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Hartmuth ("Akka") Brasche hat in seiner Akkademie vor dem Tresen Aufstellung genommen. Dort wird am morgigen Samstag Abschied gefeiert. - © FOTO: PETER SOMMERFELD
Hartmuth ("Akka") Brasche hat in seiner Akkademie vor dem Tresen Aufstellung genommen. Dort wird am morgigen Samstag Abschied gefeiert. | © FOTO: PETER SOMMERFELD

Paderborn Abschied von einer Institution

Die "Akkademie" am Gierstor schließt am Samstag

VON JOCHEM SCHULZE
19.09.2014 , 12:18 Uhr

Paderborn. "Eine Ära geht zu Ende". Mit dem Satz ist verdammt oft Schindluder getrieben worden. Jetzt stehen diese Worte auf einem Plakat, das zur Abschlussfete in die Gaststätte Akkademie einlädt. Die schließt am morgigen Samstag. Damit findet tatsächlich ein ganzes Zeitalter Paderborner Kneipenkultur ihr Ende.

Das ist bedauerlich. Denn diese Gaststätte, die Hartmuth ("Akka") Brasche vor 32 Jahren eröffnete und für die er einen geradezu genialen Namen fand, ist aus dem Paderborner Stadtleben der vergangenen drei Jahrzehnte nicht wegzudenken. In den flachen Räumen am Gierstor wurde immer ein ebenso offener wie toleranter Ton gepflegt. Die Handballer der HG, die Basketballer vom VBC und von Grün-Weiß, die VBC-Volleyballer kamen aus den nahen Pelizaeus- und Reismannsporthallen nach Training und Spiel vorbei. Kursteilnehmer aus der Familienbildungsstätte oder der Volkshochschule diskutierten hier weiter. Bewohner aus dem Quartier rund um das Gierstor hatten hier ihr zweites Wohnzimmer. Und mancher Patient aus der nahen Klinik für Psychiatrie, der sich in die Kneipe "verirrt" hatte, wurde vorurteilsfrei bedient.

Das alles lag an einem Wirt, den es zu Beginn der 1970er Jahre als Volleyballer aus Petershagen nach Paderborn verschlagen hatte und der nach seiner erfolgreichen sportlichen Karriere zum beliebten Gastronom wurde. Nach einigen Lehrjahren in verschiedenen Szenekneipen eröffnete der Mann mit dem imposanten Schnauzbart im Jahr 1982 die Akkademie.

Die fand auch bei den Schülerinnen und Schülern der nahen Gymnasien Anklang. Freistunden ergaben nun einen Sinn. Akka wurde in Paderborn zum Trendsetter, als er seine Kneipe auch am Heiligen Abend öffnete. Später wurde Sonntags auf der großen Leinwand gemeinsam Tatort geguckt. Und bei den Fußball-Übertragungen fanden Fans unterschiedlicher Klubs zueinander.

Jetzt ist Schluss. Denn bei Hartmuth Brasche spielt die Gesundheit leider nicht mehr mit. Überlegungen, die Akkademie unter anderen personellen Vorzeichen zu führen, sind gescheitert. Morgen wird aber nochmals richtig gefeiert. Dann gibt es das legendäre überbackene Käsebaguette, das in Erinnerung an ein Atomunglück im US-Reaktor Three Mile Island als "Harrisburger" serviert wird. Die Skatkarten werden für eine Runde Romanow gemischt. Und alle Gäste denken an einen Mann, der leider selbst nicht mitfeiern kann. Den aber viele Paderborner ins Herz geschlossen haben. Und sei es nur wegen der charmanten Art, die leeren Biergläser mit der rhetorischen Frage "Noch ein Tässchen?" abzuräumen.