20 Feuerwehrmänner üben, wie sie ein Pferd retten würden. - © Andreas Götte
20 Feuerwehrmänner üben, wie sie ein Pferd retten würden. | © Andreas Götte

Büren Feuerwehr probt Pferderettung

20 Einsatzkräfte üben, wie sie Tiere aus misslicher Lage befreien können

Andreas Götte

Büren. So eine tierische Übung hatten die 20 Feuerwehrmänner aus dem Kreis Paderborn auch noch nicht erlebt. Sam war zwar nur ein gelenkiger Pferde-Dummy aus England, ihn jedoch aus verschiedenen Notlagen zu befreien, stellte die Einsatzkräfte an der Kreisfeuerwehrzentrale am Flughafen Paderborn-Lippstadt vor großen Herausforderungen. Immerhin bringt Sam 200 Kilo auf die Waage. Ohne Lutz Hauch aus der Nähe von Aachen würde es wahrscheinlich Mensch und Tier an diesem Tag bei der Rettung nicht besonders gut gehen. Hauch ist Deutschlands einziger von der Animal Rescue Academy in Österreich ausgebildeter Großtierretter. Zwei Stunden lang wurde zunächst Theorie gepaukt, dann ging es in praktischen Workshops weiter, um später in einer Notfallsituation professionell reagieren zu können. Nicht die Kickzone betreten! Pferde sind Fluchttiere, kämpfen um ihre Freiheit und können in misslicher Lage mit den Beinen und dem Kopf ausschlagen. Deshalb warnte der frühere Berufsfeuerwehrmann immer wieder die Helfer vor dem Betreten der Kickzone von Sam. Ganz wichtig: Sind Großtiere wie Pferde, Rinder oder Kühe im Spiel, sollte immer ein Tierarzt hinzugezogen werden, um das Tier zu sedieren. Die Feuerwehrmänner lernten etwas über Fädeltechniken und sogenannte Assistenten, um ein Pferd tierschutzgerecht zu retten. „Ich bringe den Rettern bei, wie die Tiere ticken. Der Geräuschpegel muss minimiert werden und es dürfen nicht zu viele Leute am Tier sein", sagt Hauch. „Und ich möchte die Kollegen über den Sicherheitsaspekt aufklären." Im Gegensatz zu England steckt die professionelle Großtierrettung in Deutschland eher noch in den Kinderschuhen. Dabei steigt der Bedarf. „Die Landwirte setzen auf die Pferdezucht statt auf die Milchviehwirtschaft. Außerdem werden immer mehr Tiere auf den Straßen transportiert, die Schlachttiertransporte gar nicht mitgezählt", sagt Hauch.

realisiert durch evolver group