Erste Station für Neuankömmlinge: Leiter der Johanniter Ulrich Münsterteicher bei der Erstregistrierung einer Bewohnerin. - © MAURICE FRÖHLEKE
Erste Station für Neuankömmlinge: Leiter der Johanniter Ulrich Münsterteicher bei der Erstregistrierung einer Bewohnerin. | © MAURICE FRÖHLEKE

Büren Flüchtlingsunterkunft Stöckerbusch: Zeltzimmer für wenige Wochen

In Regie der Johanniter werden Kinder hier auch musikalisch betreut

Maurice Fröhleke

Büren. "Guten Morgen! Geht es gut?" klingt es aus einem Kindermund zur Begrüßung am Stöckerbusch neben der früheren Justizvollzugsanstalt. Auffällig viele Kinder laufen in der Flüchtlingsunterkunft in der Nähe von Büren umher. "Die Kinder sind begeistert, Gäste auf Deutsch begrüßen zu können", weiß Ute Dank von der Bezirksregierung Detmold, die zusammen mit Hartmut Mester diese Erstaufnahmeeinrichtung leitet. 400 Menschen sind hier schon untergebracht, 800 und mehr dürfen es werden. Vor Betreten des Geländes führt der erste Weg an einem Häuschen des Sicherheitsdienstes vorbei. Als Besucher muss man sich hier anmelden und ausweisen. Nach vollständiger Identifizierung führt der weitere Weg direkt in die Registrierhalle. Hier registrieren Mitarbeiter der Johanniter Neuzugänge. Ärzte aus der Umgebung bieten medizinische Untersuchungen an. "Wir haben viele Kollegen die mehrsprachig sind und neben Deutsch und Englisch zum Beispiel auch Arabisch sprechen", berichtet Ulrich Münsterteicher von den Johannitern. Dies vereinfache nicht nur die Registrierung sondern auch alle kleineren, alltäglichen Dinge, so Münsterteicher. Verantwortlich dafür, dass alles reibungslos abläuft sind etwa 100 Mitarbeiter der Johanniter, von denen sich 60 auf die Betreuung, 30 auf den Sanitätsdienst und 10 auf die Küche verteilen. Nach der Registrierung werden die Neuankömmlinge, die meisten kommen aus Syrien und dem Irak, mit einer Grundausstattung von Hygieneartikeln versorgt - dann auf die Leichtbauhallen verteilt. 15 Hallen stehen hier von denen 11 als Wohneinheiten dienen und je zwei Sanitäranlagen, Registrierung und Krankenstation bieten. Die Hallen selber sind in einzelne Zimmer aufgeteilt, in denen teilweise bis zu acht Personen Platz finden. " Wir geben unser Bestes um eine möglichst harmonische Belegung der Zimmer zu gewährleisten", berichtet Einrichtungsleiter Mester. So werden alleinstehende Männer nicht zusammen mit Familien untergebracht. Zur Mittagszeit finden sich die Flüchtlinge in der ehemaligen Werkhalle der JVA ein, wo die Essensausgabe stattfindet. Am Rande der Halle stehen Automaten, an denen sich Einwohner Süßes und Getränke kaufen können. In der kalten Jahreszeit kann sich hier jeder rund um die Uhr kostenlos Kaffee und Tee holen. Bei Vollbelegung müsste das Essen in Schichten eingenommen werden - zum Beispiel nach den Hallennummern, so Mester. Zwei bis drei Wochen im Schnitt verbringt ein Flüchtling am Stöckerbusch, bevor er auf eine Gemeinde in NRW verteilt wird. Um einem möglichen Lagerkoller entgegen zu wirken, bietet die Einrichtung auch Ein-Euro-Jobs zum Beispiel zur Pflege der Sanitäranlagen. Des Weiteren gibt es eine Aufenthaltshalle in der sich die Flüchtlinge zum Beispiel am Tischkicker sportlich messen können. Bei gutem Wetter wird das weitläufige Gebiet auch schon mal zum Fußballplatz umfunktioniert - ein Spaß auch für die Kinder. Im Kinderzelt engagiert sich jeden Freitag Sertac Istihkamyapan von der Chorschule Wewelsburg. Im Rahmen des Projektes Singen mit Flüchtlingskindern probiert sich der Sohn türkischer Eltern einmal die Woche zusammen mit Kindern aller Altersgruppen an deutschen Klassikern wie "Bruder Jakob". Eingängig muss ein Lied sein, um die Kinder zu begeistern. "Nach all dem was diese Kinder durchgemacht haben, geht es darum neue und positive Erlebnisse zu schaffen". sagt der Johanniter Münsterteicher.

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