210 Windenergieanlagen stehen bereits im Borchener Gemeindegebiet im Umkreis von fünf Kilometern zur Besiedlung. - © Birger Berbüsse (Symbolfoto)
210 Windenergieanlagen stehen bereits im Borchener Gemeindegebiet im Umkreis von fünf Kilometern zur Besiedlung. | © Birger Berbüsse (Symbolfoto)

Borchen Windkraft bei Borchen: Enormes Konfliktpotenzial

Windvorrangflächen: Umfassungswirkung und Artenschutz lassen der weiteren Nutzung relativ wenig Raum

Andreas Götte

Borchen. Im Zuge der 40. Änderung des Flächennutzungsplanes bezüglich der Ausweisung von Windvorrangflächen soll die Gemeinde Borchen mit deutlich weniger Flächen als zu Anfang erwartet in das Verfahren gehen. Dazu rät Stadtplaner Michael Ahn vom Planungsbüro Wolters Partner aus Coesfeld. „Der Wert sinkt auf 8,1 Prozent, das ist ein guter Wert", betonte der Experte. Eine Prognose zur Rechtssicherheit des geänderten Flächennutzungsplans, der aus formellen Gründen in einen Teilflächennutzungsplan „Windkraft" umgewandelt wird, wollte Ahn angesichts immer wieder überraschender Gerichtsurteile jedoch nicht abgeben. „Die wenigen Flächen sollten jedoch funktionieren", so Ahn. 210 Windenergieanlagen im Umkreis von fünf Kilometern 210 Windenergieanlagen stehen bereits im Borchener Gemeindegebiet im Umkreis von fünf Kilometern zur Besiedlung. Rund 400 Seiten umfassen die umfangreich durchgeführten Gutachten, deren Ergebnis am Donnerstagabend im Bau- und Umweltausschuss in epischer Breite vorgestellt wurde. Demnach kommt es auf vielen Potenzialflächen zu einem erheblichen Konfliktpotenzial, weil sie von mehreren sogenannten konkurrierenden Nutzungen überlagert sind. Rot- und Schwarzmilane und weitere Vogelarten haben dort ihre Reviere. Der Rotmilan kommt auf 70 Prozent der Gemeindefläche vor. Für Fledermäuse muss nachts an ein Abschaltszenario gedacht werden. Auch die zum Teil jetzt schon vorhandene massive Umfassungswirkung vor allem im Bereich Dörenhagen macht die Ausweisung von Windvorrangzonen schwierig. So gibt es laut Ahn am Ortsrand von Dörenhagen keinen Standort, deren Sichtachse breiter als 60 Grad ist. „Das ist ein Verlust an Landschaftsqualität, deshalb darf die Umfassungswirkung nicht weiter verstärkt werden", sagte Ahn. Für die Umfassungswirkung gäbe es keine Grenzwerte, sie sollte sinnvoll festgelegt werden. Angesichts des Umfassungsgutachtens fühlte sich Bürgermeister Reiner Allerdissen bestätigt. „Meine Position, dass des Guten zu viel gebaut wurde bestätigt, ist mehr als berechtigt", so Allerdissen und sprach von einem „denkwürdigen Abend". In dem Zusammenhang betonte er, nicht gegen Windenergie zu sein. Das Argument des Kreises Paderborn, dass in Borchen das Landschaftsbild eine herausragende Bedeutung habe, hält Stadtplaner Ahn für ein eher schwaches Argument, analog zum möglichen Eingriff in den Kulturraum und Bedenken der Flugsicherung. 1.200 Meter Abstand zur Wohnbebauung Unter dem Strich könnten nur Flächen in Dörenhagen-Ost und im westlichen Teil von Etteln-Ost neu als Windvorrangflächen ausgewiesen werden. Die Flächen in Alfen, im Haxtergrund, die Salzkotten-Erweiterung, Etteln-West und Dörenhagen-Busch sollen nicht weiter verfolgt werden. In Borchen wird auf einen Abstand von 1.200 Metern zur Wohnbebauung gesetzt. Für einen Vorsorgeabstand von 1.500 m gibt es laut Michael Ahn keine Rechtsgrundlage. Patrick Knüttel (SPD) kritisierte angesichts der schwammigen Vorgaben die Landesregierung. „Sie lässt uns im Regen stehen." Dem Vorschlag von CDU-Fraktionschef Hansjörg Frewer, in der Woche vor den Herbstferien für die Bürger eine öffentliche Informationsveranstaltung anzubieten, wurde mit dem Hinweis, dass dieses nicht zielführend und zudem zeitintensiv sei, abgelehnt. Die Gutachten seien zudem alle auf der Internetseite der Gemeinde Borchen einsehbar, so die Verwaltung. Als nächster Schritt muss der Teilflächennutzungsplan beschlossen werden.

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