Imkerin und Imker-Ausbilderin: Simone Volkmann aus Sande mit ihrem Sohn Matthias. - © Jens Reddeker
Imkerin und Imker-Ausbilderin: Simone Volkmann aus Sande mit ihrem Sohn Matthias. | © Jens Reddeker

Kreis Paderborn Honig im Kopf: Diese Paderbornerin bildet Imker-Nachwuchs aus

Simone Volkmann erklärt, warum die Handwerksware meist fest statt flüssig ist, und was Anfänger mit einer Ernte verdienen können

Jens Reddeker
03.02.2019 | Stand 03.02.2019, 12:37 Uhr

Kreis Paderborn. Deutsche essen gerne Honig, aber zu wenige Deutsche sind Imker. Damit die Honigproduktion zumindest im Kreis Paderborn zunimmt, gibt Simone Volkmann aus Sande seit zehn Jahren Kurse für angehende Hobby-Imker. Die Teilnehmer melden sich an, weil sie Honig mögen, ein neues Hobby suchen - und der ein oder andere auch, weil sich ein kleiner Nebenverdienst ergibt. Volkmanns nächster Kursus beginnt am 16. März in der Biologischen Station Kreis Paderborn in Ostenland. Das Besondere daran: Die angehenden Imker können auch den "Fachkundenachweis Honig" erwerben. Das ist die Lizenz, um das eigene Bienen-Erzeugnis sogar mit offiziellen Gläsern und Etiketten des Deutschen Imkerbundes verkaufen zu dürfen. Insgesamt sind über sechs Monate acht Termine mit der von der Landwirtschaftskammer ausgebildeten Schulungsreferentin angesetzt. Vor dem Start muss erstmal investiert werden Sechs Euro kosten 500 Gramm von Simone Volkmanns Honig, 50 Cent zahlt ein Kunde fürs Pfandglas obendrauf. Wer selber Honig verkaufen will, muss vor dem Start ins Imker-Leben erstmal investieren: 180 Euro kostet der Kursus, ein Bienenvolk etwa 50 bis 100 Euro, jedes Volk wird in einer so genannten "Beute" untergebracht - diese Kisten schlagen mit 150 Euro zu Buche. Notwendig ist noch Zubehör für mindestens 50 Euro. Der Start mit einem Bienenvolk kostet also mindestens 430 Euro, eine Mitgliedschaft im Imkerverein kommt noch dazu, sie hat neben der fachlichen Beratung den Vorteil, dass sich Vereinsmitglieder zum ernten dort eine Honigschleuder ausleihen können. Ein Volk mit Rekordergebnis Die Erntemenge ist jedes Jahr aufs Neue eine Überraschung. "Als Durchschnitt wird pro Volk derzeit mit 25 Kilogramm Honig pro Jahr kalkuliert", sagt Volkmann. Wenn die Bienen bei gutem Wetter abwechslungsreiche ungespritzte Nahrung in der Natur finden, kann der Ertrag auch deutlich wachsen. "Mein Rekordergebnis waren mal 90 Kilogramm von einem Volk." Würde ein Imker aus dieser Ernte alle Gläser zum Preis von sechs Euro verkaufen, kämen stolze 1.080 Euro zusammen. Anfängern rät Volkmann, zunächst Marketing fürs eigene Produkt zu betreiben: "Den ersten Honig sollte man verschenken. Nachbarn und Freunde können auch mal zugucken und Honig direkt aus der Wabe probieren. So erfahren sie, was da entsteht." Wenn die Nachfrage geweckt sei, sagt die Imker-Lehrerin, kämen so manche Genießer gerne wieder. Ihre jährlichen Kurse besuche mittlerweile ein sehr gemischtes Publikum, sagt die 44-Jährige. "Imkern ist kein Männerhobby mehr. Es sind viele Frauen dabei und es kommen sogar Familien. Für Eltern und Kinder können die Bienen eine gemeinsame Beschäftigung sein." Im Hause Volkmann hilft auch der elfjährige Sohn Matthias gerne mit. Massenware ist flüssig Und wenn sich Klein und Groß mit Bienen befassen, schauen im Supermarkt auch alle genauer auf die Produkte der Industrie. Dann fällt auf: Im Vergleich zum überwiegenden Teil des Imkerhonigs ist die Massenware flüssig. "Viele Leute wollen das so", weiß Imkerin Volkmann. Sie klärt aber auf: "Jeder normale Honig, der nicht behandelt worden ist, wird fest. Denn der Zucker kristallisiert." Flüssig blieben nur Wald- und Akazienhonig. Da deutscher Honig laut Volkmann nur zu 20 Prozent den heimischen Bedarf deckt, muss die Industrie innerhalb und außerhalb der EU zukaufen. "Ich bin mir nicht sicher, wie der zugekaufte Honig behandelt wird und welche Medikamente für Bienen im Ausland zulässig sind", sagt die Fachfrau. Gegen die für Bienen schädliche Varroa-Milbe arbeitet sie zwar auch mit Mittelchen, doch nutzt sie nach eigenen Worten zur Bekämpfung "nur organische Säuren, die auch im Honig enthalten sind". Schließlich soll das Produkt am Ende vor allem schmecken - auch der Imkerin. Simone Volkmann liebt ihren Honig in der klassischsten aller Varianten: "Auf einem frischen Brötchen mit dick Butter drunter." Kurse starten immer samstags Der Anfängerkursus für Imker findet zwischen dem 16. März und dem 14. September an acht Terminen samstags von 9 bis 15 Uhr statt. Die theoretischen Schulungen finden in der Biologischen Station Kreis Paderborn, Birkenallee 2, in Ostenland statt.  Später wird anhand der Bienenvölker von diversen Imkern gelernt. Es sind noch Plätze frei im 2019er Kursus. Informationen und Anmeldung bei Simone Volkmann unter E-Mail biene@imkerschulung.de oder Tel. (01 52) 02 09 00 73.

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