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Im Fall der Vergewaltigung einer Frau aus Lichtenau hat das Landgericht ein Urteil gefällt. - © Besim Mazhiqi
Im Fall der Vergewaltigung einer Frau aus Lichtenau hat das Landgericht ein Urteil gefällt. | © Besim Mazhiqi

Lichtenau Vergewaltigungsopfer überwindet Scham - Urteil gegen den Täter

Eine junge Frau wurde von ihrem Freund vergewaltigt. Die Lichtenauerin braucht viele Monate, bis sie ihn anzeigen kann

Jutta Steinmetz
30.10.2019 | Stand 30.10.2019, 10:50 Uhr

Lichtenau. Viele Monate hat Bianca I. (alle Namen geändert) gebraucht, bis sie anderen Menschen anvertrauen konnte, dass sie von ihrem Ex-Freund vergewaltigt wurde. Es fiel ihr schwer, den Vorfall aus dem Sommer 2016 zur Anzeige zu bringen. Die Gründe: Scham und ein Gefühl der Mitschuld. Endgültig verarbeitet hat die Lichtenauerin die Tat immer noch nicht. Vielleicht ist es ihr jetzt möglich, mit dem belastenden Vorfall abzuschließen. Denn nach zwei Verhandlungstagen wurde ihr Ex-Freund Tobias C. schuldig gesprochen. „Wir glauben der Zeugin in vollem Umfang", so der Vorsitzende Richter Eric Schülke. C. bestritt die Tat bis zum Schluss. Erpressung mit Sexvideo Wie berichtet, hatte die Lichtenauerin Tobias C. aus Dortmund auf der Datingseite „Christ sucht Christ" kennen gelernt. Es entwickelte sich rasch eine Beziehung, die bald von Lügen und Manipulationen geprägt war. Tobias C. gaukelte vor, reich zu sein und aus gutem Haus zu stammen. Bianca I. setzte er immer mehr unter Druck, erpresste sie mit einem selbstgedrehten Sexvideo. Nach ein paar Monaten zwang er sie gegen ihren Willen zum Geschlechtsverkehr. Über all das schwieg die Lichtenauerin lange Zeit, konnte sich selbst nach erfolgter Trennung erst dank seelsorgerischer und therapeutischer Hilfe öffnen. Dass sich ein Opfer sexueller Gewalt so verhalte, erst spät das Erlebte zu einer Anzeige bringe, sei alles andere als selten, bilanzierten die Richter der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts Paderborn. Bianca I. habe ohne jede Belastungstendenz, aber detailliert und widerspruchsfrei den sexuellen Übergriff geschildert, befanden sie und folgten den Anträgen von Staatsanwältin Melek Topkaya und Nebenklagevertreter Thorsten Fust, blieben allerdings mit der 34-monatigen Gefängnisstrafe etwas unter den geforderten Strafmaßen. Möglicherweise muss Tobias C. aber noch länger auf seine Freiheit verzichten. Demnächst muss er sich vor dem Landgericht in Ellwangen einfinden. Dort wird ihm eine dreifache Vergewaltigung vorgeworfen.

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