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Wieder wässriger: Das Eggemoor zeigt deutliche Spuren, dass die Schutzaktionen wirken. - © Moritz Jülich
Wieder wässriger: Das Eggemoor zeigt deutliche Spuren, dass die Schutzaktionen wirken. | © Moritz Jülich

Lichtenau 20 Freiwillige machen Eggemoore bei Lichtenau wieder nass

Warum Moore wichtig für den Klimaschutz sind

Moritz Jülich
05.09.2019 | Stand 05.09.2019, 18:08 Uhr

Lichtenau. Die Eggemoore bei Lichtenau gehören zu den letzten intakten Mooren Westfalens. Zur Erhaltung haben sich mehr als 20 Freiwillige aus ganz Deutschland zusammengefunden. Organisiert wird die Renaturierung vom Verein Bergwaldprojekt, einer gemeinnützigen Umweltorganisation, die 2019 deutschlandweit 117 Projekte an 51 Standorten unterstützt. Das Hauptziel bei der Arbeit im Moor ist die so genannte Wiederverwässerung. Sie soll einerseits durch die Entnahme von nicht im Moor üblichen Bäumen wie Fichten und Weiden erreicht werden. Andererseits werden alte Entwässerungsgräben durch den Bau von Querwerken blockiert. Die Finanzierung des Projekts übernehmen das Land NRW und die Initiative "Life+" der Europäischen Union, deren Aufgabe die Förderung von nachhaltigen Umweltschutzprojekten in der EU ist. "Unser Ziel ist es, soweit zu renaturieren, dass letztendlich die Natur selber das Moor instand halten kann", sagt Lutz Rohland vom Bergwaldprojekt. Bis dahin seien, auch nach Abschluss der Freiwilligenaktion, noch Wartungsarbeiten und Kontrollen beispielsweise an den Querwerken nötig. Die Prognosen sind gut, der Wasserspiegel sei bereits merklich gestiegen. Freiwillige suchen meist auch Abwechslung vom Alltag Neben den Schutzmaßnahmen sieht Rohland auch positive Effekte für die Teilnehmer. So sei auch eine Exkursion geplant, um das Moor und seine natürlichen Aufgaben besser zu verstehen. "Die Erfahrungen aus den Projektwochen bestärken die Ehrenamtlichen darin, auch den eigenen Alltag naturverträglicher und ressourcenschonender zu gestalten" erwartet Rohland. Zumeist wollten auch viele ein wenig aus ihrem Alltag "ausbrechen". "Ich hätte nicht erwartet, dass ich letztendlich im Moor lande", sagt Helferin Martha Ruhde, die im Frühjahr ihr Abitur machte und nicht genau wusste, wie es weitergehen soll. Über Freunde sei sie auf das Bergwaldprojekt aufmerksam geworden und wollte etwas Praktisches für die Umwelt unternehmen. Ihr sei ansonst "zu viel Theorie in der Debatte." Auch Julian Zetterich, der bereits bei Projekten auf einer Hallig half, will weiter etwas Gutes tun, aber "auch mal eine Abwechslung in der Landschaft erleben." Darum sind Moore wichtig für Klima- und Naturschutz Moore sind aus verschiedenen Gründen wichtig für die Umwelt. Sie bieten seltenen Tieren und Pflanzen einen Rückzugsraum. Sie gehören außerdem zu den am stärksten gefährdeten Ökosystemen Deutschlands. Laut Bergwaldprojekt wurden bereits 95 Prozent der Moore in den letzten Jahrhunderten zumeist durch menschlichen Einfluss zerstört. Dabei sind laut Christian Finke von der Biologischen Station Kreis Paderborn-Senne Moore auch für den Klimaschutz wichtig, denn sie entziehen der Luft Kohlendioxid und speichern es im Torfboden, jährlich über fünf Tonnen pro Hektar. Durch die Moorzerstörung werde alles gespeicherte Kohlendioxid wieder freigesetzt. Notwendig wird die Moor-Renaturierung laut der "Life+"-Initiative aufgrund der historischen Nutzung durch den Menschen. Dazu gehören Entwässerungsgräben und angepflanzte Fichten und Weiden, ursprünglich zur landwirtschaftlichen Nutzbarmachung. Durch gewachsene Gehölze falle das Moor immer weiter trocken, wodurch es nicht mehr seine natürlichen Funktionen wahrnehmen könne. Über die großen Blätter verdunste mehr Wasser als über die kleinen Moorpflanzen, weshalb die nicht heimischen Bäume und Sträucher entfernt werden müssen.

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