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Hans-Werner Athens zeigt Taubenweibchen 1117. Der einjährige Vogel aus Hövelhof gewann den internationalen Wettflug von London gegen 1.300 Mitbewerber. - © Jens Reddeker
Hans-Werner Athens zeigt Taubenweibchen 1117. Der einjährige Vogel aus Hövelhof gewann den internationalen Wettflug von London gegen 1.300 Mitbewerber. | © Jens Reddeker

Hövelhof Die schnellste Taube kommt aus Hövelhof

Züchter Hans-Werner Athens siegt mit seinem Tier bei einem Wettflug aus London. Der Erfolgsvogel hat seinen Wert schlagartig gesteigert. Nun steht ihm eine neue Aufgabe bevor

Jens Reddeker
28.10.2019 | Stand 28.10.2019, 08:07 Uhr

Hövelhof. Er hat sie kommen sehen - und traute seinen Augen nicht. Als Hans-Werner Athens an jenem Samstag Anfang August in den Himmel über seinem Wohnhaus mitten in Hövelhof schaute, durchzuckte ihn das Adrenalin. Auch heute, wenn der Taubenzüchter von der Rückkehr seines Tieres mit der Ringnummer 1117 erzählt, hat er glänzende Augen. Schließlich hat ihm die einjährige Taube den größten Erfolg seines Züchterlebens beschert - und einen der bedeutendsten für Züchter im Kreis Paderborn. Das Hövelhofer Tier gewann den internationalen Wettflug aus der britischen Hauptstadt London. Im Januar wird Athens dafür bei der Taubenausstellung in der Dortmunder Westfalenhalle geehrt. Als die Taube um 18.44 Uhr den heimischen Schlag an der Allee erreichte, hatte sie 634 Kilometer hinter sich und schoss wie ein Pfeil hinunter in ihr Zuhause. Neun Stunden und 44 Minuten zuvor war sie in London aufgelassen worden. In der abschließenden Berechnung von Flugzeit im Verhältnis zur Entfernung lag Athens, der Taubenzüchter des 65 Jahre alten Hövelhofer Vereins "Zu den Emsquellen", ganz vorn. Siegesparty und Glückwunschbanner Als das Ergebnis vor drei Wochen - nach Auswertung aller Resultate der rund 220 Teilnehmer mit ihren 1.300 Tieren - feststand, kamen 20 Sportsfreunde aus dem Verein zur Siegesparty. Es wurde eine große Sause. Ein Glückwunschbanner prangt seitdem am Wohnhaus und würdigt den Züchter für dessen Erfolg. Athens, im Hauptberuf Bäcker in der Hövelhofer Bäckerei Jüde und nebenbei noch Futtermittelhändler, ist seit 1977 begeisterter Taubensportler. Seine größten Erfolge waren bislang zwei Titel als Meister der Reisevereinigung Delbrück/Hövelhof. Und jetzt der London-Triumph. Elf Tiere hatte er beim Auflass im Stadtteil Bovington am Start. Von Salzkotten aus waren sie in einem Spezialfahrzeug mit weiteren sportlichen Artgenossen am Donnerstag vor dem Flug in Richtung Ärmelkanal aufgebrochen. Pro Taube wurden zehn Euro Startgebühr fällig. Der Züchter will kein Risiko eingehen Auf ihrem Rückflug hatten es die Tiere nicht immer leicht. "Sie mussten auf den ersten 200 Kilometern mit Gegenwind kämpfen, aber meine war wohl eins der mutigsten Tiere", sagt der stolze Züchter. Mit dem Rennen ihres Lebens hat Taube 1117 jetzt auch ihr Karriereende besiegelt: "Sie wird wohl direkt in die Zucht gehen", sagt Athens. Er will sie nicht mehr bei Wettflügen einsetzen, um sie nicht zu verlieren oder das Risiko einer Verletzung einzugehen. Das Tier soll von nun an lieber Nachkommen zur Welt bringen und damit neue Turbo-Tauben für den Athens-Stall hervorbringen. Ihren eigenen Wert hat sie deutlich erhöht, ein Preis von rund 3.000 Euro ist nicht illusorisch. Doch der 55-jährige Familienvater will sie eigentlich nicht verkaufen. 180 Tiere pflegt und trainiert Hans-Werner Athens derzeit. "Sie müssen zweimal täglich gefüttert werden, brauchen Impfungen und vor allem ihre Freiflüge", erläutert der Kenner. Noch immer sei nicht erforscht, weshalb Tauben zielsicher den Weg in ihre Heimat finden. Fest stehe immerhin, dass die täglichen freien Flüge rund um den heimischen Schlag die Sinne für eine sichere Heimkehr verstärken. Taube 1117 hat ihr Training jedenfalls überragend umgesetzt.

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