Durch eine Knochenmarkspende verbunden: Katja Kolberg aus Büren-Weine hält den kleinen Rory im Arm. Hier ist sie 2011 zu Gast in Dorset, England. - © privat
Durch eine Knochenmarkspende verbunden: Katja Kolberg aus Büren-Weine hält den kleinen Rory im Arm. Hier ist sie 2011 zu Gast in Dorset, England. | © privat

Büren Leukämie: Eine Knochenmarkspende aus Büren ist Rorys letzte Chance

Der kleine Junge hat Leukämie. Die Therapien schlagen nicht an. Seine letzte Chance ist eine Knochenmarkspende

Svenja Ludwig
12.07.2019 | Stand 12.07.2019, 16:28 Uhr

Büren-Weine. Im März 2010 geben die Onkologen dem kleinen Rory noch sechs Wochen. Sein Körper kämpft bis dahin vergeblich gegen den Blutkrebs. Für den Neunjährigen aus Dorset in England ist es die letzte Chance, als ein Bote schließlich zwei Beutel Knochenmark ins Krankenhaus bringt. Nur wenige Stunden zuvor haben deutsche Ärzte es Katja Kolberg aus Büren-Weine entnommen. Die Spende rettet Rorys Leben. Einen Viertelliter Knochenmark hat die heute 33-Jährige damals abgegeben. Jetzt zeugen nur noch zwei kleine Schnitte am Steiß von diesem besonderen Tag. "Die sind mini, so mini, dass man sie kaum sieht, wenn man nicht weiß, dass sie da sind." Als die Ärzte sie im März 2010 operierten, wusste sie nicht, wer die Spende erhält. Der Narkosearzt habe bloß bemerkt, dass 250 Milliliter eine kleine Menge seien, erinnert sich Katja Kolberg, ausreichend für ein Kind bis maximal zwölf Jahre. Von dem Eingriff erholt sie sich damals schnell. Zwei Tage habe sie Schmerzen gehabt. "Aber die waren auszuhalten", sagt sie. "Danke, danke, danke" Bis Katja Kolberg und Rory sich kennenlernen, vergeht einige Zeit. 100 Tage lang weiß sie nicht, wie es dem Kind geht. "Während dieser Zeit habe ich immer wieder an ihn gedacht", erinnert sich die Pflegekraft aus Weine. Dann endlich erhält sie ein Schreiben von der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS). "Da lag schon ein Brief der Familie bei", sagt sie. Die frohe Botschaft: Dem Kind geht es gut und es ist bereits aus dem Krankenhaus entlassen. Zwei Jahre lang bleibt der Kontakt zwischen der Weinerin und dem englischen Jungen anonym. So sind die Regeln bei einer Knochenmarkspende. Dann lernt Katja Kolberg Rory, den großen Bruder und die Eltern kennen. "Bei meinem ersten Besuch habe ich nur das Wort Danke gehört. Danke, danke, danke", sagt die 33-Jährige. Kein Wunder, denn um den Jungen stand es wirklich schlecht. "Keine Chemotherapie hat bei ihm angeschlagen." Die letzte Hoffnung der Familie lag auf dem Knochenmark der Weinerin. Und das half. "Rory hat das Knochenmark intravenös bekommen", sagt sie. Die glücklichen Eltern berichteten ihr später, dass mit jedem Tropfen Knochenmark etwas mehr Leben in das Kind geflossen sei. "Es ist krass, ein Kind so zu sehen" Katja Kolberg kennt Fotos von Rory, als er im Krankenhaus lag. "Es ist schon krass, ein Kind so zu sehen", sagt sie. Durch die Behandlungen seien ihm alle Haare ausgefallen. Nach der Knochenmarktransplantation sprossen sie aber wieder. "Und über sein erstes Achselhaar hat sich die Familie so sehr gefreut, dass es sogar einen Namen bekommen hat." Mittlerweile ist Rory 16 Jahre alt. "Er hat einen Bart und eine Freundin und macht gerade den Führerschein", berichtet Katja Kolberg stolz, "Es ist schön, dass es ihm so gut geht". Auch die anderen Familienmitglieder blühen auf. Rorys großer Bruder geht zum Film, die Eltern machen sich gerade in unterschiedlichen Bereichen selbstständig. Der Kontakt zu den Briten ist nie abgerissen. "Sie sind für mich wie eine zweite Familie, das ist heute noch pure Liebe." Katja Kolberg ist weiterhin in der Spenderdatei gespeichert. Sie würde sofort noch einmal spenden, wenn sie damit jemandem helfen könnte. Aktuell sucht die DKMS einen Stammzellspender für die an Leukämie erkrankte 33-jährige Alicia. Am Sonntag, 14. Juli, findet die Typisierungsaktion in Altenbeken statt. Von 11 bis 16 Uhr können sich in der Sporthalle alle zwischen 17 und 55 Jahren typisieren lassen. "Ich wäre dankbar für jeden, der mitmacht", sagt Katja Kolberg.

realisiert durch evolver group