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Der Hövelhofer Lars Jagemann zeigt eine Vorabversion der App, die 2021 erscheinen soll. So könnten Familienmitglieder immer informiert sein, wie es den Senioren gerade geht - und würden im Notfall umgehend alarmiert. - © Jens Reddeker
Der Hövelhofer Lars Jagemann zeigt eine Vorabversion der App, die 2021 erscheinen soll. So könnten Familienmitglieder immer informiert sein, wie es den Senioren gerade geht - und würden im Notfall umgehend alarmiert. | © Jens Reddeker

Hövelhof Hövelhofer entwickelt Notruf-System für Sicherheit beim Älterwerden

Das Start-up von Lars Jagemann soll für Senioren und deren Angehörige eine Softwarelösung schaffen, damit die in Familien den Stress der häuslichen Pflege reduzieren könne.

Jens Reddeker
19.11.2020 | Stand 18.11.2020, 20:28 Uhr

Hövelhof. Zwei junge Männer wollen Senioren das Älterwerden in den eigenen vier Wänden erleichtern. Ihre Zaubermittel sind eine neue App und eine handelsübliche Smartwatch, also eine Armbanduhr mit Minicomputer. Einer der Gründer des Start-ups Easycare ist Lars Jagemann aus Hövelhof. Der 24-Jährige und sein Mitgründer Jonathan Denzel (23) aus Karlsruhe wollen ein Notruf-System etablieren, das unabhängig vom Standort des Seniors funktioniert und Daten über dessen Gesundheit, den Aufenthaltsort und eventuelle Notfälle übermitteln kann.

Entscheidung über Daten bei Nutzern

"Es geht nicht um Überwachung, sondern darum, dass Ältere unabhängig bleiben können und sich jüngere Familienmitglieder weniger Sorgen machen müssen", beschreibt Jagemann die Geschäftsidee. Die Bedenken in Sachen Datenschutz kennt er, sagt aber. "Die Senioren geben selber eine Einverständniserklärung ab und können einstellen, welche Daten sie an wen weitergeben möchten."

Wenn also Oma und Opa die App auf ihrer Smartwatch haben, können sich Angehörige damit koppeln und erhalten die freigegebenen Infos weitergeleitet. "Mein Kollege Jonathan hat es selbst erlebt, dass heute die Organisation von Pflege innerhalb einer Familie viel Stress verursachen kann. So sind wir auf die Idee für Easycare gekommen", sagt Jagemann. Mittlerweile haben die Gründer 50.000 Euro Startkapital vom Land NRW eingesammelt, sich dafür gegen andere Gründer durchgesetzt und finanzieren aktuell vor allem die Weiterentwicklung der App, die 2021 an den Start gehen soll. Noch ist auf der Easycare-Webseite nur eine Beta-Testversion zu finden.

Als Jagemann und Denzel - beide Stipendiaten der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung - ihre Idee entwickelten, dachten sie zuerst daran, neben der Software auch Hardware produzieren zu lassen. "Aber wir haben durch Startup-Berater gelernt, dass es viel sinnvoller ist, auf bestehende Plattformen zu setzen", berichtet der Hövelhofer von Gesprächen mit Gründercoaches. So soll die App nun auf Apple-Watches genauso laufen wie auch auf Samsung-Geräten. Die Einstiegspreise für diese modernen Uhren liegen bei 200 bis 300 Euro.

Stufenweises Geschäftsmodell

Wenn Easycare an den Start geht, soll es sich über ein mehrstufiges Abo-Modell finanzieren. Während eine Organizer-Funktion für die Familie (Einsatzpläne, Medikationsübersicht) kostenfrei wäre, soll die Version mit der Übertragung von Vital- und Standortdaten rund zehn Euro monatlich kosten. Käme die automatische Notfallerkennung hinzu, könnte die Summe rund 20 Euro pro Monat betragen. In Zukunft soll die App auch ermöglichen, dass Angehörige informiert werden können, wenn der Träger der Uhr ein bestimmtes Gelände verlässt. Zukunftsmusik ist es laut Jagemann noch, dass eine künstliche Intelligenz erkennt, wenn Anomalien im Gesundheitszustand auftreten und dann ebenfalls ein Alarm ausgelöst wird. Auch die Anbindung an eine zentrale Notrufstelle soll perspektivisch möglich sein.

Jagemann arbeitet derzeit viel vom Hövelhofer Home Office aus, um die Geschäftsidee zur Marktreife zu führen. Er hat seinen Bachelor in Volkswirtschaftslehre in der Tasche und koordiniert aktuell den Einsatz der Landes-Fördermittel. "Bis zur Veröffentlichung der App werden wir wohl knapp 140.000 Euro in das Projekt gesteckt haben", sagt er. Beide Gründer haben fast fünfstellige Beträge selbst investiert, hinzu kommt unter anderem Hardware-Unterstützung durch eine Startup-Förderung des Telekommunikationskonzerns Vodafone.

Nicht aus dem Stand tausend Kunden

"Die Beratung durch die Startup-Programm hilft uns sehr. Wir bekommen Feedback, das uns auf Kurs hält", sagt der Sohn zweier Hövelhofer Zahnärzte. Mit einer ordentlichen Portion Realismus, aber auch mit Hoffnung geht der Gründer die Weiterentwicklung der Idee an. "Klar ist, dass wir nicht aus dem Stand 1.000 Kunden haben werden. Um das Unternehmen bekannt zu machen und es weiter voranzutreiben, werden wir Investoren brauchen", sagt er.

Lose Kontakte gibt es, doch erstmal ist weiter Detailarbeit für den App-Start angesagt. "So lange wird das Geld noch reichen", sagt der Jung-Unternehmer. Und wenn es in Deutschland erstmal angelaufen ist, können sich die Erfinder auch eine Internationalisierung vorstellen. Lars Jagemann: "Smartwatches gibt es weltweit und damit kann auch unsere Idee auf der ganzen Welt funktionieren."

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