Im Keller: Thomas Kraft neben dem Hauptverteiler des Mehrfamilienhauses. Seine Tochter hat den Vodafone-Vertrag inzwischen storniert und einen neuen bei der Telekom abgeschlossen. Sie hofft nun auf einen zuverlässigen Telekom-Techniker. - © Regina Brucksch
Im Keller: Thomas Kraft neben dem Hauptverteiler des Mehrfamilienhauses. Seine Tochter hat den Vodafone-Vertrag inzwischen storniert und einen neuen bei der Telekom abgeschlossen. Sie hofft nun auf einen zuverlässigen Telekom-Techniker. | © Regina Brucksch

Delbrück Ohne Internet: Langes warten auf Telekom-Techniker

Vater Thomas Kraft zeigt sich fassungslos

Regina Brucksch

Delbrück. Anfang August hat die 20-jährige Tochter von Thomas Kraft eine kleine Dachgeschosswohnung in Delbrück-Mitte bezogen und ihre Ausbildung zur Tiermedizinischen Fachangestellten begonnen. Die Familie wohnt in Staufenberg bei Kassel. Die Berufseinsteigerin ist Fan von Vodafone. Vier Wochen vor ihrem Umzug unterschrieb sie bei dem Netzanbieter einen Vertrag für einen Telefon- und Internetanschluss in Delbrück. Online ist sie bis heute nicht. Ihr Vater zeigt sich fassungslos darüber, wie mit vereinbarten Terminen und dem Geld potenzieller Kunden umgegangen wird. Im Gespräch mit der NW äußert er seine Vermutung: "Es sieht ganz danach aus, als ob die Telekom-Techniker andere Provider massiv stören. Somit ist aus meiner Sicht der Wettbewerb zum Nachteil der Kunden eingeschränkt." Vodafone-Pressesprecher Tobias Krzossa bestätigte gegenüber der NW: "Solche Fälle ärgern uns auch. Wir sind auf die Telekom angewiesen, weil wir ihre Leitungen angemietet haben. Wir versuchen immer wieder, unsere Ansprüche voran zu treiben." Im Fall der jungen Delbrückerin kündigte er an: "Wir kümmern uns noch einmal um einen Termin, am dem die Kundin zuhause sein kann." Doch auch daraus wurde nichts. Am Dienstag erreichte Kraft ein Anruf von Vodafone. Eine verbindliche Terminzusage mit einem Techniker könne man nicht machen, so die Auskunft. "Am 3. September soll es nun endlich klappen" Thomas Nitschke, Vodafone-Verkaufsspezialist beim Media Markt in Kassel, stellte der Tochter und ihrem Vater Anfang Juli das günstige Vodafone-Angebot vor. Dort hatte Thomas Kraft im Auftrag seiner Tochter inzwischen die Stornierung beantragt. Er erklärte abschließend: "Herr Nitschke hat uns bestätigt, dass Vodafone keinen positiven Einfluss auf die Zuverlässigkeit der Telekom-Techniker ausüben kann. Er ist der Meinung, die terminlichen Ungereimtheiten würden sehr häufig passieren. Im Zuge der Absage von gestern hat Vodafone die Stornierung bestätigt und abends haben wir dann einen Vertrag mit der Telekom abgeschlossen. Am 3. September soll es nun endlich klappen." Was hat die junge Auszubildende erlebt? Im Vertrag war als Fixtermin für den Anschluss die Zeit von 12 bis 17 Uhr am 30. Juli vermerkt. Dieser Termin wurde ihr in einem Willkommensbrief von Vodafone am 9. Juli bestätigt. Ihr Vater war am diesem Tag in Delbrück, um sie bei letzten Arbeiten in der Wohnung zu unterstützen. Als er im Baumarkt etwas besorgte, rief ihn seine Tochter um 11.15 Uhr an. Der Telekom-Techniker sei gerade da gewesen. Die Vermieterin habe pünktlich den Kellerraum, in dem sich der Hauptverteiler befindet, aufschließen wollen, aber der Mann habe nicht bis 12 Uhr gewartet. Die Tochter rief bei Vodafone an und fragte, ob er später noch einmal kommen würde. Sie erhielt eine Nachricht auf ihrem Handy mit einer neuen Terminvereinbarung eine Woche später erneut zwischen 12 und 17 Uhr. Weil sie arbeiten musste, reiste Thomas Kraft aus Staufenberg an. Er war ab 11 Uhr in der Wohnung. Doch es klingelte kein Techniker und am frühen Nachmittag erhielt seine Tochter erneut eine Nachricht, dass der Anschluss nicht geschaltet werden konnte, weil niemand da gewesen wäre. "Unsere Geduld war am Ende" Der Vater geht davon aus, dass gar kein Techniker erschienen ist. Der neue dritte Termin war der 15. August, von 12 bis 17 Uhr. Diesmal fuhr Kraft mit seiner Frau und weiteren Familienangehörigen nach Delbrück. Seine Tochter musste ab 14.30 Uhr ihre Arbeit antreten. Ab 11 Uhr hat dies mal sogar jemand draußen vor dem Eingang des Mehrfamilienhauses gesessen, was andere Mieter auch bezeugen können. Wieder kam statt eines Technikers die Nachricht, dass der Anschluss nicht geschaltet werden konnte, weil keiner angetroffen wurde. "Über den vierten Termin wieder eine Woche später konnten wir nur noch die Köpfe schütteln. Unsere Geduld war am Ende. Wir haben es aufgegeben", ist Kraft immer noch entsetzt. Gleich nach dem ersten gescheiterten Versuch am 31. Juli schrieb er Briefe an Vodafone und an die Bundesnetzagentur. Für ihn ist das Ganze ungeheuerlich, denn er bleibt ja auch auf unnötigen Kosten sitzen: "Die Aktion hat mich drei Urlaubstage und 690 gefahrene Kilometer gekostet. Am Schlimmsten ist allerdings, dass meine Tochter immer noch keinen Internetzugang für ihren Computer hat. Das beeinträchtigt ihren Start ins Berufsleben."

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