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Staut Autos und Lkw auf der Schlossstraße: Die Fußgängerampel vor dem Hövelhofer Rathaus. - © Jens Reddeker
Staut Autos und Lkw auf der Schlossstraße: Die Fußgängerampel vor dem Hövelhofer Rathaus. | © Jens Reddeker

Hövelhof Erster Schritt zu einer Ortsumgehung für Hövelhof

Die Geschichte vom Ende des Staus

Karl Finke
08.05.2018 | Stand 08.05.2018, 11:34 Uhr

Hövelhof. Udo Neisens (CDU) erzählt gern Geschichten. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderates begibt sich der Vorsitzende der Mehrheitsfraktion zurück zu den „Vorvätern". Das soll 1975 gewesen sein: „Als Hövelhof selbstständig wurde." In mehr oder weniger vielen Jahren danach, Neisens muss noch recht jung gewesen sein, fiel sein Blick im Rathaus auf eine „auf Holz gespannte Karte". Dieser erste Flächennutzungsplan zeigte ihm, „eine große rote Straße zwischen der Gütersloher Straße und . . ." Die alte Geschichte hat Neisens jetzt als immer noch gute „Westtangente" neu ins Spiel gebracht. Eine Umgehungsstraße als Lösung bei „mehr und mehr Verkehr" in der Sennegemeinde und dem „Flaschenhals Schlossstraße". Damals habe die neue Autobahn 33 andere Prioritäten gesetzt. Die neue schwarz-gelbe Landesregierung sei jetzt wieder „ein Gesprächspartner, der sich für das Thema öffnet", so der Erzähler zu den persönlichen Hövelhofer CDU-Kontakten nach Düsseldorf. Zustimmung 
kommt selbst 
von den Grünen Diese Art von Vergangenheitsbewältigung der 1970er Jahre vermochte Jörn Achtelik von den Grünen gruselig gefallen: „Grandios, das Jahrhundert des Automobils wird ausgegraben. Aber wir sind im Jahr 2018." Mehr Straßen würden auch mehr Autoverkehr erzeugen – und die Konkurrenz für andere Verkehrsmittel verstärken. Richtung Gütersloh gebe es „noch mehr Nadelöhre" als Hövelhof, gab er zu bedenken. Die Verkehrslast in der Durchfahrt der Sennegemeinde muss enorm sein, da selbst für den grünen Fraktionsvorsitzenden Jörg Schlüter als letzter Lösungsweg („Ultima Ratio") die Vision von einer Tangente Zustimmung fand. Da sich auch die SPD für das Thema öffnete, sprach CDU-Erzähler Neisens später erfreut vom „politischen Frühling". Schließlich erwärmte sich die FDP wenn schon nicht für eine West-Tangente so doch für eine „generelle Ortsumgehung" – ohne Hinweise auf andere Nord- oder Südrichtungen (im Osten liegt die A 33). Geerdet hat die große Geschichte der sozialdemokratische Fraktionsvorsitzende Mario Schäfer, der anstelle einer neuen Straße die Fußgängerampel in der Schlossstraße ins Blickfeld rückte. Deren Schaltung könne von der Verwaltung optimiert werden, „um den Verkehr flüssiger laufen zu lassen". Den aus der Diskussion entwickelten gemeinsamen Antrag aller Fraktionen ordnete der geschichtskundige Neisens als „historisch" ein. Allein den Grünen gelang es nicht, die Gemeinsamkeiten für eine intelligente Ampelschaltung auf eine „Bevorzugung der Fußgänger und Radfahrer" zu erweitern. „Für einen gleichmäßigen Verkehr sind alle Verkehrsteilnehmer gleich wichtig", so Schäfers’ SPD-Absage. Ob die politischen Gedankenspiele in Hövelhof ein Märchen bleiben oder ob sie womöglich in zehn oder 20 Jahren Früchte tragen? Über das Ende seiner Geschichte sagt auch Neisens: „Wir wissen es nicht." Die Enkelgeneration des CDU-Manns wird die Sage neu erzählen. Kommentar: Ein ländliches Verkehrsparadies Der Ruf nach einer Ortsumgehung in Hövelhof ist verständlich – zumindest wenn der Rufer als Betroffener regelmäßig am späten Nachmittag auf der Gütersloher Straße in Richtung Ortskern unterwegs ist. Ansonsten mutet das Verlangen nach einem solchen Millionenprojekt wie das Schießen mit Kanonen auf Spatzen an. Ja, auch in der Sennegemeinde müssen sich Autofahrer zu bestimmten Tageszeiten in Geduld üben, doch sind diese Minuten bei weitem nicht vergleichbar mit dem täglichen Staukollaps andernorts in NRW. Wie alle Menschen im Kreis Paderborn leben auch die Hövelhofer im Vergleich mit den Ballungsräumen des Ruhrgebiets oder der Rheinmetropolen in einem ländlichen Verkehrsparadies. Obendrein sind sie in der Sennegemeinde an eine gut funktionierende Bahnstrecke angebunden und können ihren Ort bequem und flach per Rad durchqueren. Hinzu kommt: Bis eine Umgehungsstraße mal konkret zur Debatte steht, hat sich der Individualverkehr von heute vielleicht schon selbst überholt. Kontakt zum Autor:

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