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Die Stadt bittet dringend darum, Enten und Lachmöven nicht zu füttern. Das Verhalten hat selbst für die Tiere letztendlich schlimme Auswirkungen. - © FOTO: MARC KÖPPELMANN
Die Stadt bittet dringend darum, Enten und Lachmöven nicht zu füttern. Das Verhalten hat selbst für die Tiere letztendlich schlimme Auswirkungen. | © FOTO: MARC KÖPPELMANN

Paderborn Füttern macht Tiere krank

"Mit Tierschutz hat das Entenfüttern nichts zu tun"

15.02.2014 | Stand 13.02.2014, 20:44 Uhr

Paderborn (NW). Wenn man in diesen Tagen zum Padersee kommt und sich auf eine der Aussichtsplattformen am Ufer stellt, erlebt man ein beeindruckendes Schauspiel. Enten, Schwäne, Bläßrallen und Lachmöwen kommen in großer Zahl, um Futter zu erbetteln. Vielfach wurden diese Wünsche bisher auch erfüllt. Naturschützern war und ist dies ein Dorn im Auge.

"Es ist einwandfrei erwiesen, dass die Fütterungen letztlich für die Enten selbst schlimme Auswirkungen haben, von den Problemen der Gewässerverschmutzung ganz zu schweigen.", so Axel Schröder, Diplom-Biologe des städtischen Amtes für Umweltschutz und Grünflächen.

Durch die Brot- und Brötchenreste kommen viele Nährstoffe ins Gewässer. Diese können nicht mehr abgebaut werden und verschlechtern die Qualität des Wassers. Durch das oft lange im Wasser liegende Futter können Krankheiten leichter übertragen werden. Außerdem verschlechtert der durch die Überfütterung entstandene übermäßige Kot vieler Enten die Lebensbedingungen aller Tiere und Pflanzen.

Eine weitere Folge der Fütterungen sind Massenansammlungen von Enten, die selbst von entfernten Teichen und Seen angelockt werden. Gestörte Verhaltensweisen bei Paarung, Brut und Aufzucht der Jungen stellen sich bei der Entenbevölkerung eines solchen "Futterteiches" ein. Häufig ist dabei ein Überschuss an männlichen Enten zu beobachten. Ungepaarte Erpel zeigen sich untereinander, aber vor allem Weibchen gegenüber zunehmend aggressiv. Sie fallen zu mehreren über eine weiblicher Ente her und verletzen und schwächen diese durch die ständigen Belästigungen. Auch vor brütenden Enten oder solchen, die gerade ihre Jungen aufziehen, wird nicht haltgemacht. Viele Enten überleben ein solch artschädigendes Verhalten nicht. Auf entenüberfüllten Teichen sind vor allem die Küken gefährdet. Sie kommen schnell in den Bereich anderer Entenfamilien, werden von den fremden Entenmüttern angegriffen und verletzt und verjagt. Finden sie dann nicht sofort ihre Mutter wieder, sterben sie an den Verletzungen oder an Unterkühlung.

"Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass der Gesamtverlust an Jungen bis zum Flüggewerden mit 70 Prozent in Parkanlagen fast doppelt so hoch ist wie in Freilandpopulationen", unterstreicht Axel Schröder dieses Problem und hebt hervor: "Mit Tierliebe und Tierschutz hat das Entenfüttern nichts zu tun. Es dient eher unserer eigenen Belustigung – auch dann, wenn das vermeintliche Naturerlebnis unserer Kinder vorgeschoben wird. Wir bitten daher die Bürgerinnen und Bürger eindringlich, auf das Füttern der Enten zu verzichten." Abschließend weist er noch darauf hin, dass das Füttern von wildlebenden Wasservögeln ebenso wie das Füttern von Tauben nach der Paderborner Ortssatzung verboten und mit einem Bußgeld geahndet werden kann.

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