Idyllisch: Die 1902 erbaute Trinitatis-Kapelle in Ringelstein liegt im Almetal am Harthberg unterhalb der historischen Burgruine. - © Uwe Müller
Idyllisch: Die 1902 erbaute Trinitatis-Kapelle in Ringelstein liegt im Almetal am Harthberg unterhalb der historischen Burgruine. | © Uwe Müller

Büren Zu verkaufen: Großes Interesse an Bürener Trinitatis-Kapelle

Die evangelische Gemeinde Büren-Fürstenberg bietet das 117 Jahre alte Kirchengebäude in Ringelstein zum Verkauf an

Büren-Harth. Badezimmer statt Beichtstuhl, schlafen im Altarraum und unter der Orgel fernsehgucken – total absurd? Keineswegs. All das wäre in der Trinitatis-Kapelle in Ringelstein demnächst möglich. Denn die 1902 errichtete Kapelle ist zu verkaufen – für 85.000 Euro. Sie steht zwar unter Denkmalschutz, aber unter gewissen Auflagen kann sie vielfältig genutzt werden. Und das Interesse an dem Objekt, das im Besitz der evangelischen Kirchengemeinde Büren-Fürstenberg ist, ist überraschend groß. In nur einer Woche haben sich beim Bürener Immobilien-Makler Harmen Vogelsang schon elf Interessenten gemeldet. „Da war schon alles dabei", sagt Vogelsang. Künstler aus der Schweiz, die einen Ausstellungsraum suchen, Familien, die das Gotteshaus privat nutzen möchten, oder Selbstständige, die dort eine Praxis einrichten wollen. Weil die Kapelle noch nicht entwidmet ist, kann sie auch durch andere christliche Gemeinden für kirchliche Zwecke genutzt werden. Der Altar darf ausgebaut werden Die Nutzfläche des 117 Jahre alten Gebäudes beträgt 103 Quadratmeter und das gesamte Grundstück ist 723 Quadratmeter groß. Da die Kapelle 1985 in die Denkmalliste der Stadt Büren aufgenommen wurde, müssen potenzielle Käufer aber auf Einiges achten. Es dürfen keine Zwischendecke und festen Trennwände in dem knapp 80 Quadratmeter großen Hauptraum gesetzt werden, lediglich Raumteiler sind erlaubt. Der barocke Altar dürfe laut dem Makler aber ausgebaut werden. Für die private Nutzung müsste aber noch Einiges investiert werden: Es sind zwar eine Gasheizung und auch ein Wasseranschluss vorhanden, aber keine Küche oder Toilette. „Die Kapelle wird seit einem Jahr nicht mehr genutzt, daher möchte die evangelische Kirchengemeinde sie verkaufen", erklärt Jürgen Engelmann, Vorsitzender des Presbyteriums und erläutert: „Wie fast alle Kirchengemeinden haben auch wir einen gewissen Mitgliederschwund. In Ringelstein gab es nur noch ab und zu samstags Gottesdienste, die aber immer weniger besucht wurden. Daher haben wir uns dazu entschieden, sie zu verkaufen." Nur noch in Büren, Bad Wünnenberg und Wewelsburg werden nun Gottesdienste abgehalten vom Pfarrerehepaar Reihs, das zu zweit zuständig ist für die gesamte evangelische Kirchengemeinde Büren-Fürstenberg. Früher fanden noch jeden Sonntag und an Feiertagen Gottesdienste in dem knapp 90 Personen fassenden und ursprünglich katholischen Haus statt. Die Kapelle hat eine lange Geschichte Das am Fuße des Harthberges im Almetal gelegene Kirchengebäude hat eine lange Geschichte hinter sich. Es wurde 1902 in einem Mischbaustil aus Gotik und Barock von Wilhelm Kleine, der eine Nagelfabrik betrieb, erbaut. Mitte der 1920er Jahre bekam das Dorf Harth eine katholische Pfarrkirche und damit verlor die Kapelle an Bedeutung. Nach dem Zweiten Weltkrieg gewährte die Familie Kleine der evangelischen Kirchengemeinde in der katholischen Privatkapelle Gastrecht. Und 1956 erwarb die evangelische Kirche Kleines Kapelle. Dass sie früher katholisch war, sieht man heute noch an den abgeschraubten Kniebänken, dem Tabernakel und dem Beichtstuhl am Eingang. Dass das leer stehende Gebäude bald wieder genutzt werden könnte, freut die im Nachbarort Siddinghausen lebende Katrin Herting. Denn sie hat eine besondere Beziehung zur Trinitatis-Kapelle. Zum einen ist sie eine geborene Kleine und verwandt mit den Erbauern und zum anderen ist sie 2014 beim Gottesdienst in der Kapelle zum evangelischen Glauben konvertiert. Zudem spielt ihr Mann Meinolf in der evangelischen Gemeinde Büren-Fürstenberg Orgel – unter anderem auch in Ringelstein. „Ich habe daher eine sehr persönliche Anbindung an die Kirche. Ich hatte sie früher aber nie von innen gesehen und war dann überrascht mit wie viel Liebe zum Detail sie gebaut wurde", sagt Katrin Herting, die als Erzieherin in der evangelischen Kindertagesstätte Emmaus in Büren arbeitet. „Ich finde es wichtig, dass das Gebäude respektvoll weitergenutzt wird. Andererseits empfinde ich auch etwas Wehmut", hat sie gemischte Gefühle. Wie wahrscheinlich viele Ringelsteiner – egal ob katholisch oder evangelisch. Schließlich hat Kleines Kapelle die Geschichte des kleinen Ortes mitgeprägt. So viel ist die Kapelle wert Der Sachwert der Kapelle mit Grundstück liegt laut Makler zwischen 200.000 und 300.000 Euro. Sakralbauten seien als Spezialbauten zu sehen und da gebe es aber kein normiertes Bewertungssystem, zudem müsse man auch die Lage berücksichtigen. „Für über 100.000 Euro ist hier kein Markt, erklärt Immobilien-Makler Harmen Vogelsang den Kaufpreis von 85.000 Euro. Besonderheiten in der Kapelle sind die Orgel, die erst 1999 für 52.000 Mark in Auftrag gegeben wurde, und der Barock-Altar. Anbauten auf dem Grundstück sind möglich, müssen aber vom Bauamt abgesegnet werden.

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