0
Aus einem der Gebäude der Notunterkunft in Staumühle dringt Rauch. - © Marc Köppelmann
Aus einem der Gebäude der Notunterkunft in Staumühle dringt Rauch. | © Marc Köppelmann

Hövelhof Feuer in Notunterkunft Staumühle: Haftbefehl gegen drei Bewohner beantragt

Feuerwehr und Polizei im Großeinsatz, letztere ermittelt nun

Ralph Meyer
06.01.2017 | Stand 06.01.2017, 16:56 Uhr |

Hövelhof. Nach dem Brand mit zahlreichen Verletzten in der Flüchtlingsunterkunft Staumühle sind fünf Bewohner vorübergehend festgenommen worden. Zwei von ihnen wurden wegen mangelnden Tatverdachts mittlerweile wieder auf freien Fuß gesetzt, die anderen drei 20- und 21-Jährigen dagegen sind dringend verdächtig, vorsätzlich Feuer gelegt zu haben. Anlass dazu soll die Unzufriedenheit der drei Asylbewerber mit ihrer Unterbringungssituation in der Einrichtung gewesen sein, heißt es von der Polizei und Staatsanwaltschaft. Die Männer waren am Donnerstagabend vorläufig festgenommen worden. Am Freitagnachmittag beantragte die Staatsanwaltschaft Paderborn beim Amtsgericht den Erlass eines Haftbefehls wegen besonders schwerer Brandstiftung. Nur zwei Tage nach den Tumulten in der Unterkunft, an denen nach Polizeiangaben rund 60 bis 80 Zuwanderer beteiligt waren, hatten am Donnerstagnachmittag zwei Baracken im Lager in Flammen gestanden. Sie waren mit 16 Flüchtlingen belegt. Ein Gebäude mit mehreren Wohneinheiten brannte vollständig aus. Durch die starke Rauchentwicklung zogen sich nach derzeitigem Erkenntnisstand 57 Personen, darunter auch Mitarbeiter des Sicherheitspersonals, Reizungen der Atemwege und Rauchgasvergiftungen zu. Davon konnten 27 Menschen nach ambulanter Behandlung vor Ort entlassen werden. 30 Personen wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht, von denen 25 nach ambulanter Behandlung noch am Nachmittag entlassen werden konnten. Mindestens eine Person wurde schwer verletzt, so die Polizei. Zunächst übernahm der Staatsschutz der Polizei Bielefeld die Ermittlungen von der Polizei Paderborn. Seit Donnerstagabend ist eine Ermittlungskommission der Polizei Bielefeld unter Leitung von Kriminalhauptkommissar Jürgen Kollien mit Unterstützung der Polizei Paderborn eingesetzt. Ein Brandsachverständiger hat am Freitag den Brandort begutachtet und bestätigt, dass das Feuer an dem Ort gelegt worden ist, wo sich nach den bisherigen Ermittlungen die beschuldigten Männer zur Tatzeit aufgehalten haben. Die Ermittlungen dauern an. Der Brand in einer der Unterkunftsbaracken brach gegen 15.15 Uhr aus. Die Holzbauweise bot den Flammen reichlich Nahrung. Innerhalb von wenigen Minuten stand trotz sofortiger Löschversuche des Sicherheitspersonals und der Malteser die beiden Baracken in Vollbrand. Lediglich eine Brandschutzmauer verhinderte eine weitere Ausbreitung der Flammen. Um 15.20 Uhr alarmierte die Leitstelle der Feuerwehr in Büren-Ahden per Sirene und Meldeempfänger die Feuerwehr Hövelhof. Sofort rückte auch der britische Defence Fire and Rescue Service nach Staumühle aus. Unterstützend wurden auch Kräfte des Löschzugs Schloß Neuhaus der Feuerwehr Paderborn und die Feuerwehr aus Bad Lippspringe alarmiert. Insgesamt waren 110 Einsatzkräfte der Feuerwehren und 90 des Rettungsdienstes im Einsatz. Wegen der großen Zahl an betroffenen Patienten gab die Leitstelle des Kreises um 15.44 Alarm für den Leitenden Notarzt. Sechs Minuten später lösten die Leitstelle auch das Alarmstichwort „Massenanfall an Verletzten" aus. Zur Versorgung und medizinischen Abklärung der Verletzten rückten 23 Rettungswagen aus den Kreisen Paderborn und Gütersloh sowie der Stadt Bielefeld in die Senne aus. Die Paderborner Feuerwehr steuerte allein vier Rettungswagen bei. Notfallseelsorger kümmerten sich um die betroffenen Bewohner. In Staumühle waren am Donnerstag nach Mitteilung der Bezirksregierung 497 Flüchtlinge untergebracht, die überwiegend vom Westbalkan stammen. Eine Evakuierung des Lagers war nicht notwendig. Die Betroffenen können in anderen Bereichen des Lagers Platz finden. Nur die wenigsten Flüchtlinge aus Staumühle haben Aussicht auf ein erfolgreiches Asylverfahren. Die durchschnittliche Verweildauer in Staumühle liegt bei rund drei Monaten. Durch das untätige Warten und die beengten Wohnverhältnisse – acht Zuwanderer teilen sich eine Stube in den Feldhäusern – kommt es immer wieder zu Streit und körperlichen Auseinandersetzungen in Staumühle. Auch die isolierte Lage – zum nächsten Discounter sind es mehrere Kilometer Fußmarsch – und der häufige Schießlärm des angrenzenden Truppenübungsplatzes zehren an den Nerven der Bewohner. Die Bezirksregierung hat am Donnerstag angekündigt, dass in der Flüchtlingsunterkunft Staumühle mehr Sicherheitskräfte eingesetzt werden sollen. Detmold reagiert damit auch auf mehrere gewalttätige Konflikte in der Einrichtung in den vergangenen Monaten.

realisiert durch evolver group