Beton statt Böschung: Am Grünen Weg in Nordborchen ist entlang einer Grundstücksgrenze nun eine Mauer zu sehen. Der vorherigen Bewuchs ist nahezu komplett abgeholzt worden. - © Ulrich Blömeke
Beton statt Böschung: Am Grünen Weg in Nordborchen ist entlang einer Grundstücksgrenze nun eine Mauer zu sehen. Der vorherigen Bewuchs ist nahezu komplett abgeholzt worden. | © Ulrich Blömeke

Borchen Borchener Häuslebauer holzt Böschung der Gemeinde ab

Verärgerte Bürger und ein entsetzter Bürgermeister ärgern sich über das Vorgehen einer Baufirma an einem ganz besonderen Weg

Jens Reddeker
06.05.2019 | Stand 06.05.2019, 16:18 Uhr

Borchen. Mit diesem Kahlschlag hat ein Bauunternehmer am Borchener Neubaugebiet Unterm Hessenberg nicht nur Spaziergänger und Anwohner verärgert, sondern auch die Stadtverwaltung auf den Plan gerufen. Am Grünen Weg hat ein Bauträger entlang einer Grundstücksgrenze alten Böschungsbestand fällen lassen und sich Platz fürs Arbeiten rund ums Gebäude verschafft. "Ein Unding. Das lief ohne Genehmigung der Gemeinde", sagt Bürgermeister Reiner Allerdissen. "Die Bäume wurden auf einem gemeindlichen Grundstück gefällt." In der NW-Redaktion hatten sich zuvor bereits unabhängig voneinander Bodo Kaiser und Ulrich Blömeke gemeldet. Die beiden Borchener waren schockiert, als sie in der Vorwoche den Grünen Weg in Nordborchen entlang kamen und der dichte Bewuchs an dieser Stelle über mehr als 25 Meter verschwunden war. Bis auf einen Baum ist die Strecke abgeholzt. Der Grüne Weg ist nach Angaben Kaisers ein Teilstück des früheren mittelalterlichen Fern-Handelsweges "Frankfurter Weg". Er führte einst als Via Regia aus dem Raum Frankfurt/Main über Paderborn und Minden nach Bremen. In Borchen ist der Grüne Weg ein so genannter Hohlweg, der sich durch jahrhundertelange Nutzung mit Fuhrwerken und Vieh sowie abfließendes Regenwasser in die Umgebung eingeschnitten hat. Der Erhalt seines Erscheinungsbildes ist durch die Gemeinde festgeschrieben. Auch die Planung des Baugebietes "Unterm Hessenberg" sieht ausdrücklich vor, dass die umgebenden gemeindlichen Grünflächen Bestand haben sollen. Statt des natürlichen Bewuchses ist nun am betroffenen Abschnitt eine rund 1,30 Meter hohe graue Betonmauer als massive Sichtschutzwand zu sehen. Bodo Kaiser meint: "Ich darf gar nicht an die zukünftige Aussicht für Fußgänger und Radfahrer auf dem Hohlweg denken. Eine nachträgliche Neuanpflanzung würde bei dieser Maueranlage wohl erst nach Jahren einigermaßen verträglich auf die Fußgänger wirken können." "Ein Ding der Unmöglichkeit" Zur Neupflanzung wird es wohl kommen, denn nachdem ein Ratsmitglied auch die Gemeindeverwaltung über die unerlaubten Abholzungen informiert hat, wurde das Thema am Montagmorgen im Rathaus von Allerdissen mit dem Bauamt erörtert. "Wir werden jetzt die bauordnungsrechtlichen Maßnahmen prüfen", kündigt der Bürgermeister an. Er spricht schon jetzt von notwendigen Anpflanzungen und will vor allem keinen Präzedenzfall für andere Bauherren im Neubaugebiet schaffen. "Wir werden natürlich handeln, denn es ist ja ein Ding der Unmöglichkeit, hier so Tabularasa zu machen." Das hemdsärmelige Handeln des Unternehmens sei "in keinem Fall eine gültige Vorgehensweise". Ulrich Blömeke weist darauf hin, dass andere Grundstücksbesitzer das geltende Recht geachtet hätten: "Dass man auch sensibler mit der Befestigung seines Grundstücks umgehen kann, wird wenige Meter weiter deutlich." Auf dem nun frei geschnittenen Grundstück entsteht nach NW-Informationen das Gebäude eines Bauträgers, der dort Wohnungen zum Verkauf anbieten will. Im Baugebiet hat die Gemeinde insgesamt 47 Grundstücke vergeben, ohne Erschließung belaufen sich die Grundstückskosten laut Verwaltung auf 137 Euro pro Quadratmeter. Um die Bauplätze hatten sich rund 250 Interessierte beworben.

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