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Büren Warum der Flughafen Paderborn trotz Turbulenzen optimistisch sein kann

Die Rückkehr des Ferienfliegers TUI Fly ist sehr wichtig. Die Passagierzahlen sollen weltweit steigen. Airport-Chef Marc Cezanne fordert deshalb eine bessere Auslastung der Kapazitäten.

Matthias Bungeroth
25.10.2018 | Stand 25.10.2018, 08:09 Uhr

Büren. Es sind bewegte Zeiten in der Luftfahrt. Nach einem streikreichen Sommer und der Insolvenz der Charterfluglinie Small Planet schaut man am Flughafen Paderborn-Lippstadt optimistisch gestimmt nach vorne. Denn einerseits stehen ab Ende Oktober mit Zürich, Wien und London neue, attraktive Flugziele auf dem Flugplan. Andererseits stimmen die Rahmendaten der zivilen Luftfahrt. So rechnet der Airline-Verband IATA damit, dass sich die Passagierzahlen weltweit in den nächsten zwanzig Jahren verdoppeln werden. Sieben Milliarden Passagiere pro Jahr wären dann in der Luft unterwegs. Die IATA rechnet mit einer Wachstumsrate von 3,5 Prozent pro Jahr, wie deren Chef Alexandre de Juniac sagte. Da speziell auch die großen Flughäfen in Deutschland schon jetzt am Rande ihrer Kapazitäten arbeiten, kann darin eine gute Chance für den Ausbau des Geschäfts der Regionalflughäfen wie Paderborn-Lippstadt liegen. »Regionalflughäfen könnten eine gute Zukunft haben« „Es ist relativ sicher, dass wir davon profitieren werden", sagt Flughafen-Geschäftsführer Marc Cezanne auf Anfrage dieser Zeitung. Es brauche allerdings ein wirkungsvolles Luftverkehrskonzept des Landes, damit die Kapazitäten sinnvoll ausgenutzt würden. So habe der Flughafen Düsseldorf in diesem Jahr pro Woche 50 neue Flugverbindungen nach Palma de Mallorca ins Angebot genommen. „Ist es sinnvoll, aus OWL rund 200 Kilometer nach Düsseldorf zu fahren, um dann einen etwa zweistündigen Flug nach Mallorca anzutreten?", fragt Cezanne. Ein großer Airport wie Düsseldorf könne stattdessen eher seine Stärken auf der Langstrecke ausspielen und dafür frei gewordene Slots einsetzen, schlägt der Chef des OWL-Airports vor. Immerhin fliegen mehrere hunderttausend Passagiere aus dieser Region pro Jahr ab Düsseldorf, gibt er zu bedenken. „Die Politik muss sinnvoll mit den Kapazitäten umgehen", ist seine Forderung auf Landes- und auch Bundesebene. „Regionalflughäfen könnten eine gute Zukunft haben, wenn man zum Umdenken bereit ist", sagt der Luftfahrtexperte Ronald Schmid. „Es wird davon abhängen, wie sich die Passagiere entwickeln." Will heißen: Ob diese auch zunehmend heimatnah fliegen wollen, statt zu einem der großen Airports wie Düsseldorf, Frankfurt oder München zu fahren, die schon jetzt ausgelastet seien. Auch die Airlines und Reiseveranstalter müssten sich breiter aufstellen. Gerade bei den Kosten seien die Regionalairports schon jetzt sehr attraktiv im Vergleich zu den bei den Start- und Landegebühren teuren Großflughäfen wie Frankfurt. „Die Airlines wollen effizienter werden", sagt auch der Luftfahrtexperte Cord Schellenberg. Das gelte insbesondere auch für den innerdeutschen Luftverkehr, der „noch Platz nach oben" habe, weil die Bahn gerade für Geschäftsreisende immer noch nicht attraktiv genug sei. Erst kürzlich hat mit TUI Fly eine der großen Ferienfluggesellschaften ihre Rückkehr an den Flughafen Paderborn-Lippstadt bekanntgegeben. Am 2. November gibt es von dort den Erstflug nach Fuerteventura; es folgen Direktflüge nach Teneriffa, Gran Canaria und Hurghada. Dies unterstreiche „den hohen Stellenwert des Standorts", kommentiert Flughafenchef Marc Cezanne diese Entwicklung. In diesen Herbstferien werden am OWL-Airport rund 70.000 Passagiere abgefertigt. Trotz der Turbulenzen wie der Small-Planet-Insolvenz rechnet der Flughafen für das laufende Geschäftsjahr mit einem Plus bei den Passagierzahlen. Mit 100 sowie 98 Flügen sind Palma de Mallorca und Antalya am beliebtesten.

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