Seit 1974 führte Franz Hartong (jun.) die tratitionreiche Gaststätte seiner Familie als beliebter Wirt im Herzen der Gemeinde Fürstenberg. - © Brigitte Wieskotten
Seit 1974 führte Franz Hartong (jun.) die tratitionreiche Gaststätte seiner Familie als beliebter Wirt im Herzen der Gemeinde Fürstenberg. | © Brigitte Wieskotten

Bad Wünnenberg-Fürstenberg In Fürstenberg steht das Ende der Kneipenära Hartong an

Alles begann als Nebenerwerb

Brigitta Wieskotten

Bad Wünnenberg-Fürstenberg. Laut historischen Unterlagen existiert das Gasthaus Hartong schon seit 1733 im Herzen Fürstenbergs unter dem Familiennamen. Doch die Familien-Tradition findet ein Ende. In dieses Tagen hat Gastwirt Franz Hartong (69) seinen Abschied mit 450 Gästen gefeiert. Doch er hat im Ort Nachfolger gefunden. Alle wollten jetzt ihrem geliebten Gastwirt noch einmal die Hand schütteln und sich für ungezählte gesellige Stunden in der Gaststätte bedanken. Etwa 20 große und kleine Vereine suchten gerade hier „bei Franz" die Geselligkeit, Ehrlichkeit, Hilfsbereitschaft und Zuverlässigkeit, um eine Vereinsheimstatt für Versammlungen, Sitzungen, Vereinsfeiern oder einfach nur eine Anlaufstelle zu haben. Gaststätte begann als Nebenerwerb Über Jahrhunderte wurde die Gastlichkeit der Gaststätte Hartong geschätzt. Der Gasthof von Wirt Franz Hartong hat einen bewegten und familiären Hintergrund seit 285 Jahren. Man schrieb das Jahr 1733, als die Familie Johannes und Friedrich Hartong neben ihrem Landwirtschaftsbetrieb eine Gaststätte als Nebenerwerb im Herzen von Fürstenberg gründete. Als Nachfolger übernahm Ferdinand Hartong den Gaststättenbetrieb. Er war Bäckermeister und wurde berühmt durch seine Wasserkrengel. Nach seinem Tod übernahm sein Sohn Kaspar die Gaststätte, betrieb Landwirtschaft und transportierte mit einem Pferdefuhrwerk Güter für die Bahn. Die Bäckerei wurde geschlossen, aber es gab nun im Hause Hartong einen sogenannten „Reisestall", in dem Reisende ihre Pferde und Fuhrwerke unterbrachten und wo sie selbst übernachten konnten. 1955 ging der Familienbesitz in fünfter Generation an Franz Hartong (sen.) und seine Frau Anna. Sie betrieben weiter Landwirtschaft und führten die Gaststätte auf 25 Quadratmetern. Etwa 20 Personen hatten im Schankraum Platz. Auf dem Weg zu den Toiletten bekam der ortsunkundige Gast den plattdeutschen Hinweis „Cho ment üerwer de Dierle", er sollte also nur durch den Flur gehen. 1971 entstand nach umfangreichen Baumaßnahmen eine neue Gaststätte mit gemütlichem Gesellschaftsraum. Der Landwirtschaftsbetrieb wurde nicht mehr weitergeführt. Drei Jahre später übernahm der heutige Gastwirt Franz Hartong (jun.) das Gasthaus. Unter seiner Regie entstand neun Jahre später aus Hartongs Fachwerkhaus ein Gasthaus mit moderner Fassade, einer vollautomatischen Bundeskegelbahn und einem großen Gesellschaftsraum, inklusive guter Küche und individuellem Service. Die nächste Erweiterung erfuhr der Betrieb durch Franz Hartong und seine Ehefrau Hildegard mit Sohn Sebastian durch den Bau eines größeren Gastraumes. Unterstützt wurde Hartong auch von seiner Mutter Anna. Die gute Küche unter der Regie der Hartongs für Einzelgäste und große Gesellschaften wurde überregional geschätzt. Tante Ännes beliebte Koteletts Bei Hochzeitsgesellschaften war das Haus beliebt und viele Gäste nahmen auch gern noch ein schmackhaftes Kotelett von Tante Änne direkt aus dem Tresen mit nach Hause. An der Entwicklung des Gasthofs waren die Ehefrauen nicht nur mit Schrubber und Besen maßgeblich beteiligt, sondern auch stets als gute Geister des Hauses. Stolz war Gastwirt Franz Hartong immer auf sein Team in Küche und Service. Sie identifizierten sich über viele Jahrzehnte mit seinem Betrieb und haben so zum guten Ruf das Hauses beigetragen. In diesen Tagen legt der gebürtige Fürstenberger Wirt, nach einer langen und gewissenhaften Nachfolger-Suche die Verantwortung für sein Lebenswerk in die Hände von Ruth und Reimund Klaaßen und deren Kinder Kim, Linus und Zoe. Unter dem Namen „Gaststätte Vesperthe" wird das Gasthaus mitten in Fürstenberg ab dem 7. September wieder eröffnet.

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