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Storchenfamilie: Im Merschetal werden drei kleine Jungstörche großgezogen. - © Dr. Guenter Bockwinkel
Storchenfamilie: Im Merschetal werden drei kleine Jungstörche großgezogen. | © Dr. Guenter Bockwinkel

Lichtenau Windräder bei Lichtenau stehen für drei Jungstörche still

Zum Schutz der Storchenfamilie bleiben zehn Windräder für zehn Tage tagsüber abgeschaltet

25.07.2019 | Stand 25.07.2019, 15:00 Uhr

Lichtenau. Die Flugschule ihrer Eltern haben sie erfolgreich durchlaufen. Jetzt sind die drei Storchenkinder flügge geworden und unternehmen ihre eigenen Ausflüge in die Umgebung. Zum Schutz der Schwarzstorchenfamilie bleiben im Windpark Hassel bei Lichtenau zehn Windräder für die Dauer von zehn Tagen tagsüber abgeschaltet. Die Abschaltung der Anlagen basiert auf einer Vereinbarung, die zwischen dem Kreis Paderborn und den Betreibern des Windparks Hassel geschlossen wurde. Erstmals in 2016 hatte der Kreis Paderborn zum Schutz eines brütenden Schwarzstorchenpaares verfügt, dass drei Windräder im Windpark Hassel tagsüber stillgelegt werden und sich dabei auf das artenschutzrechtliche Tötungsverbot des Bundesnaturschutzgesetzes gestützt. Der Schwarzstorch zählt zu den streng geschützten Vogelarten nach dem Bundesnaturschutzgesetz. Aus Sicht des Kreisumweltamtes besteht für die Tiere durch den Betrieb der Anlagen ein signifikant erhöhtes Tötungsrisiko: Gefährdet sind nicht nur die Jungtiere, wenn sie geschlüpft sind und erste Flugversuche unternehmen. Auch die Elterntiere könnten getötet werden, weil sie häufiger unterwegs sind, um Nahrung für die Storchenkinder zu besorgen. Besonderer Schutz für standortteue Vögel In den Jahren 2016 und 2017 ist ein Gutachterbüro mit Untersuchungen zum Brutverlauf und der Raumnutzung, also der Dokumentation aller Flugbewegungen, beauftragt worden. Die Untersuchungen ergaben, dass in jedem Jahr nach Trockenfallen des Ellerbaches, die Tiere ihre Flugrouten änderten und durch den Windpark steuerten. Da Schwarzstörche standorttreu sind, also immer zu ihren Brutplätzen zurückkehren, rechnete der Kreis Paderborn damit, dass sie auch in Zukunft diesen Horst benutzen. Also sollte eine Regelung für die Zukunft geschaffen werden. Erstmals wurden im Jahr 2017 vertraglich Betriebszeiten und Abschalträume fixiert. Im Jahr 2018 erfolgte die gemeinsame Unterzeichnung einer endgültigen Vereinbarung mit der Festlegung von Abschaltzeiten zum Schutz der Schwarzstorchfamilie. Es wurde eine Kamera in der Nähe des Horstes installiert, um das Geschehen vor Ort zu beobachten. Nunmehr brüteten die Störche in diesem Jahr zum vierten Mal erfolgreich im Merschetal und haben drei kleine Jungstörche großgezogen. Der Kreis Paderborn geht davon aus, dass die Störche auch im nächsten Jahr zurückkehren werden.

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