass sich ein Schiff in einem sicheren Zustand befindet, "und das gilt umso mehr, wenn sich Jugendliche oder gar Kinder an Bord befinden". Insofern nährt die BSU den schlimmen Verdacht, dass Mängel und Risiken, wie sie auf der "Falado von Rhodos" herrschten, auf sogenannten Traditionsschiffen häufiger vorkommen. Das glaubt auch Daniel Pumpe. Im Vergleich mit anderen Abenteuerseglern sei die "Falado von Rhodos" durchaus nobel ausgestattet gewesen, behauptet er. Trotzdem habe auch er zugegebenermaßen "die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen", als er den BSU-Bericht las."Zufrieden mit dem neuen Schiff" Mit der "Whydah of Bristol" soll das alles nicht passieren. Sein Verein habe das 15 Meter lange Schiff für 160.000 Euro gekauft und es mittlerweile von England nach Heiligenhafen überführt, erläutert Pumpe mit Stolz in der Stimme. "Die komplette Elektrik wurde erneuert und auf einen zeitgemäßen Stand gebracht, viele Rohr- und Schlauchanschlüsse erneuert und verbessert. Ein dickes, fettes Dankeschön an alle fleißigen Helfer", schreibt sein Verein auf seiner Homepage. Man habe mit der "Whydah of Bristol" bereits "die ersten beiden Törns in der dänischen See gefahren" und sei "zufrieden und glücklich" mit dem neuen Schiff, sagt Daniel Pumpe. Die im Jahr 2.000 gebaute "Whydah of Bristol", die zwölf Kojen hat, sei ein vergleichsweise junges Schiff, erläutert Pumpe und dankt den zahlreichen Spendern, die den Erwerb möglich gemacht haben. Sein Verein, der weiter "Falado von Rhodos" heißt, sowie zahlreiche Pfadfinder hätten volles Vertrauen in die "Whydah of Bristol". Das würden auch die zahlreichen Buchungen für dieses Jahr belegen. Die nächsten Jahre werde man "auf der Ostsee bleiben", um die "Whydah of Bristol" kennenzulernen. Dann werde es hoffentlich wieder auf das weite Meer und auf richtig große Fahrt gehen. "Wir sind relativ sicher, dass wir mit unserem neuen Schiff auch für Extremsituationen gewappnet sind", sagt Pumpe. Der Zusammenhalt im etwa 200 Mitglieder starken Verein und der Zuspruch aus der bündischen Jugend seien ungebrochen.

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