Der Dörenhagener Jan Lessner spielt gemeinsam Tommy Heinecke, Chris Roiskon und Pete Alderton. Er hat dafür seine Mundharmonika gezückt. - © FOTO: KATHARINA GEORGI
Der Dörenhagener Jan Lessner spielt gemeinsam Tommy Heinecke, Chris Roiskon und Pete Alderton. Er hat dafür seine Mundharmonika gezückt. | © FOTO: KATHARINA GEORGI

Borchen-Dörenhagen Warum Sisyphos an Burnout leidet

Dörenhagener Liedermacherabend wieder ein Ohrenschmaus

Borchen-Dörenhagen (gek). Eine Prise Melancholie, ein Hauch Emotionalität und ein Publikum, so mitgerissen und leise lauschend, dass der anschließende Applaus schon fast ohrenbetäubend durch den Raum rauschte. Der Liedermacherabend des Heimat- und Kulturkreises Dörenhagen war ein Ohrenschmaus für Fans von handgemachter Gitarrenmusik, ohne elektronischen Schnickschnack.

Die Warbuger Musikerin Nadine Fingerhut eröffnete den Reigen, sang von verflossener Liebe, Herzschmerz und eigenen Erfahrungen. "Mein Leben ist ein Haus, nur sollt ich hier mal renovieren. Die meisten Ecken sind verstaubt und es ist voller alter Türen", hieß es in ihrem Lied "Leichen im Keller". Die junge Musikerin blieb bei eher melancholischen Liedern, die sie gefühlvoll ins Mikrofon hauchte. Zwischen ihren Liedern suchte sie vorsichtig das Gespräch mit dem Publikum, erläuterte ihre Lieder und schmunzelte ein wenig über die Lichtshow, die Gert Smolorz vom Kulturkreis auf die Bühne brachte.

Einen ähnlich ruhigen Einstieg wählte der Paderborner Musiker Matthias Lüke, der, entgegen der Ankündigung, allein auf der Bühne stand. Für den erprobten Künstler war das kein Problem. Er bezauberte das Publikum sowohl mit einigen gefühlvollen wie auch lustigen Texten, die er jeweils mit kleinen Anekdoten und kurzen Geschichten erklärte.

Die tragische Geschichte vom griechischen Sagenheld Sisyphos, der ein Leben lang einen großen Felsen einen Berg hinauf rollen muss, dachte er weiter und ließ ihn, an Burnout leidend, einen Therapeuten aufsuchen. Wenn er nachts im Bett wach liege, kämen ihm außerdem die merkwürdigsten Gedanken, die er in "Manchmal nachts" verarbeitet hat. "Dann denk ich an dich. Dass du kommst und dich zu mir legst." Zum Markenzeichen sind für den Musiker nicht nur seine roten Socken, sondern auch das Instrument Kazoo geworden, dass eine Art kleine Tröte ist und stellenweise in den Lieder den Gesang ersetzt.

Als regional bekannte Koryphäe der Gitarrenmusik musste Pete Alderton sich dem Publikum nicht mehr beweisen. Gemeinsam mit Chris Roiskon und Tommy Heinecke spielte er Blues-Klassiker und Interpretationen bekannter Größen wie Leonard Cohen. "Ein Blues-Album ist immer etwas sehr persönliches", erklärte Alderton beim Eröffnungslied. Er erzählte von Familiendramen und anderen Erlebnissen seines Lebens. Der in Dörenhagen wohnende Jan Lessner unterstützte die drei Musiker mit seiner Mundharmonika und gab diesem Teil des Abends so einen ganz speziellen lokalen Anstrich.

Der Dörenhagener Liedermacherabend fand zum sechsten Mal statt. "Die Musiker, die hier auftreten, kommen meistens aus der Region", sagte Vereinsmitglied und Moderator Thomas Huber. Im 1.400 Einwohner zählenden Borchener Ortsteil leben "viele Leute, die selbst Musik machen", erläuterte Huber. Aus diesem gemeinsamen Interesse sei der Liedermacherabend entstanden. 

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