Räumen die liegen gebliebene Reste weg: Die Ungarin Zhuzhanna Miles, sie ist zu ihrem Mann nach Deutschland gekommen und hat Betriebswirtschaftslehre studiert, hat wie ihre Kollegin Clarisse Mepo noch keinen neuen Arbeitsplatz gefunden. - © Marc Köppelmann
Räumen die liegen gebliebene Reste weg: Die Ungarin Zhuzhanna Miles, sie ist zu ihrem Mann nach Deutschland gekommen und hat Betriebswirtschaftslehre studiert, hat wie ihre Kollegin Clarisse Mepo noch keinen neuen Arbeitsplatz gefunden. | © Marc Köppelmann

Büren Kehraus im Stöckerbusch

Flüchtlingsunterkunft im Wald bei Büren: Die Johanniter räumen die Leichtbauhallen leer und die Bezirksregierung lässt sie abbauen

Karl Finke

Büren. Die beiden Johanniterinnen Zhuzhanna Miles und Clarisse Mepo picken unter den Bäumen im Stöckerbusch die letzten Plastik-Rührstäbchen auf. "Beim nächsten Mal würden wir welche aus Holz nehmen, die verrotten", meint Hartmut Mester von der Bezirksregierung Detmold. "Flüchtlinge trinken ihren Kaffee mit Zucker, viel Zucker", blickt der Leiter der provisorischen Flüchtlingsunterkunft im Wald zwischen Büren und Haaren auf das Jahr zurück. Es ist Kehraus auf dem früheren Nato-Kasernengelände. In den 15 Leichtbauhallen stehen nur noch wenige verbliebene Tische und Bänke. Im Verpflegungsbereich, dafür wurde nebenan die Mauer der Ex-Justizvollzugsanstalt einen Spalt breit geöffnet, verschweißen Johanniter-Mitarbeiter verbliebene Bettwäsche in Folien. Mehr als 2.500 Migranten vor allem aus Balkanstaaten und der früheren Sowjetunion standen hier zum Essen an. Die Fahrzeughallen werden der "Unterbringungseinrichtung" für Abschiebungen wieder überlassen. Vom Spielplatz auf dem Gelände ist nur noch umgewühlte Erde zu sehen. Die Gefängnis-Mauer wird bald wieder geschlossen, die Asphalt-Zufahrt bleibt. Am 1. Dezember sind die letzten Asylbewerber nach Hövelhof-Staumühle gebracht worden. Für 1.000 Flüchtlinge war die Unterkunft im Dezember 2015 in Betrieb genommen worden. Die Belegungszahl kletterte zwischenzeitlich auf etwas mehr als 700. 2,5 Millionen Euro kosten Auf- und Abbau, weiß Jörg List. Er leitet das neu gebildete Dezernat 20 in Detmold für ehemals 22 Flüchtlingsunterkünften in der Hochphase und dafür eingestellten 45 Mitarbeitern. Drei, vier arbeiteten vor Ort im Stöckerbusch. Mit etwa 100 Kräften betreuten die Johanniter in Stöckerbusch Flüchtlinge mit rund 25 unterschiedlichen Nationalitäten. Für die verantwortliche Janet Roderfeld aus Husen, seit 15 Jahren Rettungsassistentin in der Wache in Lichtenau, eine wohl einmalige Erfahrung. Das eingezäunte Quarantäne-Zelt benötigte sie "nur für Windpocken-Fälle". 50 oder sogar 60 Neugeborene kamen in Krankenhäusern der Region zur Welt. "Alles gesunde Kinder", so Roderfeld. Die in Büren aufgebauten Sanitäreinrichtungen und Hygienestandards wären viele Flüchtlinge auf ihren bisherigen Wegen nicht gewohnt gewesen. Das Unternehmen KWS war mit der Sicherheit im Vielvölkergemisch beauftragt worden. In drei Schichten arbeiteten jeweils zwölf Kräfte. Die Konflikte beschreibt Unterkunftsleiter Mester als "Familien- und Nachbarschaftsstreit". Polizei hätte "wenig" kommen müssen. Wären weniger Familien und mehr allen stehende Männer im Stöckerbusch gewesen, hätte es schwieriger werden können. "Richtige Schlägereien hat es hier nicht gegeben", sagt die Johanniterin Roderfeld. Als die Mitarbeiter der Johanniter ihren Job antraten, wussten sie von der Begrenzung auf ein Jahr. "Das Ende ist für etliche trotzdem bitter", räumt Gerald Donath aus dem Regionalvorstand des Verbandes ein. Der profitiere jetzt von dem Nebeneffekt, "dass viele in den ehrenamtlichen Katastrophenschutz gewechselt sind". Roderfeld fügt an: "Das spricht für das Team, dass da gewachsen ist." Auch noch bei den Aufräumarbeiten "halten alle zur Stange". Einzelne haben schon einen neuen Arbeitsplatz gefunden - wie Annika Jeske, die für die Bezirksregierung in der Verwaltung von Stöckerbusch arbeitete. Obwohl die Detmolder Mitarbeiter zumeist Zwei-Jahres-Verträge haben, wird Jeske schon in Kürze ihre neue Stelle beim Technischen Hilfswerk in Bielefeld antreten. Unterkunftsleiter Mester wechselt in eine andere Flüchtlingsunterkunft. Für den Detmolder Dezernatsleiter List war in der Bürener Unterkunft "die Vielfalt auch ein Garant für die Friedlichkeit" vor Ort. Die Leichtbauhallen werden im Januar wieder abgebaut und waren so im Vergleich mit festen Bauten die wirtschaftlichere Lösung. Bei Bedarf könnte hier neu begonnen werden - auch nur mit Containern auf den verbleibenden Asphaltwegen. "Wir würden Stöckerbusch gern als Reservefläche behalten", sagt List zu den noch laufenden Verhandlungen mit dem Bundesimmobilienamt.

realisiert durch evolver group