Bei guter Gesundheit: Liesel Schulze-Neuhoff genießt ihr langes Leben und ist immer noch an allem interessiert. - © Andreas Götte
Bei guter Gesundheit: Liesel Schulze-Neuhoff genießt ihr langes Leben und ist immer noch an allem interessiert. | © Andreas Götte

Lichtenau Ein Jahrhundert voller Leben: Kleinenbergerin feiert 100. Geburtstag

Mit Lust durchs Leben: Liesel Schulze-Neuhoff feiert in Kleinenberg ihren 100. Geburtstag. Rüstige Dame ist immer noch vielseitig interessiert. Warum beim Shanty-Chor die Tränen kommen

Andreas Götte

Lichtenau-Kleinenberg. Mit 80 Jahren ist sie noch schwimmen gegangen, mit 93 Jahren fuhr sie noch fröhlich Auto und sie interessiert sich immer noch für aktuelle Themen wie beispielsweise die Fußballweltmeisterschaft. "Bei jedem Tor gibt es einen Schnaps", sagt Liesel Schulze-Neuhoff. Und bei der Fahrt durch Kleinenberg möchte sie stets wissen, wer da denn gerade so baut. Am heutigen Donnerstag feiert sie in Kleinenberg zusammen mit Verwandten, Freunden und Bekannten ihren hundertsten Geburtstag. Erst seit zwei Monaten wohnt die rüstige Dame auf eigenem Wunsch in einem Heim in Bonenburg. Das Geburtskind wurde im mecklenburgischen Malchin geboren. Ihr Vater war Studienrat, ihr Bruder Werner fuhr auf der Bismarck zur See. Ihre Kindheit war unbeschwert. "Ich bin immer gerne ausgegangen und war lebenslustig", sagt die Jubilarin. Zusammen mit ihrer Mutter zog sie ihren kleinen Neffen Peter groß, dessen Mutter sehr früh verstorben war. Die Jubilarin war eine der ersten in der Umgebung, die damals einen Führerschein hatte. Unter Protest gab sie mit 93 Jahren ihren Führerschein ab. Lernte ihren Mann Karl-Heinz kennen Während der Hochzeit ihres Bruders lernte Schulze-Neuhoff ihren späteren Mann Karl-Heinz kennen. Mit den beiden Söhnen Rüdiger und Hubertus, Tochter Irmgard und dem Neffen Peter gelang 1946 die Flucht in den Westen - ins Forsthaus Regentenhöhe in Bonenburg. Dort wurde ihr Mann Forstamtsmann. "Ich habe in Bonenburg viel Rommé gespielt, aber die Mitstreiterinen sind bereits alle verstorben", bedauert sie. Weil es ihr mitten im Wald auf Dauer zu einsam war und sie Menschen um sich herum braucht, zog sie mit der Familie im Jahr 1964 zwar nicht in die Stadt, aber immerhin nach Kleinenberg. Gerne ist das frischgebackene Geburtskind viel im deutschsprachigen Raum gereist. Die Ostsee vermisst sie noch heute. "Immer, wenn der Paderborner Shanty-Chor Ostseelieder singt, kommen mir die Tränen", sagt Schulze-Neuhoff. Queen Elisabteh II. live erlebt Dem damaligen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg hat sie mal am Rostocker Bahnhof einen Blumenstrauß überreicht. "Der Strauß war eigentlich für unsere Verwandten in Damgarten bestimmt", erinnert sich Schulze Neuhoff. Queen Elisabeth II. hat sie mal bei einem Besuch in Paderborn erlebt. Ob das Leben heute besser oder schlechter ist als früher, vermag sie nicht zu sagen. Auch wenn sie mit der modernen Technik nicht mehr so ganz mithalten kann, staunt sie jedes Mal über technische Innovationen. Liesel Schulze-Neuhoff ist im übrigen als Zweijährige in der Dorfkirche von Hohen Mistorf zu sehen. Mich hat damals Kirchenmaler Fritz Greve verewigt", sagt die rührige alte Dame nicht ohne Stolz.

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