0
Am Hövelhofer Bahnhof warten morgens zahlreiche Schülerinnen und Schüler auf die Sennebahn nach Paderborn. - © Privat
Am Hövelhofer Bahnhof warten morgens zahlreiche Schülerinnen und Schüler auf die Sennebahn nach Paderborn. | © Privat

Hövelhof Hövelhofer Eltern von Fünftklässlern schlagen Alarm wegen Sennebahn

Wie das Smartphone bei ihnen jetzt den morgendlichen Rhythmus bestimmt.

Jens Reddeker
03.10.2019 | Stand 03.10.2019, 08:13 Uhr

Hövelhof. Einen Eltern-Albtraum durchleben Mütter und Väter derzeit in Hövelhof. Der Grund sind die Bedingungen, unter denen Kinder der fünften Klasse fast täglich mit der Nordwestbahn zu Paderborner Schulen fahren. Zu voll, zu spät, zu gefährlich - Eltern und Kinder sind mächtig sauer darüber, was sich am Bahnsteig und in den Wagen des Sennebahn-Frühzugs in Richtung Domstadt abspielt. "Kinder haben mittlerweile Angst, mit dem Zug zu fahren", sagt eine Mutter, die nun selbst fast täglich frühmorgens mit zum Bahnsteig kommt, um auf Nummer sicher zu gehen. Und die Sorge wächst, denn die nächste unkalkulierbare Phase steht bevor. Wie die Neue Westfälische berichtete, soll wegen der Umbaumaßnahmen am Haltepunkt Kasseler Tor in Paderborn die Sennebahn vom 14. Oktober an - dem ersten Tag der Herbstferien - nur noch bis zum Nordbahnhof verkehren. Wie lange genau die Streckensperrung dauert, soll am Freitag, 11. Oktober, bekannt gemacht werden, wie es vom Netzbetreiber Deutsche Bahn heißt. Ihr neuer Lebensabschnitt in der weiterführenden Schule begann für die Fünftklässler nach den Sommerferien schon schlechtestmöglich. Gleich am ersten Schultag Ende August ist um kurz nach sieben Uhr ein viel zu kleiner Zug am Hövelhofer Bahnhof vorgefahren. So schildert es Mutter Anja Wolf, die ihre Tocher an den ersten drei Tagen auf der Fahrt begleitet hat und selbst Platzangst spürte. Die Folge des Raummangels: Drängeleien, Aufregung - und am Ende hätten rund 20 Schülerinnen und Schüler nicht mehr in den Wagen gepasst, wie Wolf sagt. "Es kann doch nicht sein, dass so etwas nicht geplant wird", ist die Hövelhoferin außer sich darüber, dass das Bahnunternehmen auf den ersten Schultag nach den Sommerferien offenbar nicht vorbereitet war. An den ersten fünf Schultagen sei ihre Tochter wegen des Zuges dreimal zu spät zum Unterricht gekommen. Immerhin: die Schulen wissen Bescheid. Ärger gibt es dort noch nicht für die Kinder. Ab viertel vor sechs ständig am Smartphone Die beengten Platzverhältnisse sind laut Wolf noch immer an der Tagesordnung: "Meine Tochter muss morgens nach wie vor oft stehen. Es ist immer ein Geschiebe und immer ein Kampf." Und der Kampf beginnt für die Eltern schon morgens am Smartphone. "Ab viertel vor sechs schaue ich immer nach, welche Verspätungen die Züge haben", sagt Anja Wolf. Eigentlich nehmen die meisten Schüler die Bahn um 7.07 Uhr ab Hövelhof, doch manchmal wird daheim ruckzuck umdisponiert. "Wenn wir sehen, dass der Zug davor eine Verspätung hat, hetzen wir zum Bahnhof, um den zu bekommen." So kann zumindest die drohende Verspätung des regulären Zuges umgangen werden. Alltag auf der eingleisigen Sennebahn. Die Nordwestbahn, deren Züge auf der Strecke der Sennebahn verkehren, verweist gegenüber Eltern und auf Anfrage der NW darauf, dass aktuell Züge fehlen, weil sie sich in einer alle acht Jahre notwendigen Hauptuntersuchung befänden. Sprecherin Karin Punghorst erklärt: "Dadurch kommt es zu Reduzierung der Kapazitäten. Das für die Untersuchung zuständige Partnerunternehmen ist leider in Verzug geraten. Das war so nicht geplant. Wir können uns nur entschuldigen und um Verständnis bitten." Offen lässt sie, wann Besserung naht: "Es wird noch etwas dauern." Aussagen zur Pünktlichkeit will die Nordwestbahn nachreichen. In einer E-Mail an Hövelhofer Eltern heißt es, die vorhandenen Fahrzeuge müssten den Fahrplan erfüllen, andernfalls würden Fahrten ausfallen. Solche Erklärungen der Kundenbetreuung lösen bei Müttern und Vätern Kopfschütteln aus. "Man hat ja fast das Gefühl, dass man sich erst vor den Zug werfen muss, damit mal einer zuhört", ärgert sich Wolf. Und eine andere Mutter sagt: "Wenn aus der Politik propagiert wird, dass die Züge genutzt werden sollen, dann muss das System auch funktionieren." Und auch die Hoffnung auf Besserung durch die Nordwestbahn ist nicht gerade groß. Zwar sind laut Eltern fünf Wochen nach Schuljahresbeginn positive Tendenzen bei Kapazitäten und Pünktlichkeiten zu sehen, doch Kinder kämen weiter zu spät zum Unterricht - und das als Neulinge an weiterführenden Schulen.

realisiert durch evolver group