Reihenhäuser an der Rathenaustraße: Diese von Briten bewohnten Immobilien in der Rathenaustraße sind im Eigentum des Bundes. An mehreren Standorten in der Stadt werden nach dem Abzug der Streitkräfte Immobilien dieser Größenordnung frei. - © FOTO: MARC KÖPPELMANN
Reihenhäuser an der Rathenaustraße: Diese von Briten bewohnten Immobilien in der Rathenaustraße sind im Eigentum des Bundes. An mehreren Standorten in der Stadt werden nach dem Abzug der Streitkräfte Immobilien dieser Größenordnung frei. | © FOTO: MARC KÖPPELMANN

Paderborn "Das ist ein bisschen wie Monopoly"

1.500 Wohneinheiten werden frei, wenn die Briten abziehen

Paderborn. Wann kann man Häuser kaufen, in denen noch Angehörige der Britischen Streitkräfte wohnen? Gibt es Listen, in die sich interessierte Bürger eintragen können? Anrufer oder Online-Nutzer mit Fragen wie diesen melden sich regelmäßig bei der Stadt - schließlich wird jede Menge Wohnraum frei, wenn die Briten bis 2020 Paderborn verlassen. Und so mancher wittert gar ein Schnäppchen. Um es vorweg zu nehmen: Eine Liste für Interessenten gibt es nicht. "Wir wissen nicht, wann welche Immobilien auf den Markt kommen", sagt Andreas Preising, Leiter des Amtes für Liegenschaften. Und ebenso wenig sei heute zu sagen, wo sich die Stadt in welcher Form engagieren werde. In der Stadtverwaltung beschäftigt sich unter anderem die Arbeitsgruppe "Wohnen und Infrastruktur" intensiv mit dem Thema Konversion. Mehrfamalien-, Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser sowie Wohnungen diversen Baualters in kleinen und großen Anlagen: Angesichts von rund 1.500 Wohneinheiten außerhalb der fünf britischen Kasernen in etwa 25 Bereichen der Stadt sei das "ein bisschen wie ein riesiges Monopoly", sagt Andreas Preising. Das Ziel ist allerdings ein anderes als im Spiel: "Wir wollen einen geordneten Stadtumbau realisieren." Dabei sollen weder Ghettos noch reine Nobelviertel entstehen. Man sei dabei zu eruieren, "was auf uns zukommt". Etwa 800 der 1.500 Wohneinheiten sind im Eigentum des Bundes und werden von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, kurz BImA, verwaltet. Für diese Immobilien hat die Stadtverwaltung so etwas wie ein Vorkaufsrecht - erst wenn die Kommune nicht zugreift, schreibt die BImA die Objekte aus. "In dem Fall können wir hoffentlich in Abstimmung mit der BImA gewisse Vorgaben für Investoren vereinbaren, um Fehlentwicklungen in der Stadt zu vermeiden", sagt der städtische Konversionsbeauftragte Thomas Jürgenschellert. Zum Bestand der Bonner Behörde gehören zum Beispiel 94 Wohneinheiten sowie 51 Garagen an der Rathenaustraße. Zu diesen Reihen- und Doppelhäusern mit jeweils um die 80 Quadratmeter Wohnfläche im beliebten Riemeke sind bereits Anfragen von Bürgern eingegangen. "Das ist eine Top-Lage. Da sind wir im Grundsatz natürlich interessiert", sagt Jürgenschellert. Aber: Zum einen steht längst nicht fest, wann die Häuser überhaupt zur Verfügung stehen werden - das kann durchaus erst 2019 sein. Denn der Freizug der benachbarten Alanbrooke-Kaserne 2016 bedeutet nicht, dass diese Objekte obsolet sind. "Dort wohnen derzeit auch Briten aus anderen Bereichen Ostwestfalens", weiß Jürgenschellert. Zum anderen kennt man den Zustand der Häuser, die aus den 50er Jahren stammen, (noch) gar nicht. "Was kann man sanieren, wie sieht es mit Versorgungsleitungen aus, muss etwas zurückgebaut werden? Darauf gibt es noch keine Antworten", sagt der Konversionsbeauftragte. Die BImA verkaufe ihre Immobilien, so Andreas Preising, auch an die Stadt Paderborn zu marktüblichen Konditionen. "Es gibt Auflagen, die gelten auch für uns", ist der Amtsleiter sicher, dass angesichts der Bodenrichtwerte an der Rathenaustraße "kein Schnapper" zu machen sein wird. Ob die Stadt diese Häuser kaufen, ob sie das gesamte Gelände oder nur Teile erwerben und Objekte und Grundstücke an Privatleute, Bauträger oder Investoren weitergegeben wird oder nicht - darüber wird für diese und alle anderen BImA-Immobilien der Stadtrat in den nächsten Jahren entscheiden. Die restlichen 700 der 1.500 Briten-Wohneinheiten gehören Privatpersonen - die Entwicklung dieser Immobilien kann die Stadt nur beschränkt beeinflussen. Es sei denn, der Eigentümer ist an einer Kooperation interessiert. So wie im Stadtteil Sennelager, wo eine große Wohnanlage mit über 200 Einheiten im Privatbesitz ist. "Mit dem Eigentümer stehen wir in gutem Kontakt", weiß Thomas Jürgenschellert. "Wegen der Kosten ziehen die Briten aus privat gemietetem Wohnraum zuerst aus", betont Amtsleiter Preising. Bei der BImA hingegen falle kein Mietzins an. An einigen Stellen hat es im Privatbesitz sogar bereits Eigentümerwechsel gegeben. Am Piepenturmweg zum Beispiel wurden in der Wohnanlage einer Eigentümer-Gesellschaft (Baujahr 2005) schon einige der 83 Reihenhäuser, die noch für einige Jahre an Briten vermietet sind, verkauft. "Da halten wir uns zurück", sagt Andreas Preising. Auch in der dortigen Nachbarschaft wird viel Wohnraum frei: An der Uhlandstraße sind 144 Wohneinheiten aus den 50er Jahren an die Streitkräfte vermietet. "Vielleicht geht das völlig geräuschlos vonstatten", meint der Amtsleiter. Grundsätzlich sei die Frage: "Wie viel reguliert der Markt selbst? Wo steigt die Stadt ein?" Wer auf dem Laufenden bleiben will, informiert sich auf der Homepage und abonniert den Newsletter, rät Thomas Jürgenschellert: www.paderborner-konversion.de

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