Ähnelt einer Ruine: Die Zukunft der Auguste-Viktoria-Klinik ist noch völlig ungeklärt. - © www.sportpictures.de
Ähnelt einer Ruine: Die Zukunft der Auguste-Viktoria-Klinik ist noch völlig ungeklärt. | © www.sportpictures.de

Künftige Nutzung der Auguste-Viktoria-Klinik bleibt unklar

Der Bad Lippspringer Stadtrat bringt eine Denkmalbereichssatzung auf den Weg

Klaus Karenfeld
08.06.2019 | Stand 08.06.2019, 12:59 Uhr

Bad Lippspringe. Der Glanz vergangener Jahrzehnte ist längst verflogen. Die seit Jahren leer stehende Auguste-Viktoria-Klinik (AVK) ähnelt heute einer Ruine – auch nach Meinung vieler Kommunalpolitiker. Der Abriss großer Gebäudeteile wird immer wahrscheinlicher. Über die Zukunft der Auguste-Viktoria-Klinik wird in Bad Lippspringe bereits seit mehr als sechs Jahren gestritten. Geschehen ist bisher wenig: Der Stadtrat hat erst am Mittwochabend eine Denkmalbereichssatzung für das acht Hektar große Gelände auf den Weg gebracht. Konkret unter Denkmalschutz gestellt wurde allerdings nur der Mittelbau des 270 Meter langen Hauptgebäudes (Herbst 2018). 40 neue Häuser geplant In Sichtweite der ehemaligen Klinik sollen 40 neue Häuser entstehen. Mit der Vermarktung will die Stadt als Eigentümerin der Fläche noch 2019 beginnen. „Bis dahin muss noch einiges geschehen", machte Hans-Jürgen Schaefer (CDU) in der Ratssitzung am Mittwochabend deutlich. Seine Forderung: „Noch vor dem ersten Spatenstich muss klar sein, ob und wie der Klinikkomplex künftig genutzt wird." Auch Schaefer bedauerte den schlechten Zustand der Gebäude insgesamt. Bis heute ziehe die AVK abenteuerlustige Jugendliche und unerwünschte Besucher quasi magisch an. Die Folgen blinder Zerstörungswut seien deutlich erkennbar. Die CDU-Frage nach einem Nutzungskonzept für die Auguste-Viktoria-Klinik beantwortete Bürgermeister Andreas Bee mit deutlichem Kopfschütteln: „Ich bin für jeden konkreten Vorschlag dankbar. Aber mir fehlt nach all den Jahren ehrlich gesagt die Phantasie zu sagen, wie zumindest Teile der Auguste Viktoria-Klinik neu genutzt werden könnten." Schwierige Vermarktung Bernhard Göke von der FWG ergänzte: „Das 270 Meter lange Hauptgebäude insgesamt zu vermarkten dürfte schwierig werden." Widerspruch kam von der Fraktion „Die Linke". Sie erneuerte ihre Forderung, nicht nur den Mittelbau, sondern das Hauptgebäude insgesamt unter Denkmalschutz zu stellen. Schaefer unterbreitete dem Rat auch erste mögliche Nutzungsvorschläge: „Der Mittelbau der ehemaligen Klinik beispielsweise könnte künftig als Begegnungsstätte dienen. Auch eine Dokumentationsstätte zur Geschichte von AVK und Badestadt ist hier vorstellbar. Die mit Glas überdachte Empore bietet sich darüber hinaus als Veranstaltungsort für festliche Anlässe an." Schaefers Idee sei zwar sehr schön, im Ergebnis aber auch sehr teuer, monierte Michael Nitsche (SPD): „Wir werden in den nächsten Jahren kräftig in unser Freibad und das neue Feuerwehrgerätehaus investieren müssen. Da dürfte wohl kaum noch Geld für diese ambitionierten AVK-Pläne übrig sein." Der SPD-Fraktionsvorsitzende Kurt Süpke hält es dagegen für überlegenswert, in der Auguste-Viktoria-Klinik eine Kindertagesstätte einzurichten. Diese Gebäudeteile sollen abgerissen werden Weitgehende Einigkeit bestand bei den Beratungen am Mittwochabend darin, bereits „abgängige Gebäudeteile" der AVK in absehbarer Zeit abzureißen; als Beispiele wurden das ehemalige Schwesternwohnheim und das alte Kesselhaus genannt. Entsprechende Mittel sind laut Bee im aktuellen Haushalt bereits verankert. „Wir stehen tatsächlich vor der Grundsatzfrage, welche Teile der AVK wir erhalten und nutzen wollen und welche nicht", stellte Walter Strop in diesem Zusammenhang klar. Der Rat insgesamt sei hier gefordert, eine befriedigende Antwort zu geben. Die vorliegenden Gutachten will Bee den Fraktionen deshalb kurzfristig zur Verfügung stellen. Er betonte aber auch: „Die Stadtverwaltung ist in Sachen AVK in all den Jahren nicht untätig gewesen." So sei die Stadt aktuell im Gespräch mit der Landesentwicklungsgesellschaft „NRW Urban". Dabei gehe es ganz konkret um Fördergelder für sozial genutzten Wohnraum. „Doch um hier weiter zu kommen, bräuchten wir einen Investor. Und das ist aktuell das Problem", so Bee abschließend.

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