Hier herrscht Ruhe: Bei Leinkenjost, hier vom Schäferweg aus gesehen, gingen zum Jahreswechsel die Lichter endgültig aus. Das Areal mit rund 22.300 Quadratmetern steht zum Verkauf. - © Hartmut Kleimann
Hier herrscht Ruhe: Bei Leinkenjost, hier vom Schäferweg aus gesehen, gingen zum Jahreswechsel die Lichter endgültig aus. Das Areal mit rund 22.300 Quadratmetern steht zum Verkauf. | © Hartmut Kleimann

Lichtenau Neue Pläne fürs Leinkenjost-Gelände in Lichtenau

Das Möbelunternehmen hat den Betrieb Ende des Jahres eingestellt. 
Für die Nachnutzung des Areals gibt es in der Stadt bereits konkrete Vorstellungen

Jens Reddeker
01.03.2019 | Stand 01.03.2019, 17:11 Uhr

Lichtenau. In aller Stille hat vor wenigen Wochen Mitten in Lichtenau ein angesehenes Unternehmen seine Pforten für immer geschlossen. Beim Möbelhersteller Gebrüder Leinkenjost wurde der Betrieb aus wirtschaftlichen Gründen zum 31. Dezember eingestellt. Zuletzt waren 37 Angestellte dort beschäftigt. Viele von ihnen mussten den Gang zum Arbeitsamt antreten. Der Antrag auf ein Insolvenzverfahren wurde Mitte Oktober 2018 gestellt. Das Verfahren wurde laut Insolvenzverwalterin Sandra Bitter am 1. Januar eröffnet. Die Paderborner Rechtsanwältin sagt im Gespräch mit der NW, dass "leider kein Investor gefunden wurde, der den Betrieb fortführen wollte". Maschinen und Inventar sind Mitte Februar vor Ort versteigert worden. Spätestens seitdem ist das Leinkenjost-Gelände im Breikedahl Gesprächsthema in der Energiestadt. Einen Dialog zwischen Insolvenzverwalterin und Bürgermeister Josef Hartmann (SPD) über eine kommunale Nutzung des Geländes hat es bereits gegeben. An die Öffentlichkeit wendet sich nun auch die CDU-Fraktion im Stadtrat. Sie beantragt offiziell beim Bürgermeister, dass die Stadt das Areal kauft. Auf den knapp 22.300 Quadratmetern wäre Platz für Wohnhäuser, die bestehende Holzschnitzelanlage könnte Fernwärme für das nebenan liegende Schulzentrum liefern und möglicherweise könnten Hallen für den Bauhof oder andere Eigenbetriebe der Stadt genutzt werden. Grundstück im Familienbesitz CDU-Fraktionschef Josef Eich träumt von dieser Gesamtlösung. Er sagt im NW-Gespräch, dass seine Partei mit dem bestellten Wertermittler Kontakt hatte, der den Politikern Zustand und Wert von Boden und Gebäuden vorgestellt hat. Sowohl Bürgermeister Hartmann als auch CDU-Mann Eich kennen die Preis-Vorstellungen. Nach NW-Informationen liegen sie bei rund 1,7 Millionen Euro. Eine von drei Grundstücksbesitzerinnen aus der Familien ist Elke Leinkenjost. Sie würde sich über eine städtische Weiternutzung des Geländes freuen. "Die letzte Entscheidung liegt aber bei der Insolvenzverwalterin, die die Angebote vergleicht", sagt sie. Die etwa fünf Jahre alte Holzschnitzelkesselanlage habe eine Leistung von 890 Kilowatt. Ihren Wert beziffert der CDU-Antrag auf 250.000 Euro. Da sie nicht mehr als zwei Jahre gelaufen sei, geht Eich von einem sehr guten Zustand aus. Die Idee, mit der Anlage per Fernwärme das komplette Schulzentrum zu versorgen, könnte aber nach ersten Einschätzungen dem Millionen-Projekt des dortigen Klimacampus schaden. "Wir haben Signale erhalten, dass es dann mit der Förderung schwierig werden könnte", sagt Hartmann im Gespräch mit der NW. Das Antragsverfahren für den Klimacampus läuft seit rund sechs Monaten. Die Planungen konzentrieren sich bislang auf Tiefen-Geothermie. Auch über die Erschließung von Grundstücken auf dem Leinkenjost-Areal habe die Stadt bereits nachgedacht. "Zwölf bis 14 Bauplätze sind wohl möglich", schätzt Hartmann. Würde die Fernwärme-Lösung umgesetzt, bestünde für die Grundstücke ein Anschlusszwang. Das letzte Wort bei der Ausweisung als Bauland hat aber der Kreis, da zu prüfen ist, ob die Geruchsbelästigung wegen der Nähe zur Landwirtschaft hinnehmbar ist. Wärmepumpe steht im Bauhof Würde der Bauhof in eine frühere Leinkenjost-Halle einziehen, kalkuliert Eich, könnte die derzeit genutzte Immobilie im Gewerbegebiet Leihbühl "dem freien Markt zur Verfügung" gestellt werden. Der Bürgermeister gibt zu bedenken, dass am jetzigen Bauhof-Standort die Wärmepumpe und die Tiefenbohrungen für die Erdwärme verortet sind. Die Stadt plant darüber hinaus aktuell damit, den Kreisbauhof an der Holtheimer Straße zu übernehmen, wenn der Kreis ihn nach dem Neubau auf der Alten Schanze aufgibt. Die CDU bittet die Stadtverwaltung, bis zur Bauausschusssitzung am Mittwoch, 20. März, alle Optionen zu prüfen. Käme die Verwaltung zu dem Schluss, dass der Ausschuss diese Prüfung zunächst durch ein Votum beauftragen müsste, beantragt die CDU sogar eine Sondersitzung des Fachausschusses in der Woche vom 11. bis 15. März.

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