Paderborn Bürger planen Kasernen-Gelände

Nachnutzung für Alanbrooke-Areal: Paderborner haben Ideen und äußern Befürchtungen

von sabine kauke
Bürger machen an einem Modell des Kasernengeländes Vorschläge für die Zukunft. - © FOTO: KAUKE
Bürger machen an einem Modell des Kasernengeländes Vorschläge für die Zukunft. | © FOTO: KAUKE

Paderborn. Ein Wohngebiet ohne Hochhäuser, dafür durchaus mit alternativen Wohnkonzepten, mit Spielflächen, Sport- und Grünanlagen, mit Rad- und Fußwegen Richtung City: das wünschen sich Menschen im Riemeke für das Gelände der Alanbrooke Kaserne, wenn die Streitkräfte dort 2016 abziehen. Deutlich machte die Auftaktveranstaltung zur Bürgerbeteiligung aber auch: Gefürchtet wird ein höheres Verkehrsaufkommen im Quartier. Und Parkplätze seien jetzt schon Mangelware.

Das Interesse an Mitgestaltung ist da: Knapp 140 Bürgerinnen und Bürger kamen ins Goerdeler-Gymnasium, um Ideen und Wünsche beizusteuern und Sorgen zu äußern. Viele hatten zuvor das Angebot der Stadt genutzt, sich per Bustour einen Eindruck vom 18 Hektar großen Kasernengelände zu verschaffen. "Es waren fast 200 Teilnehmer", freute sich der städtische Konversionsbeauftragte Thomas Jürgenschellert.

"Generationsübergreifendes Wohnen", "Sportstätten erhalten", "keine Disko", "Kulturzentrum", "Kletterhalle", "Unterirdisches Parken", "Sozialer Wohnungsbau", "Parkzonen am Rand" . . . Auf weiße Zettel schrieben in erster Linie Anwohner ihre Vorstellungen, aus nun Entwicklungsszenarien erarbeitet werden sollen.

Das Gelände, das locker Platz für zehn Benteler-Arenen böte, gehört der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) gehört. Im nördlichen Bereich soll in elf denkmalgeschützten Gebäuden, 1898 in norddeutscher Backsteingotik erbaut, nach Vollentkernung und Sanierung die Stadtverwaltung einziehen. Um auch Archiv und Rechenzentrum unterzubringen, werden möglicherweise noch Neubauten nötig sein.

Für die übrigen 10 Hektar soll jetzt ebenfalls geplant werden. Das Areal, nur 1.400 Meter von der Stadtmitte entfernt, ist hinsichtlich Lage, sozialer Infrastruktur, Nahversorgung und Anbindung an den Öffentlichen Nahverkehr ein Filetgrundstück. Kein Wunder, dass bereits Großinvestoren Kaufwünsche angemeldet haben. Doch die Stadt, die die Planungshoheit besitzt, will ihre Vorkaufsoption bei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) für die gesamte Fläche nutzen, betonte Beigeordnete Claudia Warnecke: "Paderborn wächst weiter, es gibt Bedarf an Wohnraum." Die BImA legt als Preis den Verkehrswert zugrunde, der sich allerdings um die Kosten für die Realisierung des Planungskonzepts verringert. So schalte man Wettbewerb und Preiskampf aus, beruhigte Bernd Grotefeld (BImA) besorgte Bürger, die für das südliche Areal einen Preiswettbewerb befürchten.

Information

Termine und Fakten


Mehr zur Bürgerbeteiligung Alanbrooke sowie Zahlen zur Konversion unter www.paderborn.de (Button Konversion).

Bürgerwerkstatt: Samstag, 14. Juni, 13-17 Uhr, Foyer der Georgschule, Erzberger Straße 23.

Ergebnisdiskussion, Donnerstag, 3. Juli, 18-21 Uhr, Kantine dSpace, Rathenaustraße 26.

In Phase 2 folgt die städtebauliche Konzeption, in Phase 3. der Bebauungsplan.

Vor Umsetzung stehen ab August 2016 noch Flächenaufbereitung, Altlastenabbau und Erschließung an. (au)

Der asphaltierte Exerzierplatz, der mittig der neuen Stadtverwaltung liegt, ist denkmalgeschützt. Thomas Jürgenschellert informierte, dass dort öffentlicher Grünraum geplant sei. "Wo parkt man denn bei der Stadtverwaltung?", fragte eine Bürgerin. "Das ist noch nicht beantwortet", so der Konversionsbeauftragte: "Aber nicht in der Mitte des Ensembles, das sonst städtebaulich nicht wirkt."

"Eine Parkfläche ist wichtiger als ein Park", befand hingegen Anwohner Karl-Heinz Wange, Kreisvorsitzender der CDU. Bereits jetzt gäbe es rund um das Goerdeler-Gymnasium zu wenig Parkmöglichkeiten. Auch an der Theodor-Heuß- sowie der Erzberger Straße fehle es an Parkraum, monierten Anlieger, die außerdem mehr Pkw-Verkehr befürchten: Von der Rathenaustraße müsse ein neuer Zugang zum Kasernen-Quartier entstehen, die Giefersstraße solle Sackgasse bleiben. Wenn man nach Kampfmitteln buddeln müsse, könnte man ja eine Tiefgarage bauen, will Sigrid Tenge-Erb, CDU-Mitglied im neuen Stadtrat, zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Hinsichtlich der Wohnbebauung denkt Jens Küpper vom Dortmunder Büro SteG, das die Bürgerbeteiligung begleitet, mit Blick auf das Umfeld "beispielsweise an Reihenhaus-Strukturen", an "Wohnen und Arbeiten" und kleine Quartiere im Eigentums-Geschossbau fürs schmalere Portemonnaie. "Eine sehr verdichtete Bebauung würde das Gebiet überfrachten", steht für Anwohner Joseph Vögele, früherer Ratsherr der CDU, fest: "Und Hochhäuser passen hier nicht hin."

Reihenhäuser Rathenaustraße

Was passiert mit den von Briten bewohnten Reihenhäusern an der Rathenaustraße und an der dahinter liegenden Asseburgstraße? Das interessierte nicht nur Bürger aus dem Viertel. Doch diese Immobilien werden nicht automatisch mit der Schlüsselübergabe der Alanbrooke-Kaserne freigezogen und stehen darum offenbar noch lange nicht zum Verkauf. Zum einen wohnen dort derzeit nicht nur Militärangehörige der Alanbrooke-Kaserne. Zum anderen ziehen bei Freiständen künftig vorübergehend andere britische Soldaten ein, auch aus anderen Orten wie Detmold.
Die Reihenhäuser stehen erst zur Verfügung, wenn sich die Briten komplett aus Paderborn verabschiedet haben, so der britische Verbindungsoffizier Ian Grant.

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