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DDR-Zeitzeugin Heidrun Breuer und Geschichtslehrer Christian Hölzen informieren Zehntklässler über den Umgang der Stasi mit ausreisewilligen Bürgern. - © FOTO: ANDREAS GÖTTE
DDR-Zeitzeugin Heidrun Breuer und Geschichtslehrer Christian Hölzen informieren Zehntklässler über den Umgang der Stasi mit ausreisewilligen Bürgern. | © FOTO: ANDREAS GÖTTE

Paderborn Für Freiheitswillen bestraft

DDR-Zeitzeugin berichtet Schülern über ihre Erlebnisse mit der Staatssicherheit

VON ANDREAS GÖTTE
11.04.2014 | Stand 10.04.2014, 19:51 Uhr

Paderborn. Das, was Heidrun Breuer damals in der ehemaligen DDR widerfahren ist, muss den zuhörenden Zehntklässlern in der Von-Fürstenberg-Realschule wie ein Kriminalfilm vorgekommen sein. Die Schüler wuchsen alle in einer Zeit auf, als es die DDR schon gar nicht mehr gab.

Die gelernte Friseurin hat schwer büßen müssen, nur weil sie wiederholt mit ihrem damaligen Mann insgesamt 17 Ausreiseanträge gestellt hatte, die allesamt abgelehnt worden waren. 1981 war ihr damaliger Mann nach einem gescheiterten Fluchtversuch bereits für ein halbes Jahr inhaftiert worden.

Als der Staatssicherheitsdienst durch die Postkontrolle von geplanten Kontakten von westdeutschen Verwandten mit einer ZDF-Fernsehsendung erfuhr, wurde das Ehepaar von vier Männern der Staatssicherheit im Februar 1984 abgeführt und anschließend einen ganzen Tag lang separat verhört. Heidrun Breuer musste vor der Aufseherin wegen der Läusegefahr duschen, wurde zunächst in eine alte Armeeuniform und dann zu zwei weiteren Frauen in eine Zelle gesteckt. "Man musste sich mit dem Rücken aufs Bett legen, das alle zehn Minuten vom Scheinwerferlicht beleuchtet wurde", erzählt die heute 60-Jährige. "Ich musste meinen 30. Geburtstag in Untersuchungshaft verbringen und war immer von einem Missverständnis ausgegangen", schildert der ehemalige DDR-Häftling. Doch dem war nicht so. Wegen "landesverräterischer Nachrichtenübermittlung" und "mehrfach ungesetzlicher Verbindungsaufnahme" wurde sie als Mitläuferin ihres Mannes zu einer 30-monatigen Haftstrafe verurteilt. Ihr damaliger Mann bekam drei Jahre.

Im Gefängnis musste Heidrun Breuer Bettwäsche für den Westen nähen. "Wir wurden mit Kriminellen zusammengebracht und wie der letzte Dreck behandelt", schildert die 60-Jährige. Zwei Jahre war Heidrun Breuer damals von ihrer kleinen Tochter getrennt. Als sie auf die inoffizielle Freikaufliste für Häftlinge kam, wurde sie im Mai 1985 schließlich in die Bundesrepublik transportiert. In Bergisch Gladbach fand die heutige Krankenschwester eine neue Heimat und einen neuen Mann.

Zwei Mal hat sie seitdem in ihre Stasiakte geschaut. Ihre Tochter spricht bis heute nicht über die Vergangenheit. "Auch ich habe 25 Jahre nicht darüber geredet, jetzt schwimme ich mich langsam frei", sagt Heidrun Breuer. Darüber zu sprechen sei wichtig, das habe sie während ihrer Ausbildung als Krankenschwester in der Gerontospsychiatrie gelernt" , sagt sie. Sie sei damals ein Stück naiv gewesen und hätte "eher etwas merken können", sagt sie.

Nach all dem Erlebten ist für Heidrun Breuer Reise- und Glaubensfreiheit ein wichtiges Gut. Deutschland wachse zusammen, auch multikulturell, stellt sie zufrieden fest. Und die Schüler danken es mit viel Applaus.

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