Super Stimmung: Die Teilnehmer des Street-Kids-Programms freuen sich mit Nataly Stimpel über einen neuen Fußball. - © Svenja Ludwig
Super Stimmung: Die Teilnehmer des Street-Kids-Programms freuen sich mit Nataly Stimpel über einen neuen Fußball. | © Svenja Ludwig

Büren/Tororo Bürener Studentin Nataly Stimpel engagiert sich in Uganda

Entwicklungshelferin, Jugendbotschafterin und Webmasterin: Die Bürener Studentin Nataly Stimpel engagiert sich in Uganda. "Es geht nicht nur darum, dass die Reichen den Armen helfen"

Svenja Ludwig

Büren/Tororo. Mit dem Abi in der Tasche zog es Nataly Stimpel aus Büren 2015 wie viele junge Leute hinaus in die Welt. Nach zwölf Jahren Schulbankdrücken musste etwas Abwechslung her, bevor sich das Leben wieder um Bücher, Klausuren und Noten dreht. Einfach als Tourist durch die Welt gondeln wollte sie aber nicht, sondern am Leben in den Communitys vor Ort teilhaben. So landet sie über eine Vermittlung des Roten Kreuzes in Uganda. In dem Staat im Südosten Afrikas ist die heute 21-Jährige für die Organisation Ashwa (Alliance for Sustainable health and wealth in Africa) tätig. "Wir waren selbst in der Verantwortung, uns Projekte zu suchen." Über einen Freund fand die Bürenerin ihr Thema: Menstrualhygiene. "Erst habe ich das Problem gar nicht verstanden", erinnert sich Stimpel: "In Deutschland ist mir nie jemand begegnet, der Probleme hatte, Binden oder Tampons zu besorgen". Drogerieartikel gibt es in Uganda natürlich auch zu kaufen - "aber das macht eigentlich keiner", weiß die Studentin. Damenhygiene sei sehr teuer. 10 Tampons gebe es für umgerechnet zwei Euro. "Für das Geld kann man im Village schon lange leben", sagt sie. Ohne Schutz trauen sich die Mädchen aber häufig nicht in den Unterricht. "Sie haben Angst vor Bestrafung", weiß die 21-Jährige. Denn in den Schulen dort wird sehr viel Wert auf akkurate Uniform gelegt. Befleckte Kleidung ist ein Tabu. Die Bürenerin informiert die jungen Frauen behutsam. Außerdem stellen sie gemeinsam wiederverwendbare Pads aus Baumwolle und Plastikfolie her. Vor ihrem sozialen Jahr in Uganda sei sie "nicht so engagiert", meint Nataly Stimpel. Heute ist die Entwicklungshilfe ein fester Bestandteil ihres Lebens. Nach wie vor arbeitet die 21-Jährige für die Organisation Ashwa. Von Deutschland aus kümmert sie sich um den Online-Auftritt in den sozialen Medien. "Ich bin auch relativ häufig in Uganda, wenn Zeit und Geld es zulassen, besuche meine Freunde dort und mache auch Trainings mit", berichtet die Studentin. Außerdem ist Stimpel Jugendbotschafterin von ONE. Die Jugendorganisation setzt sich international gegen extreme Armut und vermeidbare Krankheiten, wie Aids, ein. "Entwicklungspolitisch geht es nicht nur darum, dass wir Reichen in Europa den Armen in Afrika helfen", betont die Bürenerin. Vielmehr gehe es um Bildung und Gleichberechtigung. Nebenher studiert sie Wirtschaftswissenschaften. Ihr Studium habe sie darauf ausgelegt, nach Uganda zurückzukehren oder dauerhaft dort zu leben, denn "es gibt da noch super viel zu tun". Zum Beispiel habe sie an der Uni viele Kurse gewählt, in denen es um Entwicklungspolitik gehe. "Wir können aber auch viel von den afrikanischen Ländern lernen", meint Stimpel. Die Afrikaner seien sehr locker. "Auch in Uganda hat man Aufgaben, die man erledigen muss, aber wenn man einen Bericht eine Stunde später abgibt, reißt einem keiner den Kopf ab", erklärt sie. Außerdem habe Stimpel durch das Leben in Afrika zu schätzen gelernt, was sie hat.

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