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Paderborn Fliegendes Denkmal für Paderborn

Kulturausschuss berät heute über Unterschutzstellung eines Segelflugzeugs

Holger Kosbab
26.11.2014 | Stand 26.11.2014, 13:11 Uhr

Paderborn. Denkmäler gibt es in Paderborn reichlich, vor allem im Kern der Stadt. Schon in Kürze kann Paderborn aber zu den wenigen Städten gehören, die ein Segelflugzeug auf ihrer Denkmalliste haben. Heute Nachmittag berät der Kulturausschuss darüber, ob es der Doppelraab V, der sonst im Hangar am Haxterberg unter der Decke hängt und mit dem sein Besitzer Franz-Barthold Gockel regelmäßig in die Luft geht, als technisches Denkmal auf die Liste schafft. Für Gockel wäre die Denkmaleintragung "ein erhebendes Gefühl und die Anerkennung für Fliegen zwischen Frustration und Faszination". Leistungstechnisch bewege er sich mit seiner Maschine am unteren Ende der Skala, da könne er mit modernen Hochleistungsfliegern nicht mithalten. Wettgemacht werde dies jedoch durch "ein ganz tolles Fluggefühl". Gockel beschreibt es als viel rauer und direkter. Gockel konnte dabei gar nicht anders, als vom Fliegen begeistert zu sein. "Mein Elternhaus war direkt neben dem Flugplatz am Haxterberg", sagt der 48-Jährige. Seit 1982 ist er aktiver Segelflieger und war schon als Schüler an Segelflugzeugen in Holzbauweise, wie es der Doppelraab ist, interessiert. Paderborns Stadtdenkmalpfleger Thomas Günther nennt die Denkmaleintragung etwas ganz Besonderes. "Ich bin ganz froh, dass wir jetzt auch ein bewegtes, technisches Denkmal haben", sagt er. Bisher gebe es auf der Paderborner Liste mit der Münzsammlung der Volksbank erst ein bewegliches Denkmal. Hinzu kommen über 360 Baudenkmäler und 65 bis 70 Bodendenkmäler. Beim Doppelraab sei es geplant, die Denkmalplakette am Leitwerk anzubringen, sagt Günther. Damit werde sie mit abheben. Auch der frühere Präsident des Deutschen Aero-Clubs, Gerhard Allerdissen, der als heutiges Ehrenmitglied des Vereins zuständig ist für die fliegenden Denkmäler, betont die Seltenheit. "Bundesweit sind 21 Segelflugzeuge unter Schutz gestellt", sagt Allerdissen. Nun werde auch der Paderborner Raab V ein Denkmal der Segelfluggeschichte. "Der wird als fliegendes Denkmal seine Kreise über Paderborn ziehen", sagt Allerdissen, der zugleich Vorsitzender des Deutschen Segelflugmuseums mit Modellflug Wasserkuppe ist. Bei dem Doppelraab V mit der Kennung D-6061 handelt es sich laut Beschlussvorlage für den Kulturausschuss um ein Segelflugzeug mit einer Stahlrohrkonstruktion im vorderen Rumpf, während der hintere Rumpf und die Tragflügel aus Sperrholz gebaut sind. "Das Stahlrohrgestell besitzt eine Bespannung aus transparent beschichteter Baumwolle. Die Sperrholzkonstruktion ist mit Holz beplankt." Die Haube des Flugzeuges besteht aus Plexiglas, sie ist auf eine Stahlrohrunterkonstruktion geschraubt, deren Kanten mit Klebeband abgedichtet sind. Das Segelflugzeug wurde am 11. September 1953 unter dem amtlichen Kennzeichen D-6062 an die Luftsportgemeinschaft Wolfsburg ausgeliefert. Insgesamt 6.871 Starts und 734 Flugstunden absolvierte es als Schulungs- und Übungsflugzeug in der Zeit von 1953 bis 1967 für die Luftsportgemeinschaft. Nach zehn Jahren ohne Flugaktivität erfolgte am 10. Januar 1977 die Löschung der Zulassung. 1996 wurde der Doppelraab - der zwischenzeitlich von einem privaten Segelflieger erworben worden war - im Luftfahrttechnischen Betrieb Johannes Krause restauriert und zur Herstellung der Flugfähigkeit grundüberholt. Von den insgesamt 400 gebauten Segelflugzeugen des Typs Doppelraab sind heute nur noch zwölf in Deutschland als flugfähig angemeldet. Beim Typ V sind es fünf Exemplare.

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