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Reiner Allerdissen ist Bürgermeister in Borchen. - © Andreas Götte
Reiner Allerdissen ist Bürgermeister in Borchen. | © Andreas Götte

Borchen Als Roter unter Schwarzen: Borchens SPD-Bürgermeister in Plauderlaune

Reiner Allerdissen erklärt den Jusos, warum ihm der Job des Bürgermeisters Spaß macht

Andreas Götte
19.08.2019 | Stand 19.08.2019, 10:54 Uhr

Paderborn/Borchen. Weil die SPD in Paderborn keinen Bürgermeister stellt, hatte anlässlich der Regionalkonferenz der Jusos OWL in der Paderborner Jugendherberge am Wochenende Borchens Bürgermeister Reiner Allerdissen die Ehre, ein Grußwort zu sprechen. Reiner Allerdissen ist einer von nur drei Bürgermeistern im Kreis Paderborn mit sozialdemokratischem Parteibuch – ein Roter unter Schwarzen sozusagen. Außer in Borchen „regieren" noch in Altenbeken und Lichtenau mit Hans Jürgen Wessels und Josef Hartmann Sozialdemokraten. Und der Rote plauderte aus dem Nähkästchen. Auch wenn er die Jugendherberge nicht auf Anhieb gefunden hatte, orientierungslos ist Allerdissen nicht. „Ein Bürgermeister befindet sich zwischen grenzdebil und kriminell", sagte er mit einem Augenzwinkern. Auch wenn man gejagt werde, mache ihm der Sieben-Tage-Job unendlich viel Spaß. "Ich muss alle Menschen vertreten, auch die, die mich nicht gewählt haben" Seine Wiederwahl 2015 bezeichnete er als großen Vertrauensbeweis. „Als Bürgermeister muss ich für den Ort das Beste herausholen. Ich muss auch die Menschen vertreten, die mich nicht gewählt haben", betonte Allerdissen. Natürlich sei ein SPD-Bürgermeister im schwarzen Borchen ein besonderes Pfund, gab er zu. Auch auf den Streit mit dem Kreis Paderborn bezüglich der Zulassung von weiteren Windenergieanlagen ging er kurz ein. „Ich bin für regenerative Energien, aber ich bin auch für eine Verteilungsgerechtigkeit. Wir müssen aufpassen, dass das nicht ausufert", so Allerdissen. Wenn viele Menschen Ohnmacht empfänden, sei das „absoluter politischer Sprengstoff". Eine gewisse Ohnmacht dürfte der Bürgermeister auch als Zeuge des Auftritts von Unternehmer Clemens Tönnies und dessen von vielen als rassistisch eingestuften Äußerungen beim Tag des Handwerks in Paderborn gespürt haben. Warum er nicht aufgestanden sei, möchte ein Juso-Mitglied von ihm wissen. Tönnies' Worte hätten ihn fassungslos gemacht Als Bürgermeister habe das eine ganz besondere Wirkung, deshalb habe er sich entschieden, sitzen zu bleiben, antwortete Allerdissen. Die Worte Tönnies' hätten ihn fassungslos gemacht und schockiert zurückgelassen. In Bezug auf die guten Wahlergebnisse der AfD müssten deren Wähler überzeugt und wieder zurückgewonnen werden. „Die Welt ist nicht holzschnittartig", so Allerdissen. Und wie lebt es sich so als SPD-Bürgermeister in einer von der CDU dominierten Region? „Gut. Ich komme mit den CDU-Bürgermeistern hervorragend aus. Man muss zwar den politischen Kompass beibehalten, darf sich jedoch nicht auf eine Ideologie stützen", so der Rat des früheren Kochs an die jungen Zuhörerin und Zuhörer. Denen riet er zudem, „in die Ämter zu gehen und auf die Menschen zuzugehen und ihnen zuzuhören". Demokraten sollten sich mit Lust streiten, dabei jedoch stets den Grundkonsens beachten.

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