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Moderatorin, Schauspielerin, Regisseurin Mo Asumang in der Wewelsburg - © Karl Finke
Moderatorin, Schauspielerin, Regisseurin Mo Asumang in der Wewelsburg | © Karl Finke

Büren Mo Asumang schildert ihre Besuche bei Rassisten

Vortrag in der Wewelsburg

Karl Finke
05.12.2016 | Stand 05.12.2016, 07:19 Uhr

Büren-Wewelsburg. Ist das naheliegend, wie Mo Asumang (53) in der Wewelsburg vorgibt? Die afrodeutsche TV-Moderatorin ("Liebe Sünde", 1990er) hat seit 2005 Rassisten in Deutschland und den USA persönlich getroffen. Im Knast, einfach an der Haustür geklingelt, und mit bewaffneten Klu-Klux-Klan-Mitgliedern ist die Berlinerin in die Dunkelheit gefahren. Todesangst hatte die Mutter einer Deutschen und eines Ghanaers schon als junge Taxifahrerin ausgestanden. Im Burgsaal las die Schauspielerin, Synchronsprecherin und Filmemacherin kurz aus ihrem Buch "Mo und die Arier", zeigte Sequenzen aus dem gleichnamigen Dokumentarfilm und erklärte rund 150 Zuhörern vor allem das Wieso und Warum. Die menschlichen Begegnungen sollten den Kreislauf von Vorurteilen, Wut und Hass durchbrechen. Asumang ließ sich bei ihren Interviews nicht provozieren, hörte zu und stellte einfache Fragen mit Neugierde auf so fremden Personen. Im besten Fall hinterließ sie verunsicherte Gesprächspartner. "Es wurde auch gelacht", verriet sie. Die Gesprächsbereitschaft ihrer Gegenüber interpretiert sie auch als "ein Dankeschön dafür, dass ich meinen Hass bei Dir loswerden durfte". Als sich im Film der in den USA bekannte TV-Arier-Prediger Tom Metzger (Indiana) mit einer Umarmung verabschiedete, mochte er sich damit lieber verstecken. "Rassisten wollen, dass wir nur noch ein Thema haben", erklärte Asumang die Wirkungsweise: Statt Kinder, Mutter, Oma, Rente und Sport nur noch "Rassenkrieg". Dieses Weltbild hätten seinerzeit die deutschen Nationalsozialisten mit ihrer Propaganda erfolgreich in die Köpfe der Bevölkerung getragen. "Auch Trump lässt seine ganze Energie in seine Propaganda - dann kann man es schaffen", fürchtete die Autorin mit Blick auf den kommenden amerikanischen Präsidenten. Diese "Weltbild-Wolke" ließe sich allerdings mit dem gegenseitigen Blick in die Augen durchbrechen. "Es bleibt immer noch ein Mensch", so Asumang über ihre persönliche Einstellung zu Rassisten, Ariern und Neonazis. Manchmal traf sie in ihren Gegenübern auch nur "Bürschchen", deren Welt sich leicht erschüttern ließ. Die Filmsequenzen mit dem selbst ernannten Arier Axel Stoll und seinen galaktischen Ursprungstheorien ließen in ihrer Losgelöstheit von jeglicher Realität nicht nur bei der Filmemacherin die Augen rollen. Ihrer Zuhörerschaft attestierte Asumang die Kraft für eine ähnliche Toleranz Hasspredigern, Populisten und Mitläufern gegenüber. Volker Kohlschmidt vom Wewelsburger Verein "Gedenktag 2. April" durfte ein neues Mitglied aufnehmen.

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