(v. l.) Bürgermeister Michael Dreier, die Technische Beigeordnete Claudia Warnecke, Stadtentwickler Klaus Selle (Universität Aachen), Sebastian Basedow aus dem Büro Zebralog (Berlin) und Moderator Kunibert Wachten, Professor für Städtebau an der Universität Aachen. - © Foto: Marc Köppelmann
(v. l.) Bürgermeister Michael Dreier, die Technische Beigeordnete Claudia Warnecke, Stadtentwickler Klaus Selle (Universität Aachen), Sebastian Basedow aus dem Büro Zebralog (Berlin) und Moderator Kunibert Wachten, Professor für Städtebau an der Universität Aachen. | © Foto: Marc Köppelmann

Paderborn Bürger mischen auf Online-Plattform mit

Homepage zur Konversion: Stadt startet Dialog / Einwohner können fragen, kommentieren, abstimmen

von sabine kauke

Paderborn. Der Abzug der Britischen Streitkräfte stellt die Stadt vor gewaltige Herausforderungen: Riesige Flächen müssen für eine sinnige Nachnutzung überplant werden. Dafür will die Stadt ihre Bürger mit ins Boot holen. "Wir wollen gemeinsam Perspektiven entwickeln", betont Bürgermeister Michael Dreier. Wer sich informieren, seine Meinung äußern oder nachfragen will, kann dafür jetzt neben Foren, Werkstätten oder Kasernenbesuchen eine Online-Plattform nutzen.

Die Homepage www.paderborner-konversion.de informiert beispielsweise detailliert über die einzelnen Standorte der fünf britischen Kasernen sowie in Form eines Zeitstrahles über den jeweiligen Stand der Dinge. In einer "Bibliothek" können Gutachten, Präsentationen und Dokumentationen gelesen werden. Wer den Bottom "Ihre Fragen" anklickt, kann beim städtischen Team um den Konversationsbeauftragten Thomas Jürgenschellert nachfragen. Eine Antwort soll "in der Regel innerhalb von fünf Tagen erfolgen", erläuterte Sebastian Basedow vom Büro Zebralog, der den Online-Auftritt umgesetzt hat, bei der Auftaktveranstaltung "Konversion im Dialog" in der Kulturwerkstatt vor rund 150 Bürgern. Erste Fragen, die wie die Antworten für andere Nutzer sichtbar sind, wurden bereits gestellt: "Es gibt im Goerdeler- und Delpstraßen-Quartier ein ,Gerücht’, dass die Stadt zur Entlastung dieses Bereiches eine direkte Stichstraße bzw. Zufahrt zum Goerdeler-Gymnasium von der Ecke Silberbrink/Elsener Straße auf die Goerdelerstraße plant!?", will beispielsweise ein Bürger wissen, ob dem so sei. Ein anderer Paderborner hätte gern detaillierte Informationen über Wohnungen und Häuser, die zurzeit noch von Briten genutzt werden. Eine Bürgerin interessiert sich für "innovatives Wohnen im Alter" auf dem Alanbrooke-Gelände.

Links zum Thema
www.paderborner-konversion.de

Unter der Rubrik "Mitmachen" startet die Stadt jetzt den ersten moderierten Dialog mit der Bürgerschaft, der über etwa drei Wochen im Netz laufen soll: "Welche Chancen verbinden Sie mit dem Abzug der Briten? Welche Bedenken haben Sie?" will die Stadtverwaltung wissen und setzt auf große Beteiligung. Antworten von Bürgern können mit einem Klick unterstützt oder kommentiert werden. Einige Beiträge sind schon eingegangen: "Wir erhoffen und wünschen uns eine clevere Verkehrsanbindung, die keine zusätzliche Belastung der Anwohner mit sich bringt", formuliert zum Beispiel ein Nachbar der Alanbrooke-Kaserne. "Inakzeptabel sind jahrelange Leerstände, die ein Stadtbild hässlich machen", befürchtet ein anderer Bürger.

Information

Flächen und Wohneinheiten


Ab 2016 werden alle fünf Paderborner Kasernenstandorte der Britischen Streitkräfte sukzessiv freigezogen.

Das 373 Hektar große Gebiet aus Kasernen und Übungsplätzen macht 9 Prozent der Paderborner Gebietsfläche aus und ist etwa 6 mal so groß wie die Innenstadt.

Die Flächen der Kasernen sind unterschiedlich groß: Alanbrooke Barracks (Elsener Straße): 18 Hektar, Dempsey (Schloß Neuhaus): 20 Hektar, Athlone (Schloß Neuhaus): 31 Hektar, Barker (Driburger Straße): 54 Hektar, Normandy (Sennelager): 250 Hektar (stark durchgrünt).

ca. 9.000 Briten werden die Stadt verlassen.

1.500 Wohneinheiten von denen etwa 800 im Eigentum der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) sind.

643 Wohneinheiten liegen in der Kernstadt, 826 in Schloß Neuhaus und Sennelager.

Die Alanbrooke Kaserne wird zuerst frei, im Sommer 2016. Dort ist im Frühjahr 2015 ein Städtebaulicher Wettbewerb geplant.

Ebenfalls bereits im Fokus: Die Normandy Barracks.

Als "Experten des Alltags", die vor Ort leben, sieht Klaus Selle in Bürgern großes Potenzial für die Stadtentwicklung. Eine Bürgerbeteiligung, deren Anfänge Stadtentwickler Selle in der bürgerschaftlichen Selbstverwaltung der italienischen Stadt Siena Mitte des 14. Jahrhunderts ausmacht, habe allerdings auch "Stolpersteine". Darum müsse eine Stadt es mit der Beteiligung ernst meinen, dürfe "nicht nur so tun als ob". Statt einer "Basta-Politik" müsse der Prozess konsequent und verlässlich sein. Nicht jede Idee könne umgesetzt werden, aber was mit den Ergebnissen geschieht, sei transparent zu machen. "Spielregeln sind wichtig, und ein sehr langer Atem", weiß Berater Selle, der die Stadt im Konversionsprozess begleitet. Michael Dreier betont die Absicht zum "ehrlich gemeinten, engen Dialog: Augenwischerei darf nicht betrieben werden."

An der Alanbrooke-Kaserne, wo auch die Stadtverwaltung eine neue Heimat finden soll, wurden bereits Ergebnisse aus einer Bürgerwerkstatt diskutiert. "Dort sind wir einen wesentlichen Schritt voran gekommen. Im Frühjahr ist ein städtebaulicher Wettbewerb geplant", erläutert die Technische Beigeordnete Claudia Warnecke. Ebenfalls Priorität habe die Normandy-Kaserne in Sennelager – dort wird sich ein kompletter Ortsteil verändern. "Es wird gerade geprüft, ob die Panzer-Verladung, die mitten im Ort stattfindet, verlagert werden kann", sagt Warnecke.

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