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Marlies Diermann (l.) und Gerda Göckede sind seit den Anfängen dabei und haben viele Menschen beim Sterben begleitet. - © Kristoffer Fillies
Marlies Diermann (l.) und Gerda Göckede sind seit den Anfängen dabei und haben viele Menschen beim Sterben begleitet. | © Kristoffer Fillies

Büren Sterbebegleitung in Büren: „Traurig und erfüllend zugleich“

Seit 20 Jahren gibt es den ambulanten Hospizdienst „Mutter Teresa“. Mehr als 80 Ehrenamtliche erfüllen die letzten kleinen Wünsche Sterbender

Kristoffer Fillies
15.04.2019 | Stand 15.04.2019, 08:35 Uhr

Büren. Manchmal sind sie als letzte Bezugsperson da, wenn das Lebensende anderer naht. Die Sterbebegleiter des ambulanten Hospizdienst „Mutter Teresa" in Büren sind ständig konfrontiert mit Tod und Trauer. Mit ihrem Da-sein helfen sie anderen, doch selbst nehmen sie auch etwas für ihren Alltag mit. Seit nun 20 Jahren begleiten Ehrenamtliche von „Mutter Teresa" andere Menschen in der letzten Zeit ihres Lebens. Marlies Diermann und Gerda Göckede sind zwei dieser Ehrenamtlichen, die Menschen bis zu ihrem Tod begleiten. Gemeinsam mit anderen Frauen aus den Katholischen Caritaskonferenzen und der Evangelischen Frauenhilfe in Bad Wünnenberg, Büren und Lichtenau, stellten sie die Initiative ab Herbst 1998 auf die Beine. Im Februar 1999 starteten 24 Frauen mit der Sterbebegleitung von schwerkranken Menschen. Ehrenamtliche erhalten die Ausbildung kostenlos „Heute ist die Zahl der Ehrenamtlichen auf mehr als 80 gestiegen und sie begleiten Menschen in Büren, Lichtenau, Bad Wünnenberg und Salzkotten", sagt Göckede. „Es sind auch heute noch vor allem Frauen, die begleiten. Einige wenige Männer sind auch dabei." Die Ehrenamtlichen werden geschult, erhalten kostenlose den sogenannten Befähigungskurs, um auf die möglichen Situationen während der Sterbebegleitung reagieren zu können. War die Arbeit in den ersten Jahren allein auf ehrenamtlichen Füßen gestellt, kamen 2004 die ersten Hauptamtlichen dazu, um den größer werdenden Bedarf und die Begleiter zu koordinieren. Seit 2009 ist der ambulante Hospizdienst ein eingetragener Verein. Als Hauptamtliche unterstützen Elisabeth Kahler und Claudia Thelaner die Ehrenamtlichen sei einigen Jahren. Sie vermitteln die Sterbenden an ihre Begleiter. „Wir kennen unsere Ehrenamtlichen gut und können daher gut zusammenführen." 2018 begleiteten die Ehrenamtlichen etwa 100 Menschen, 49 sind in der Zeit gestorben. „Wir begleiten jeden Menschen individuell", erklärt Koordinatorin Elisabeth Kahler. „Die Begleitung kann einige Tage, mehrere Monate oder sogar Jahren dauern." Letzteres sei aber sehr selten, meist sind die Personen schon älter als 80 und unmittelbar vor dem Tod. Aber auch jüngere sind immer wieder dabei. Nur Kinder werden nicht begleitet. Da werde das Kinderhospiz aktiv, das noch einmal auf die Bedürfnisse der Kinder spezialisiert sind. Die Aufgaben des Sterbebegleiters sind vielseitig, oft besuchen sie die Leute in Seniorenheimen, Krankenhäusern oder bei ihnen zu Hause. „Für manche sind wir einfach nur da, Halten die Hand, hören zu oder reden miteinander", erklärt Gerda Göckede. Ein Mann, der ursprünglich aus Kasachstan gekommen sei, habe ihr seine Lebensgeschichte erzählt. „Seine eigene Familie konnte das nicht mehr so gut hören, weil es sie zu traurig machte. Ich aber war dafür da, hörte interessiert zu und nahm für mich selbst vieles mit", sagt Göckede. Elisabeth Kahler erinnert sich gut an einen Jungen in den 20er-Jahren seines Lebens, dessen Leidenschaft der Fußball war. „Sein Wunsch war es, ein Spiel des SC Paderborn zu gucken. Das haben wir gemacht." Wenig später sei der Mann gestorben. Kahler: „Oft sind es die kleinen Wünsche, die wir erfüllen können." Für eine kurze Zeit den Tod vergessen Wie gehen die Ehrenamtlichen selbst damit um, ständig mit dem Tod konfrontiert zu sein? „Es ist natürlich auch traurig", sagt Hospiz-Mitgründerin Marlies Diermann. „Aber die Menschen geben einem viel zurück. Es reicht oft, wenn sie einfach lachen und für eine kurze Zeit den nahenden Tod vergessen. Sterbebegleitung macht zwar traurig, zugleich erfüllt es, unterstützen zu können." Die Hauptamtlichen Thelaner und Kahler lassen die Ehrenamtlichen aber nicht allein. „Wir stehen als Ansprechpartner bereit und haben regelmäßige Treffen mit den Begleitern", sagt Koordinatorin Claudia Thelaner. Zum Angebot des Hospizdienstes gehören unter anderem ein Erzählcafé für Trauernde. Er ist jeden ersten Freitag im Monat von 15 bis 17 Uhr im Pfarrheim St. Johannes, Salzkotten. Vierteljährlich veranstaltet das Hospiz einen Lichtblick-Gottesdienst in der Jesuitenkirche in Büren. Der Gottesdienst lädt in ruhiger Atmosphäre und mit angemessenen Liedern dazu ein, zur Ruhe zu und den Gedanken und Tränen freien Lauf zu lassen. Die Ehrenamtlichen des Hospizdienstes haben 1999 mehr als 700 Menschen begleitet, immer getreu dem Motto: „Leben dürfen bis zuletzt."

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