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Bad Lippspringe Ein Denkmal geht auf Reisen

Wie der steinerne Mechanikus seinen Platz auf der Jordanbrücke verliert

VON ANDREAS GÖTTE
18.04.2013 | Stand 17.04.2013, 19:24 Uhr
Die gesicherte und umhüllte Mechanikus-Figur wird behutsam auf die Ladefläche eines Lastkraftwagens geschwenkt. - © FOTO: ANDREAS GÖTTE
Die gesicherte und umhüllte Mechanikus-Figur wird behutsam auf die Ladefläche eines Lastkraftwagens geschwenkt. | © FOTO: ANDREAS GÖTTE

Bad Lippspringe. Wenn man mehrere Jahrzehnte auf dem Marktplatz auf der Jordanbrücke steht, möchte man gar nicht mehr weg. Das dachte sich gestern auch das altehrwürdige Mechanikus-Denkmal aus Sandstein und blieb mehrere Stunden standhaft in seinem Fundament.

Die Männer vom Landschafts- und Gartenbaubetrieb Beil & Driller aus Dörenhagen brauchen trotz schweren Gerätes mehrere Stunden, um die 2,6 Tonnen schwere und rund 2,50 hohe Figur aus ihrer Umgebung zu lösen. "Den Auftrag, ein Denkmal zu versetzen, haben wir nicht so oft", erzählt Stefan Beil.

Erst ganz langsam löst sich gestern die Figur aus ihrer Umgebung und wirbelte dabei immer wieder ganz schön viel Staub auf. Eine ältere Passanten schüttelte beim Vorbeigehen den Kopf. Sie könne so etwas nicht nachvollziehen, zumal das sicher viel Geld kosten werde, sagte sie und ging weiter.

Dann wurde es langsam ernst. Der Figur wurden Gurte angelegt und ihr Schutzmaterial übergeworfen. Der Mechanikus tappte bei seinem bevorstehenden Höhenflug im Dunkeln. "Wir haben versucht, die Figur aus dem alten Fundament herauszuschneiden und versetzen sie jetzt mitsamt dem Fundament", erläuterte Stefan Beil.

Dann kam Kranfahrer Gerarld Treese im Autokran der Hofmann Kran-Vermietung aus Paderborn ins Spiel. Er musste den steinernen Koloss ganz vorsichtig auf den bereitgestellten Lastkraftwagen heben. Der Kran kann bis zu 30 Tonnen heben, aber bei der geringen Entfernung zum Denkmal relativiert sich das ganz stark. "Man muss sehr langsam mit viel Gefühl vorgehen", sagt Treese. Dann ist es unter den Augen einiger Schaulustiger geschafft. Der Mechanikus steht auf der Ladefläche.

Information

Mechanikus ist ein Rikus-Kunstwerk


Die Mechanikus-Figur zeigt den Bad Lippspringer Werkzeugmacher Johann Fischer (1835 bis 1905).

Im Volksmund auch Spökenkieker genannt, sah Fischer in der Badestadt einen Stadtbrand vorher.

Das Kunstwerk hat der Paderborner Bildhauer Josef Rikus erschaffen.

Seine Witwe hatte grünes Licht für eine Versetzung des Mechanikus gegeben.

Weil keine Pläne mehr auffindbar sind, gestaltete sich das Vorhaben gestern als besonders schwierig.(ag)

Sein Ziel ist rund 200 Meter entfernt: Die Grünfläche an der Liborius-Trinkhalle mit dem Tretbecken und einem alten Baumbestand. "Der Mechanikus kommt in ein schönes Umfeld. Dort gibt es auch einen Verbindungsweg zur St.-Martinskirche", weiß Bauamtsmitarbeiter Stefan Buschmeier, im Vorfeld und während der Landesgartenschau für die städtebaulichen Angelegenheiten zuständig.

Ende April sollen die Arbeiten an der Grünfläche abgeschlossen sein. Die Kosten in Höhe von 90.000 Euro teilen sich das Land (80 Prozent) und die Stadt (20).

Ob der Mechanikus sich dort wohlfühlen wird, ist nicht bekannt. Gesträubt hat er sich gestern gegen den Umzug jedenfalls genug. Wegen der Umgestaltung des Marktplatzes im nächsten Jahr als Beitrag zur Landesgartenschau war für ihn kein Platz mehr.

Wie berichtet soll der Jordan künftig erlebbarer gestaltet werden. Beispielsweise soll die Brücke verkleinert und eine große Freifläche für Festivitäten entstehen. Gedacht ist auch an einen Aufenthaltsbereich mit Ruhezonen. In einem sogenannten Mobilitätshafen sollen Segways und E-Bikes verliehen und aufgeladen werden können. Die Kosten für die Umgestaltung betragen rund eine halbe Million Euro. 80 Prozent davon übernimmt das Land.
 

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