Grenzmauer: Ein Blick entlang des durch Rodung freigelegten Grundstücks am Grünen Weg zeigt, dass die Böschung in die bebaubaren Bereich hineinragt. - © Jens Reddeker
Grenzmauer: Ein Blick entlang des durch Rodung freigelegten Grundstücks am Grünen Weg zeigt, dass die Böschung in die bebaubaren Bereich hineinragt. | © Jens Reddeker

Borchen Gefällte Büsche in Borchen werden zum Grenzfall

Offenbar sieht sich der Häuslebauer im Recht, da Bewuchs auf sein Grundstück ragte. Der Bürgermeister hält am Vorwurf des kaltschnäuzigen Vorgehens fest und beklagt sich über egoistische Bauherren

Jens Reddeker
08.05.2019 | Stand 08.05.2019, 08:00 Uhr

Borchen. Die Böschungen an der Grenze eines Baugrundstücks am Grünen Weg in Borchen sind nach Ansicht von Beteiligten rechtmäßig entfernt worden. Wie an der Baustelle zu erfahren war, habe sich der Bewuchs zum großen Teil auf der privaten Grundstücksfläche befunden und daher für den zukünftigen Außenbereich des Hauses weichen müssen. Vor Ort zeigt ein Blick auf die Grenzsteine, dass zumindest Teile des betagten Grünzuges auf den mittlerweile verkauften Grundstücken stehen. Für den Bürgermeister stellt sich die Sache dennoch anders dar. Borchener Bürger hatten in der Vorwoche den Kahlschlag am beliebten Spazierweg in Kirchborchen bemerkt und sich empört an die Neue Westfälische gewandt. Über rund 25 Meter wurde entlang der alten Handelstrasse "Frankfurter Weg" der Bewuchs rigoros entfernt. Damit ist der Blick frei auf eine Betonmauer, die das höher gelegene Grundstück einfasst. Borchens Bürgermeister Reiner Allerdissen (SPD) bestätigt, dass keine Genehmigung für eine Fällung vorgelegen habe und zeigt sich auch am Dienstag noch entsprechend entsetzt über das Vorgehen des Grundstücksbesitzers. "Er darf natürlich auf seiner Fläche die Büsche entfernen, doch es ist ja eindeutig auch auf dem Grundstück der Gemeinde gerodet worden. Das geht nicht." Nun muss aufgeklärt werden, wo genau die gerodeten Büsche gestanden haben. Erschrocken über den Kahlschlag am Grünen Weg ist auch Anwohnerin Ines Altenbernd: "Selbst wenn ein Teil der Böschung auf dem Grundstück stand, hätte der Bauherr mit der Gemeinde reden müssen, bevor so etwas passiert." Das Baugrundstück im Neubaugebiet "Unterm Hessenberg" ist nach NW-Informationen im Besitz eines Bauträgers aus Büren, der ein Gebäude mit mehreren Wohnungen errichten lässt. Der Betrieb war am Dienstag telefonisch nicht erreichbar. Die Fläche hatte offenbar zuvor einem Grundbesitzer gehört, der Bauland für das Neubaugebiet an die Gemeinde verkauft hatte. "Ich bin wild entschlossen" Im Baugebiet hat die Gemeinde darüber hinaus 47 Grundstücke nach Kriterien vergeben. Ohne Erschließung belaufen sich die Grundstückskosten laut Verwaltung auf 137 Euro pro Quadratmeter. Um die Bauplätze hatten sich rund 250 Interessierte beworben. Vor allem andere Bauherren will Bürgermeister Allerdissen nun mit konsequentem Vorgehen im Fall des umstrittenen Kahlschlags warnen. "Es kommt immer wieder vor, dass sich Menschen nicht an die Vorschriften halten und kaltschnäuzig eigene Ziele verfolgen. Das können wir nicht durchgehen lassen." Der Rathauschef ärgert sich über Vorgänge, in denen schamlos über die Grundstücksgrenze hinaus gebaut oder wenn die vorgeschriebene Maximalhöhe von Gebäuden missachtet wird. "Es wird für uns immer schwieriger, durchzusetzen, dass solche Dinge dann zurückgebaut werden", beklagt Allerdissen. "Leider kommen diese Leute oft durch, weil sich niemand Ärger antun will - und Gerichte drängen auf Vergleiche. Ich bin aber wild entschlossen, dass das Recht durchgesetzt wird. Es geht hier auch um das Ortsbild und um das Rechtsempfinden aller Bürger." Seit Wochenbeginn habe er zahlreiche E-Mails aufgebrachter Bürger beantwortet, sagt Allerdissen im NW-Gespräch. Für die Durchsetzung des Rechts ist laut Bürgermeister im Fall der gefallenen Büsche nun der Kreis als Baugenehmigungsbehörde zuständig. Dort werde die Sachlage aktuell geprüft. Zusätzlich hat die Gemeinde bereits Gespräche mit dem Grundstückseigentümer geführt: "Er hat zugesagt, für Ersatz zu sorgen. Dennoch prüfen wir auch als Kommune, wie wir uns positionieren. Schließlich legt das Vorgehen nahe, dass die Abholzung geplant war."

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