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Auch wenn Noh Gourie nur noch zwei Finger bewegen kann, hält ihn das nicht davon ab Musik zu machen. Mit Hilfe des Computers komponiert er seine Songs. - © FOTO: Viktoria Bartsch
Auch wenn Noh Gourie nur noch zwei Finger bewegen kann, hält ihn das nicht davon ab Musik zu machen. Mit Hilfe des Computers komponiert er seine Songs. | © FOTO: Viktoria Bartsch

Hövelhof Diagnose Muskelschwund

Trotz schwerer Krankheit macht Noh Gourie erfolgreich Rapmusik

11.05.2014 | Stand 09.05.2014, 20:08 Uhr

Hövelhof. Mit der Diagnose Muskelschwund verändert sich für die Betroffenen das ganze Leben. Noh Gourie kann aufgrund der Krankheit nur noch zwei Finger bewegen - doch er strotzt vor Lebensenergie und macht Rapmusik.

"Was wäre wenn" heißt der Song von Noh Gourie, der mittlerweile über 5.000 Mal bei der Musikplattform Youtube angeklickt wurde. "Eines Tages saß ich in meinem Zimmer und habe mich gefragt, was würdest du tun, wenn du jetzt gesund wärst?", sagt der 24-jährige. "Und dann hab ich mir alles von der Seele geschrieben." In dem Song singt er unter anderem: "Was wäre wenn, wär ich gesund - diese Gedanken kreisen in meinem Kopf herum." Knapp eine Woche hat er an dem Titel gebastelt bis er schließlich fertig war.

Links zum Thema
https://www.youtube.com/watch?v=0Qh6OAyK_TA

Geboren ist Gourie in Syrien, kurz danach kam er mit seiner Familie nach Deutschland. Im Alter von fünf Jahren wurde die Krankheit bei ihm festgestellt.

"Es war damals gar nicht klar, ob es sich um Muskelschwund handelt", erklärt er. Doch die Symptome wurden eindeutiger: Er konnte nicht mehr richtig laufen, fiel oft hin - schließlich war er auf den Rollstuhl angewiesen. Mittlerweile ist die Krankheit so weit fortgeschritten, dass er nur noch zwei Finger bewegen kann. Rund um die Uhr ist er jetzt auf Hilfe angewiesen. Seit fünf Jahren lebt er in einem Altenheim in Hövelhof.

Doch jetzt plant er seinen Umzug in die erste eigene Wohnung: "Es war schön hier, aber jetzt wird es Zeit für etwas Neues." Wenn es gut läuft, zieht er noch in diesem Jahr um.

Auch sein Bruder leidet unter Muskelschwund und lebt in einer eigenen Wohnung. Ein anderer Bruder ist bereits an der Krankheit verstorben. Ob er Angst vor dem Tod hat? "Wenn ich ehrlich bin, habe ich keine Angst. Ich liebe das Leben zu sehr, um Angst zu haben. Außerdem hält Angst einem vom Leben ab."

Noh Gourie ist eine Kämpfernatur. Für ihn sei die Krankheit nicht so schlimm, sagt er. Er wünsche sich nur, nicht auf den Rollstuhl reduziert zu werden. "Mein Leben ist schön, ich brauche kein Mitleid", erklärt er.

Aus der Musik zieht Gourie Kraft: "Musik ist für mich Therapie, sie bedeutet mir eine ganze Menge." Rap ist seine große Leidenschaft. Oft sitzt er abends am Computer und sucht nach passenden Beats und schreibt Texte. Inspiration hierfür bekommt er aus dem täglichen Leben.

An mehreren Musikprojekten hat er bereits mitgearbeitet und ein weiterer Song "Meine Story" ist auch schon fertig - nur das passende Musikvideo fehlt noch. "Mein Traum ist es, einmal mit einem bekannten Künstler zusammenzuarbeiten", erklärt er weiter.

"Was wäre wenn" heißt der Titel mit dem er zur Zeit im Internet erfolgreich ist. Was er als erstes tun würde, wenn er gesund wäre? "Aufstehen und meine Mutter in den Arm nehmen", sagt Gourie.

Zu sehen ist das Video zu "Was wäre wenn" von Noh Gourie unter www.nw-news.de.

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