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Im Schatten der historischen Kirche: Pizzabäcker Michele Abbenante ist Delbrücks Prinz Karneval. Mit seiner Frau Martina steuert er den Höhepunkten der fünften Jahreszeit entgegen. - © Regina Brucksch
Im Schatten der historischen Kirche: Pizzabäcker Michele Abbenante ist Delbrücks Prinz Karneval. Mit seiner Frau Martina steuert er den Höhepunkten der fünften Jahreszeit entgegen. | © Regina Brucksch

Delbrück Delbrücks bekannter Pizzabäcker ist jetzt im närrischen Ausnahmezustand

Martina und Michele I. Abbenante freuen sich auf den Höhepunkt der fünften Jahreszeit in Delbrück. Auf das Prinzenpaar warten zahlreiche Herausforderungen.

Regina Brucksch
27.02.2019 | Stand 27.02.2019, 15:11 Uhr

Delbrück. „Olala willst du eine Pizza" intonierte die Stadtkapelle spontan das passende Prinzenlied für Michele I. Abbenante. Seit seiner Proklamation am Samstagabend befindet sich „der kleine Italiener aus der Kirchstraße" im närrischen Ausnahmezustand. Nahezu alle Delbrücker kennen den neuen Repräsentanten der „Eintracht" von 1832 als erfolgreichen Gastronomen, der im Schatten der historischen Kirche seine Pizzeria betreibt. Die Herzen der Jecken fliegen dem Delbrücker Jungen nur so zu. Er setzt dem Frohsinn mit seinem südländischen Charme das i-Tüpfelchen auf. Reitstunden für den Rathaussturm Am Montagabend waren gut 800 Närrinnen beim Frauenbund-Karneval in der Stadthalle total aus dem Häuschen, als er sogar Qualitäten als Sänger bewies und sie mit seinem Prinzenlied, „Marina Marina" und "Volare Cantare" von den Stühlen riss. „Ich bin überhaupt nicht nervös, wenn ich auf die Bühne gehe. Das Reiten ist für mich viel aufregender. Am Dienstag saß ich zum ersten Mal in meinem Leben auf einem Pferd. Als Delbrücker Prinz stürme ich am Rosenmontag hoch zu Ross das Rathaus", blickt er der Herausforderung nach der ersten Übungsstunde mit Stefan Beringmeier schon etwas gelassener entgegen. Vom "Eintracht"-Kommando überrumpelt „Wir fühlen uns geehrt", freut sich auch seine Frau Martina auf den Höhepunkt der fünften Jahreszeit. Neben ihrem Vollzeitjob unterstützt sie ihren Mann im Laden. Die beiden berichten vom Tag der Entscheidung am 3. Januar. Dienstags hätten sie Ruhetag. Abends um 20.30 Uhr habe Präsident Peter Hartmann angerufen und gesagt, er wolle ein Buffet für den Geburtstag seines Vaters Reinhold besprechen. Trotz ihrer Einwände, man könne das doch später machen, sei er zwei Minuten später an der Tür gewesen. Ziemlich überrumpelt seien sie seinem Kommando „mitkommen" gefolgt. Unten im Auto habe der Eintracht-Vorsitzende Peter Josephs am Steuer gesessen. „Wir mussten uns ducken und wurden schnell ins Haus von Ehrenpräsident Reinhold Hartmann geführt", schmunzelt Michele und ergänzt: „Bei der Fahrt kam mir bereits die Idee, dass die berüchtigte Viererbande mich ausgeguckt hat." Im Wohnzimmer von Reinhold Hartmann vor der Weihnachtskrippe warteten der Hausherr, der Ehrenvorsitzende Wigbert Rath und Philipp Fecke. Der junge Elferrat Fecke ist neuer Prinzenbetreuer bei der Eintracht. Martina Abbenante blickt zurück: „Wir haben uns gefreut und waren gleichzeitig erschrocken. Wir fragten uns natürlich, wie wir das mit dem Laden schaffen sollen?" Danach kamen die große Geheimnistuerei und erschreckende Momente, wenn sie glaubten, jemand könne sie durchschauen. Karnevalistische Speisekarte soll kommen Inzwischen überwiegen die tollen Erlebnisse. Am Sonntagmorgen kamen 150 Leute zum Gratulieren. Zum Aufhängen des Eintracht-Banners organsierten Feuerwehrmänner einen Hubsteiger und schenkten dem Prinzen in 34 Metern Höhe einen grandiosen Blick über seine Stadt. „Gemeinsam haben wir überlegt, wie ich meine Freunde und viele Delbrücker, die ich von klein auf kenne, mit meinen Auftritten gut unterhalten kann", schaut der Regent seine Martina lächelnd an. Bisher ist ihm das hervorragend gelungen. „Wir stellen gerade eine karnevalistische Speisekarte zusammen", lässt sich das Paart gern vom jecken Virus anstecken. In der Geschichte des ältesten und mitgliederstärksten Karnevalsvereins in Westfalen hat zum ersten Mal ein Italiener den Narrenthron bestiegen. „Mein Opa Serafino gehörte im Delbrücker Land zu den ersten Gastarbeitern. Er hat in Anreppen gewohnt und gearbeitet. Meine Verwandten hier und in Kalabrien sind sehr stolz auf meine Prinzenwürde, allen voran meine Mutter Maria", freut sich der 38-Jährige über viele Gratulanten.

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