Mag Glance-Entwickler Alexander Keil mit gedruckten Magazinen und der Darstellung von Inhalten auf dem PC und Tablet. - © FOTO: RALPH MEYER
Mag Glance-Entwickler Alexander Keil mit gedruckten Magazinen und der Darstellung von Inhalten auf dem PC und Tablet. | © FOTO: RALPH MEYER

Delbrück Mit wenigen Mausklicks zum Verleger

Alexander Keil hat mit Mag Glance eine einfache Magazin-Software entwickelt

Ralph Meyer

Delbrück-Lippling. Selbst gestaltete Fotobücher sind angesagt - egal ob für Urlaubsbilder oder Hochzeitsshootings. Nicht jedoch für den Lipplinger Computerexperten Alexander Keil. Der 30-jährige Wirtschaftsinformatiker empfindet die Kosten mit einem Euro pro Seite für solche Produkte als recht hoch und stuft die mitgelieferten Vorlagen als eher langweilig ein. Und so begann er bereits vor mehreren Jahren, sich Gedanken zu machen, wie wie man Fotos mit Grafikprogrammen anordnen kann, ohne erst mühsam spezielle Software installieren zu müssen. Rund ein Jahr dauerte es, bis er gemeinsam mit Entwickler Björn Arndt (35) aus Oberhausen ein Lastenheft des neuen Programms formuliert hatte. Zu dieser Zeit war Keil beruflich viel unterwegs und nutzte die meist langweiligen Abende in Hotels, um sein Projekt voranzubringen. Insgesamt dauerte es sechs Jahre, bis das Entwicklerduo zusammen mit Joachim Linz (67), einem Berater für Start-ups, sein Ziel erreicht hatte. Im Juni wurde die Mag Glance GmbH mit Sitz in Delbrück gegründet. Mag Glance heißt das Programm, mit dem sich im Browser online ein Magazin gestalten lässt. Ob Fotobuch, Reisemagazin, Schülerzeitschrift, Firmenbroschüre, Blog oder Glamourmagazin - mit Mag Glance lässt sich alles gestalten. Die magazintypischen Vorlagen lassen sich von Hand oder mit Hilfe eines Assistenten mit Hut und Zauberstab ("Mr. Mag") zusammenfügen. Dann heißt es, die Platzhalter per Drag and Drop mit Bildern und Texten zu füllen. Jegliche Datenkommunikation wird bei Mag Glance durchgängig mit 128 Bit verschlüsselt. Datensicherheit ist für Alexander Klei oberstes Gebot. Am Ende steht entweder ein blätterbares Online-Magazin oder eine hochwertige Printausgabe. Natürlich lässt sich das Ergebnis auf allen Endgeräten betrachten - egal ob PC, Tablet oder Smartphone. Natürlich ohne, dass die Konsumenten eine App auf dem Endgerät installieren müssen. Und da die Programmierung auf Flash verzichtet, sind auch Apple-Nutzer mit von der Partie. Die Nutzung der Software ist nach Anmeldung kostenlos. Fällt das Magazin umfangreicher als acht Seiten aus, wird ein Werbebanner eingeblendet, denn Keil und seine Mitstreiter wollen ja langfristig von ihrem Start-up leben. Wer es lieber werbefrei möchte, kann sich für 20 Euro im Jahr einen Premiumaccount freischalten lassen. Wer sein Magazin lieber in der Hand halten möchte, kann es drucken lassen. Das funktioniert bereits ab einem Exemplar. Die Druckkosten einschließlich Versand beginnen bei 9,50 Euro. Schnell- und Blitzlieferung kosten natürlich extra. Gedruckt werden die Magazine in einem großen deutschen Onlinedruckbetrieb, wobei Oberflächen und Papierqualitäten wählbar sind. Großbestellungen sind bis zu 100.000 Exemplaren möglich, und ab fünf Exemplaren gibt es bereits einen Mengenrabatt. Keil und Kollegen haben hierzu auch heimische Betriebe kontaktiert, doch die konnten weder beim Preis noch beim Versand mithalten. Die Mag Glance-Macher haben noch weiter gedacht: Natürlich kann man das Onlinemagazin auch mit Freunden privat oder öffentlich teilen. Dann verschickt der Autor Links, mit denen man dann die Machwerke ansehen, aber nicht speichern oder ausdrucken kann. Durch so genannte Tags kann man öffentlich gestellte Magazine auch einfach über Suchmaschinen finden. Ebenfalls ist in kommenden Versionen der Software vorgesehen, Kundenzeitschriften durch individuelle Seiten zu ergänzen oder ganze Magazine als Printexemplar oder E-Magazin zu verkaufen, das nur gegen Entgelt freigeschaltet werden kann. Die Gewinnmarge legt der Selbstverleger fest. Sie wird auf den Herstellungspreis aufgeschlagen und dem Konto gutgeschrieben. Mag Glace ist seit dem Frühjahr in einer stabilen Version auf dem Markt. "Die Kinderkrankheiten des Programms sind inzwischen überstanden", freut sich Alexander Keil. Das System ist natürlich auf Masse aufgelegt. "So 8.000 bis 10.000 Nutzer sind ein erstes Ziel", berichtet der Lipplinger. So weit ist man allerdings noch nicht. Parallel geht die Entwicklung des Programms weiter. Andere Formate, verschiedene Bindungstechniken und der Versand auch ins Ausland sind weitere Ideen für die Zukunft. www.magglance.com

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