Paderborn Stadtmarketing-Personalie setzt Paus unter Druck

Hauptausschuss lässt Besetzungsfrage für Amtsleitung weiter offen / Kritik am Ausschreibungsverfahren

Bürgermeister Heinz Paus.
Bürgermeister Heinz Paus.

Paderborn (hko). Die derzeit prominenteste offene Stelle in der Paderborner Stadtverwaltung ist endgültig ein Politikum. Der Hauptausschuss des Rats konnte sich am Donnerstag, wie schon eine Woche zuvor, nicht für einen der beiden verbliebenen Bewerber für den Chefposten im Amt für Öffentlichkeitsarbeit und Stadtmarketing entscheiden. Die Anforderungen sind offenbar nicht zur vollen Zufriedenheit erfüllt. Zunehmend heikel ist die Personalie für Bürgermeister Heinz Paus, der von Teilen der Politik offen kritisiert wird.

Der letzte Amtsleiter Jan von Lübtow war zum November nach Berlin gewechselt, seitdem ist die Stelle offen und war von der Stadt ausgeschrieben worden. Insgesamt gab es rund 100 Bewerbungen, von denen die Stadt selbst knapp 90 aussortierte. Für den Rest wurde ein Personal-Profi hinzugezogen. Dieser wählte fünf Kandidaten für ein Assessment-Center aus, an dem sich vier beteiligten. Übrig blieben eine Frau und ein Mann. Insgesamt, so war es zu hören, war es offenbar ein ungewöhnliches Vorgehen.

Paus hatte dabei unabsichtlich seinen Teil dazu beigetragen, dass die Entscheidung ausblieb. Wie zu vernehmen war, hat er in der nichtöffentlichen Sitzung gefragt, ob die Personalie entschieden werden soll – nicht, ob Kandidat A oder B die Stelle bekommen soll. Während er als Bürgermeister in Fragen zu Personalbesetzungen nicht stimmberechtigt ist, darf er als Hauptausschuss-Vorsitzender in Fragen zum Sitzungsverlauf abstimmen. Doch er hob, ob bewusst oder versehentlich, nicht seine Hand. So gab es einen 9:9-Patt. Für eine Stellenbesetzung waren SPD, Grüne und drei CDU-Vertreter, dagegen die restlichen fünf Christdemokraten, FDP, DIP und FBI. Aus komplizierten Verfahrensgründen wurde die Sitzung daraufhin bis zu einem neuen Termin unterbrochen.

In der CDU sei viel diskutiert worden, sagte Fraktionschef Markus Mertens. Aus diesem Grund habe man die Abstimmung freigegeben. Angesichts der großen Aufgaben in der Stadt, in der vom Bahnhof bis zum Domplatz gebaut und die Konversion vorangetrieben werde, halte er die Position im Marketing für extrem wichtig. Hier habe sich ein Teil der CDU – ihn eingeschlossen – eine andere Lösung vorgestellt als dei beiden verbliebenen Bewerber. Das ganze Verfahren sei "unglücklich gelaufen", sagt Mertens. Er hätte sich eine offenere Ausschreibung gewünscht. Da habe er eine andere Meinung als Paus, "rund" laufe es dennoch.

Karsten Grabenstroer (FDP), kritisiert, dass sich Paus als scheidender Bürgermeister so sehr um eine Personalie bemüht. Besonders bemängelt er das Bewerbungsverfahren. Indem Erfahrung im Stadtmarketing und Tourismus gefordert seien, hätten Kandidaten aus der Region keine Chance. Der Amtsleiter müsse "nicht nur gute Marketingkenntnisse haben, sondern auch gut vernetzt sein", sagt Grabenstroer. "Die FDP hat von Anfang an bemängelt, dass die Stelle nicht passgenau ausgeschrieben war und die Kriterien nicht, wie vorher versprochen, in Absprache mit ,Paderborn überzeugt’ aufgestellt wurden."

Cord Schmidthals ist Vorsitzender des Vereins ,Paderborn überzeugt’, der vor allem Vertreter der Wirtschaft vereint, kritisiert die fehlende Einbindung beim Anforderungsprofil der Ausschreibung. Jedoch sei die Kritik an Paus nicht vom Verein angestoßen worden. "Wir sind festgelegt und wollten die Entscheidung", sagt SPD-Fraktionschef Franz-Josef Henze. Er habe jedoch "keine Hoffnung, dass wir das Verfahren zu Ende bringen".

Bürgermeister Paus hatte jüngst schriftlich erklärt, dass zwischen Stadt und Politik Einvernehmen herrsche, die Stelle vor der Kommunalwahl im Mai auszuschreiben.

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