Der Microlino wurde in der Schweiz und Italien entwickelt - und jetzt in Delbrück produziert. - © Micro Mobility Systems
Der Microlino wurde in der Schweiz und Italien entwickelt - und jetzt in Delbrück produziert. | © Micro Mobility Systems

Delbrück Artega fertigt E-Autos künftig in Delbrück selbst

Automobilhersteller will 10.000 "Microlino" für italienische Tochterfirma herstellen und 50 neue Arbeitsplätze schaffen

Björn Vahle

Delbrück. Der Automobilhersteller Artega wird ab Januar 2019 das E-Auto "Microlino" serienmäßig in Delbrück produzieren. Das hat das Unternehmen am Dienstag mitgeteilt. Entwickelt wurde das Modell, dessen Design an die Kabinenroller der 50er-Jahre erinnert, von Micro Mobility Systems AG aus der Schweiz, das den Zweisitzer zusammen mit der Tecno Meccanica Imola (TMI) aus Italien entwickelt hat. Artega hat TMI im November vollständig erworben. Produziert wird der Microlino in einer neuen 3.000 Quadratmeter großen Halle in Delbrück-Hagen. Die zunächst vorgesehene Produktionskapazität beträgt nach Unternehmensangaben 8.000 Fahrzeuge pro Jahr. Das tatsächliche Volumen müsse abgewartet werden, sagt Klaus Dieter Frers, Geschäftsführer der Artega GmbH. Insgesamt wird Artega rund drei Millionen Euro in Produktionsgebäude und Produktionslinien investieren und rund 50 neue Arbeitsplätze in Delbrück schaffen. „Die Zukunft der Mobilität in Großstädten ist elektrisch", sagt Frers. „Für uns ist die Fertigung des Microlinos der ideale Einstieg in diesen attraktiven Markt." Man habe bereits 2014 mit dem Elektromodell Scalo des Artega-Sportwagens erste Erfahrungen gesammelt. "Da ist man dann in ganz anderen Sphären unterwegs", sagt Frers. Letztlich sei man auf den Microlino aufmerksam geworden (Frers: "Ich habe mich in ihn verguckt"), deshalb auch der Kauf von TMI. Und wie passt das zu den bisher produzierten Sportwagen, die auf eine ganz andere Käuferschicht zielen? "Natürlich verschieben sich dadurch die Schwerpunkte bei Artega", sagt Frers, der nach eigener Aussage schon länger die Idee hatte, "etwas Massentaugliches zu machen". Er sieht die kleinen Stadtflitzer als "Ergänzung" im Produktportfolio von Artega. Denn: "Im Stadtverkehr brauchen Sie ja gar keinen Verbrennungsmotor." Aufgeladen in sechs Stunden Der Microlino ist mit einer Länge von lediglich 2,40 Meter und einer Breite von 1,50 Meter sowie seinem Frontausstieg insbesondere auf den Stadtverkehr ausgerichtet. Mit einer Reichweite von 125 Kilometer (kleine Batterie) beziehungsweise 200 Kilometer (große Batterie) übertreffe der Microlino die Reichweite vergleichbarer E-Kleinwagenmodelle. Über einen gewöhnlichen Haushaltsstecker lasse sich die Batterie in sechs Stunden aufladen. Mit einem Typ 2-Ladestecker verkürze sich die Ladezeit auf lediglich eine Stunde. Der Preis für den Microlino beginnt bei 12.000 Euro und ist damit laut Artega geringer als der Preis ähnlicher E-Kleinwagenmodelle. Es gebe bereits 10.000 Vorbestellungen, zwei Drittel davon kämen aus dem deutschsprachigen Raum sowie Italien. Artega und Micro schließen außerdem weitere Möglichkeiten der Zusammenarbeit nicht aus. Es böten sich vor allem die Zulieferung von Fahrzeugkomponenten durch den Automobilzulieferer Paragon und dessen Tochtergesellschaft Voltabox im Rahmen der weiteren Entwicklung an. Aktuell seien noch keine Delbrücker Komponenten im Microlino verbaut, das Produkt sei allerdings auch noch nicht komplett fertig entwickelt.

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