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Sichtlich stolz: (v. l.) Meinolf Protte, Heimatforscher und Sammler, und Ulrich Vogt, Buchautor, präsentieren ihr Werk. - © Regina Brucksch
Sichtlich stolz: (v. l.) Meinolf Protte, Heimatforscher und Sammler, und Ulrich Vogt, Buchautor, präsentieren ihr Werk. | © Regina Brucksch

Delbrück Paderborner erschaffen besonderen Goethe-Bildband

Autor Ulrich Vogt und Sammler Meinolf Protte zeigen den Dichter, wie ihn die Öffentlichkeit noch nie gesehen hat

09.04.2016 | Stand 09.04.2016, 22:46 Uhr

Delbrück. "Goethe-Bilder auf. . . Postkarten, Briefmarken, Geldscheinen, Sammelbildern, Stereofotos, Bierdeckeln" lautet der Titel eines Prachtbandes, der in Olms Verlag erschienen ist. Der Sachbuchautor Ulrich Vogt aus Paderborn hat die Sammlung seines Schwagers, des Heimatforschers Meinolf Protte aus Delbrück, mit persönlichem Engagement erweitert. In der übersichtlich gegliederten Veröffentlichung beschreibt der ehemalige Kunsterzieher insgesamt 1.511 ausgesuchte Illustrationen und ergänzt sie mit Wissenswertem. Die beiden Männer stellen den bekanntesten deutschen Dichter Johann Wolfgang von Goethe so dar, wie ihn die Öffentlichkeit noch nie gesehen hat. Bei der Vorstellung ihrer Neuerscheinung berichten sie schmunzelnd von einem Tagebucheintragung des Dichterfürsten vom 28. September 1786. Goethe habe auf seiner Italienreise vor Venedig zwei sympathische, pilgernde "Männer über funzig, von dunkler, aber gutmütiger Physiognomie" getroffen und bei deren Erzählungen vernommen, dass sie aus dem "Paderbornischen" stammten. "230 Jahre später hat das deutsche Jahrtausendgenie doch noch den Weg ins Paderbornische gefunden." Faszinierende Postkarten Stolz präsentierten sie das außergewöhnliche, zwei Kilogramm schwere Bilderbuch. Auf 432 Seiten werden viele Sammlerstücke des 70-jährigen Protte präsentiert. Der 75-jährige Autor Vogt nimmt die Leserinnen und Leser mit auf eine interessante Entdeckungsreise durch die Welt von Goethe-Bildern.Auf den ersten Blick faszinieren die alten Postkarten. Der Betrachter kommt nicht darum herum, die meist in Schönschrift geschriebenen, oft sehr privaten Texte der Absender zu entschlüsseln. Bewusst wurden diese historischen Zeugnisse nicht wegretuschiert. Die Texte vermitteln neben Fakten zur Geschichte der Postkarte, der Briefmarke und der Sammelbildchen auch spannende Stories über die Frauen rund um Goethe. Er war der Superstar des 18. und 19. Jahrhunderts. Er war Macho, Frauenverführer, Egomane und ein Mann, der immer Angst vor allzu engen Bindungen hatte und erst nach 18 Jahren Konkubinat seine Geliebte Christiane Vulpius, die Mutter seiner drei unehelich geborenen Kinder, heiratete. Ein Frauenflüsterer war er aber nicht. Auch das wird in dem Buch überdeutlich. Schätzchen aus Nordkorea "Das älteste Exponat aus dem Jahr 1870 stammt aus der Zeit der Erfindung der Postkarte. Mein ältestes Liebig-Werbe-Sammelbildchen und meine älteste Privatpost-Briefmarke stammen aus dem Jahr 1888", erläuterte Protte seine Schätzchen, die er aus Nordkorea, der Elfenbeinküste oder kleinen Inselstaaten im Pazifik über das Internet erstanden hat. Das agile Duo steht schon wieder am Scanner. Die gut einjährige Arbeit am Goethe-Buch hat so viel Spaß gemacht, dass die Männer jetzt mit Hochdruck den Band "Schiller-Bilder auf. . .." vorbereiten.

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