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Ihr entgeht nichts: Die kleine unscheinbare Kamera beobachtet vom Dach in Fürstenberg Weltraumschrott, Kometen, Asteroide und Meteoriten. - © Uwe Müller/Montage: Grundmann
Ihr entgeht nichts: Die kleine unscheinbare Kamera beobachtet vom Dach in Fürstenberg Weltraumschrott, Kometen, Asteroide und Meteoriten. | © Uwe Müller/Montage: Grundmann

Bad Wünnenberg Warum diese kleine Kamera in Bad Wünnenberg das Weltall überwacht

Ein Frühwarnsystem soll vor Einschlägen aus dem All schützen. Warum eine All-Sky-Video-Kamera nun auch in Fürstenberg steht

Uwe Müller
28.07.2019 | Stand 28.07.2019, 14:44 Uhr

Bad Wünnenberg-Fürstenberg. Es war dramatisch, das Ende der Welt stand kurz bevor: Aber die Erde wurde 1998 vor dem Einschlag eines riesengroßen Asteroiden gerettet. Und zwar Hollywood reif. Action-Darsteller Bruce Willis landete mit einem Raumschiff auf dem rasenden Himmelskörper und sprengte ihn. Diese Story aus dem Film „Armageddon" ist zwar hanebüchen, aber es steckt auch viel Wahres in ihr. Die Erde kann nach wie vor von Kometen, Asteroiden oder auch von Weltraumschrott getroffen werden. Daher haben Wissenschaftler in Frankreich ein Frühwarnsystem entwickelt, um frühzeitig Bewegungen im Weltraum zu erkennen und abzuschätzen. Seit gut einer Woche gibt es das auch in Fürstenberg. Auf dem Dach der Firma „Advanced Plastics" an der Poststraße ist die eher unscheinbare, aber extrem leistungsstarke, hochauflösende Kamera installiert und online geschaltet worden. Sie überwacht den Nachthimmel und dient zur automatischen Detektion und Analyse von hellen Meteoren, Asteroiden und Feuerkugeln. Sie ist Teil des europäischen Netzwerks von mehr als 110 Kameras, die bislang vornehmlich in Frankreich installiert wurden. Dort ist auch der Hauptsitz der Organisation. Besondere Anforderungen an den Standort Die so genannte All-Sky-Video-Kamera vom Typ Fripon (Fireball Recovery und Inter-Planetary Observation Network) schickt die ganze Nacht Bilder nach Marseille. Die Beobachtungen aller vernetzten Kameras werden in der europäischen Zentrale zusammengefasst, ausgewertet und beraten. Bisher trugen nur wenige Kameras in Deutschland (Stralsund, Spiekeroog, Bayrischer Wald, Oldenburg) zu diesem europäischen Projekt bei. Mitteldeutschland wird jetzt von Fürstenberg aus überwacht. „Es wurde ein Standort gesucht, wo es zum Beispiel keinen Smog gibt, keinen Schattenwurf und der auch in der Mitte Deutschlands liegt", erklärt Antonius Monkos, der als Ehrenvorsitzender des Förderkreises für Kultur, Geschichte und Natur im Sintfeld maßgeblich an der Umsetzung dieses ungewöhnlichen Projekts beteiligt war. Aber die Initiative ging von einem anderen Fürstenberger aus: Der Physiker Gerhard Drolshagen ist Leiter der Forschergruppe der Universität Oldenburg, die sich mit Strahlenphysik und Weltraumumgebung befasst. Er war wohl ausschlaggebend, dass die Kamera in seinem Heimatort installiert wurde. Gemeinsam mit der Universität hat der Fürstenberger Förderkreis dieses Forschungsprojekt nun realisiert. „Die Installation eines internen Internets, Router, einer eigenen IT-Adresse und gut 40 Meter Kabel sprengt eigentlich den finanziellen Rahmen unseres kleinen Vereins, aber wir fanden das Projekt so spannend", so Monkos. Fördermittel gab es keine und die Kosten für die Kamera übernimmt die Oldenburger Uni. Aufbau eines Frühwarnsystems Drolshagen, der von 1987 bis 2016 bei der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) arbeitete, wurde vor vier Jahren eine ganz besondere Ehre zu teil. Der Asteroid 332733 wurde nach ihm benannt. „Unsere erste Aufgabe ist es, die großen Meteoriten aufzuspüren, die unserer Erde mal gefährlich werden können", erklärte der Professor dabei. Danach gelte es die Umlaufbahnen zu berechnen, die der Asteroid in den nächsten 100 Jahren zurücklegen wird. Zudem müsse an Möglichkeiten gearbeitet werden, wie man Weltall-Gestein von der Erde fernhalten könne. Die von Bruce Willis angewandte Methode fällt dabei aber raus. Mit Schallwellen könnten Himmelskörper aus der Flugbahn gedrängt werden. Dafür müssen aber erst einmal die Objekte, zu denen mittlerweile auch jede Menge an Weltraumschrott hinzugekommen ist, entdeckt werden. Die Fürstenberger Kamera wird dabei helfen. „Ziel ist es, flächendeckend in Deutschland und auch in ganz Europa die Frühwarnsysteme zu installieren", erklärt Monkos. Denn nur wenn mehrere Kameras den selben Meteor beobachten, können wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen werden.

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