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Paderborn Anstoßen in der Almhütte

Seit 50 Jahren gibt es auf Libori den Tag des Handwerks – mit Kundgebung und Partyabend

von holger kosbab
31.07.2014 | Stand 30.07.2014, 20:31 Uhr
Auf Libori feiern Handwerker aller Innungen gemeinsam. - © FOTO: KREISHANDWERKSCHAFT PADERBORN-LIPPE/ REINHARD ROHLF
Auf Libori feiern Handwerker aller Innungen gemeinsam. | © FOTO: KREISHANDWERKSCHAFT PADERBORN-LIPPE/ REINHARD ROHLF

Paderborn. Für einige Stunden ist die Almhütte auf dem Liboriberg heute fest in Handwerkerhand. Denn Libori-Donnerstag ist der Tag der Fleischer und Friseure, der Maler und Maurer. Am Nachmittag haben die Handwerker ihre Kundgebung im Sportzentrum Maspernplatz, danach ziehen sie zur Kirmes. Rund 1.500 Handwerker aus dem Bereich der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe feiern dann ihre Schaffenskraft. Da es den ersten Tag des Handwerks 1964 gab, ist es zugleich eine Jubiläumsfeier.

Angefangen hat die Geschichte des Tag des Handwerks aber schon ein Jahr vorher. Bereits 1963 hatte der damalige Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Wilhelm Knemeyer, geplant, alle Handwerker im Hochstift zusammenzubringen. Doch über die Vorbereitung ging es noch nicht hinaus.

Den ersten Tag des Handwerks gab es am 30. Juli 1964 im Kolpinghaus. Gastredner zur Premiere war Hermann Wellmann, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Handwerks. Die Resonanz war jedoch enttäuschend. "4.000 Gäste waren eingeladen, aber es kamen nur 392", sagt Michael H. Lutter, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe. Auch die zweite Auflage im nächsten Jahr war ähnlich schwach besucht.

Aufgrund dieser Erfahrung, die auch die Nachbarkreishandwerkerschaften sahen, wurde 1966 pausiert. Auch 1967 blieb ohne Handwerkstag. Es gab keinen Redner. "Das ist übrigens ein Problem, das wir noch heute haben", sagt Lutter. Da Libori in die parlamentarische Sommerpause falle, sei es schwer Redner zu gewinnen. Das gelte für alle Parteien. Auch die heutige Festrednerin Julia Klöckner, Landes- und Fraktionsvorsitzende der CDU Rheinland-Pfalz, habe kurzfristig zugesagt.

Den dritten Tag des Handwerks gab es 1968. "Seitdem ist es ein fester Bestandteil des Liborifestes", sagt Lutter. War der offizielle Teil mit der Kundgebung bis 1981 im Kolpinghaus, sorgte seit 1982 die Paderhalle für den Rahmen. Bis Mitte/Ende der 90er Jahre hatte der Tag des Handwerks zwischen 650 und 750 Teilnehmer. Sowohl das Kolpinghaus als auch viele Jahre die Paderhalle waren zugleich Ort für die Kundgebung – und für einen Abtrunk. Eine kleinere Gruppe zog dann weiter ins Kirmes-Festzelt.

Insgesamt war es aber keine goldene Zeit für den Handwerkstag. Die Teilnehmerzahl ging etwas nach unten. Ende der 90er Jahre wurde deshalb das Konzept verändert: Nach der Kundgebung in der Paderhalle folgte sofort der Gang zur Zeltparty – und zwar mit einem Umzug wie bei den Schützen. Dies zahlte sich aus: Die Teilnehmerzahl stieg in den nächsten Jahren auf 1.200 bis 1.300.

Von Jahr zu Jahr wurde die Paderhalle zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen geführt. Das Foyer wurde mit hinzugenommen und das Programm per Video übertragen. Durch eine Notlage – die Paderhalle war durch Umbauarbeiten im Sommer 2008 blockiert – wurde der tag des Handwerks in das Sportzentrum Maspernplatz verlegt. Für die Veranstalter ein Glücksfall, wie sich im Nachhinein zeigte. Es war vor allem wichtig, am Umzug festhalten zu können, sagt Lutter. "Der gehört zum Tag des Handwerks wie die Kundgebung."

Nach etwa anderthalb Stunden mit Festrede und Programm geht’s gegen 18 Uhr über die Hathumarstraße und Mühlenstraße, den Eselsberg und Abdinghof und schließlich die Rosenstraße ziehen bis zu 1.600 der insgesamt 2.000 Teilnehmern zur Almhütte. "In den ersten Stunden gehört die Hütte dem Handwerk", sagt Lutter. "Danach wird mit der ganzen Stadt Paderborn gefeiert."

Vor 15 Jahren ausgelaufen ist das gemeinsame Feiern mit der Kreishandwerkerschaft Höxter, die ihren Tag des Handwerks morgen beim Annentag in Brakel feiert. Für das Paderborner und durch die Fusion zum Vorjahr auch das lippische Handwerk schaffe der Festtag ein "Gefühl der Identifikation", sagt Lutter. "Die Menschen zeigten nach außen: Wir sind stolz, Handwerker zu sein und etwas für die Gesellschaft zu leisten."

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